INTERVIEW

Vorsitzender des Kleingartenvereins Sontra: Schrebergarten erlebt Renaissance

„Viel Mühe und Arbeit bringt großen Lohn“: So lautet das Motto des Kleingartenvereins, das auf dem Schild am Eingang des Geländes abgebildet ist.
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„Viel Mühe und Arbeit bringt großen Lohn“: So lautet das Motto des Kleingartenvereins, das auf dem Schild am Eingang des Geländes abgebildet ist.

Der Kleingarten erlebt eine Renaissance und vor allem Familien mit Kindern zieht es auf die Parzelle. Auch der Kleingartenverein Sontra, der in diesem Jahr 80 Jahre alt wird, spürt diesen Trend deutlich.

Sontra – Über Kleingarten in Coronazeiten, das Leben auf der Parzelle und die Entwicklung der Gartenkolonie sprachen wir mit dem Vorsitzenden des Vereins, Jörg Sobek (59).

Konnte man den Lockdown im Frühjahr 2020 im Kleingarten besser überstehen?

Im März hatten wir hier einen Zufluchtsort. Wir mussten nicht in den eigenen vier Wänden sitzen. Das tat gut, obwohl wir uns auch in den Parzellen streng an die Regeln gehalten haben.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Tagesablauf im Kleingarten aus?

Wenn meine Frau und ich frei haben, gehen wir gemeinsam in unseren Garten. Dort bauen wir Obst, Gemüse und Salat an. Nach getaner Arbeit treffen wir uns gerne mit unseren Gartenfreunden im Biergarten am Vereinsheim. Darüber hinaus erledige ich als Vorsitzender bürokratische Angelegenheit im Büro des Kleingartens, das sich in der Anlage befindet.

Wie sieht der typische Kleingarten aus?

In einem typischen Schrebergarten wird zu einem Drittel angebaut, ein Drittel dürfen Lauben und Geräteschuppen einnehmen und ein Drittel gilt der reinen Freizeit – sprich Wiesen und Bäume. Das sind Vorgaben, die durch das Bundeskleingartengesetz geregelt sind. Der bundesweite Trend geht aber immer mehr gen Freizeitgarten. Bei uns zeichnet sich allerdings ab, dass die Gartenbesitzer wieder mehr anbauen.

Wie wichtig ist für Kleingärtner eigentlich noch die eigene Ernte?

Vor allem der Gemüseanbau ist unter Kleingärtnern sehr beliebt. Je größer und schöner das Obst und Gemüse, desto stolzer ist der Gärtner. Bei guter Apfelernte pressen wir in unserer Kleingartenanlage eigenen Apfelsaft und füllen Fünf-Liter-Tetrapacks ab. Der Saft geht weg wie warme Semmeln. Im Schnitt erzeugen wir bis zu 3000 Liter pro Jahr.

Laut einer Erhebung des Verbands Deutscher Gartenfreunde werden heute 45 Prozent aller Schrebergärten an Familien mit Kindern verpachtet. Wie kannst du dir diesen Trend erklären?

Viele Menschen wohnen in Wohnungen ohne Garten und sehnen sich nach etwas Grün. Auch bei uns geht der Anteil der Kinder wieder nach oben. Das ist gut. Die Kinder sind die Zukunft unsere Anlagen. Sie werden hoffentlich später mal unsere Gärten übernehmen und die Tradition fortführen.

Immer mehr junge Leute übernehmen einen Garten. Findet bei Ihnen auch ein Generationenwechsel statt?

Klares Ja. Der 80-Jährige gibt seine Gartenlaube ab und der 25-Jährige übernimmt sie dann mit Kusshand. Aktuell konnten wir allen Interessenten eine Laube vermitteln. Das freut uns. Wir haben im Moment 95 Parzellen hier in Sontra .

Muss die Person, die sich für einen Parzelle entscheidet Gemeinschaftssinn mitbringen?

Auf jeden Fall. Wer Pächter einer Laube wird, der wird gleichzeitig auch Mitglied des Vereins. Außerdem muss jedes Mitglied Pflichtarbeitsstunden leisten, die zur Erhaltung der Anlage dienen. Aktuell sind es 15 Stunden. Man merkt dabei immer wieder, wenn man was zusammen macht, dann macht die Arbeit doppelt so viel Spaß. »  (Von Marvin Heinz)

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