Lädchen für alles in Abterode

Schnuddeln erwünscht - Erfolgsmodel von Tegut und Stellenwert

Mitarbeiterinnen der ersten Stunde, Lydia Friedrich (von links) und Monya Schick, mit dem ehemaligen Inhaber und inzwischen Stammkunden Adolf Fritz und Rolf Eckhardt, Geschäftsführer von Betreiber Stellenwert.
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Mitarbeiterinnen der ersten Stunde, Lydia Friedrich (von links) und Monya Schick, mit dem ehemaligen Inhaber und inzwischen Stammkunden Adolf Fritz und Rolf Eckhardt, Geschäftsführer von Betreiber Stellenwert.

Zehn Jahre gibt es das Lädchen in Abterode in der Gemeinde nun schon. In der Zeit hat es zahlreiche Stammkunden gewonnen.

Abterode – „Wir verkaufen nicht nur Schmand, wir sind auch Seelentröster“, erzählt Lydia Friedrich. Sie und Monya Schick sind im „Lädchen für Alles“ Mitarbeiterinnen der ersten Stunde. Seit zehn Jahren arbeiten sie in dem kleinen Tegut-Markt in Abterode.

„Es ist der Tante-Emma-Laden, wie es ihn früher gab“, sagt Rolf Eckhardt, Geschäftsführer von dem Betreiberunternehmen Stellenwert. Schnuddeln mit Kunden? Absolut erwünscht.

Erfinder des Tegut-Marktes im Kleinformat ist Knut John, ehemaliger Bereichsleiter bei Tegut und inzwischen SPD-Landtagsabgeordneter und in beratender Tätigkeit für das Einzelhandelsunternehmen unterwegs. Der Lebensmittelmarkt in Abterode war der zweite seiner Art im Werra-Meißner-Kreis – der vierte bei Tegut insgesamt. Dass es ihn auch zehn Jahre später noch gibt, ist für John eine Bestätigung: „Wir haben damals richtig entschieden.“

Wir wollen gar nicht, dass die Kunden durchgepeitscht werden.

 Rolf Eckhardt, Geschäftsführer Stellenwert

Als Erfolgsgeschichte bezeichnet auch Eckhardt den Lebensmittelmarkt. Denn das Lädchen in Abterode ist besonders. Es soll nicht nur die Menschen in der Gemeinde und in den anliegenden Ortschaften mit Lebensmitteln versorgen. Der kleine Tegut-Markt bietet Menschen mit einer psychischen Erkrankung die Chance auf eine neue Perspektive und einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt. Sieben dieser Läden betreibt Stellenwert insgesamt. Für Tegut sind es insgesamt 29 – weitere Folgen. Etwa 95 Prozent würden von sozialen Trägern betrieben werden.

In Abterode nehmen acht Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in zwei Schichten Warenlieferungen an, räumen Lebensmittel in die Regale und ziehen die Einkäufe der Kunden über den Scanner. Das kann auch mal länger dauern, sagt Lydia Friedrich. Doch das mache auch den Laden aus. Das „Lädchen für alle“ sei eben auch ein Treffpunkt für die Menschen. „Wir wollen gar nicht, dass die Kunden durchgepeitscht werden“, sagt Eckhardt.

Lädchen für alles zieht in Gebäude mit Charme

Als die Idee für den Laden in Abterode aufkam, gab es seit zehn Jahren keine Lebensmittelversorgung im Ort. Nur ein Schlecker verkaufte Drogerieprodukte und wurde wenig später geschlossen, erinnert sich der Stellenwert-Geschäftsführer. Damals habe man sich sogar noch die Verkaufsräume des kürzlich geschlossenen Drogeriemarktes angeschaut.

Doch am Ende wurde es die ehemalige Synagoge, die sich damals noch in Privatbesitz befand. „Das Gebäude hat einen ganz besonderen Charme“, so Eckhardt. Inzwischen ist im oberen Stockwerk auch ein Lern- und Gedenkort entstanden.

Bevor der Lebensmittelmarkt einziehen konnte, musste das Gebäude jedoch kernsaniert werden. Gemeinsam mit der Gemeinde, der VR-Bank und Tegut wurde das Projekt angegangen, erinnert sich Eckhardt. Er ist froh, dass der Markt gut angenommen wurde und sich über zahlreiche Stammkunden freuen könne.

Etwa 3000 Artikel finden sich auf den knapp 100 Quadratmetern. „Wir können nicht alles anbieten“, sagt Lydia Friedrich. Doch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen versuchten, stets auf Kundenwünsche einzugehen und Besonderheiten zu ordern. „Manchmal tauschen wir uns auch mit dem Lädchen für alles in Frankershausen aus.“ Was sich besonders geändert habe? „Wir haben mehr Bioprodukte im Sortiment.“

Von Hanna Maiterth

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