Schnee für durstige Bäume

Tauwasser hilft, die Bodenspeicher im Wald etwas aufzufüllen

Ein Wald im Schnee ist zu sehen.
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Der Wald braucht Wasser.

Von dem nun einsetzendem Tauwetter profitieren vor allem die zuletzt ausgeschöpften Wasserspeicher in den Waldböden.

Werra-Meißner – Der Schnee tut dem Wald gut. Da sind sich die Leiter der Forstämter unserer Region einig. Denn nach Dürrejahren und mehreren eher trockenen Wintern, kamen die Niederschläge der vergangenen Wochen genau richtig. „Es ist gut, dass es überhaupt Niederschläge gab. Wir haben jetzt die Hoffnung, dass es gut in den Boden einsickert“, sagt Matthias Dumm, Leiter des Forstamts Hessisch Lichtenau. Überaus positiv sei bei all den Schneemassen gewesen, dass der Frost nicht so früh eingesetzt hat, sagt er. Denn zuerst kam der Schnee, richtig kalt wurde es ein paar Tage später. Die Schneedecke habe indes eine isolierende Wirkung, der Waldboden fror bei starken Minusgraden nicht ein, erklärt er. „Schlecht wäre, wenn der Boden ganz hart wäre“, sagt Dumm. Bei einem weichen Boden könne das Tauwasser besser versickern.

Langsame Schmelze

Hauptsache sei dabei aber, dass der Schnee langsam abschmilzt, ergänzt Wehretals Forstamtleiter Dr. Thomas Rysavy, denn sonst fließt zu viel Wasser von oben ab und gelangt in die Flüsse statt in den Waldboden. Zwar taue es im Wald etwas langsamer, als auf Freiflächen. „Ideal wäre es aber trotzdem, wenn es noch bis in den März hinein feucht und vor allem kalt bleibt“, sagt Rysavy.

Das sei nicht nur wegen der Wassersättigung im Boden gut, auch der Borkenkäfer habe geringere Chancen, sich auszubreiten. Frost mache ihm zwar nicht viel aus, allerdings schwärmen die Tiere erst ab plus acht Grad aus. Und je früher es warm wird, umso eher können sie sich vermehren und desto mehr Generationen an nachwuchs kann der Käfer über das Jahr durchbringen.

Matthias Dumm. Forstamtsleiter Hess. Lichtenau

Jungpflanzen profitieren

Das Wetter tut aber nicht nur den schon vorhandenen Bäumen gut, sagt Dumm, sondern auch den Jungpflanzen, die die Forstämter im kommenden Frühjahr in den Wäldern setzen wollen. Denn deren Wurzeln profitierten besonders von den oberen 30 bis 40 Zentimetern des feuchten Waldbodens.

„180 000 Setzlinge will alleine das Forstamt in diesem Frühjahr in unserem Staatswald pflanzen“, sagt Dumm. Das betrifft unter anderem die Reviere von Meißner bis zum Kaufunger Wald.

Forstamtsleiter Wehretal: Thomas Rysavy.

Immer noch nicht genug

Aber trotzdem: Es hätte noch mehr Schnee sein können, sind sich die Forstamtsleiter einig. „Nach den trockenen Jahren war das für die Wälder wahrscheinlich noch nicht genug“, sagt Rysavy. Denn im Boden herrsche ein „unheimliches Defizit“ durch drei Dürrejahre, in denen es nur halb so viel Niederschlag gab, als die Wälder normalerweise brauchen. Das lasse sich nicht durch einen kräftigen Winter ausgleichen.

Da die Forstwirte auch in Zukunft mit Wetterextremen rechnen, müsse der Wald um mehr klimastabilere Bäume ergänzt werden. Dazu gehören Eichen und Douglasien, die mit Trockenheit besser zurechtkommen. Doch der Umbau auf klimastabile Wälder ist eine langwierige Aufgabe. Jessica Sippel Fotos: Privat/Wiebke Huck

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