Vorherige Beratung mit Jugendarzt empfohlen

Coronavirus: Freiwillige Schüler-Impfung ab dem Sommer

Schüler mit Mund- und Nasenschutz im Klassenzimmer bei einer Arbeit
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Jugendliche ab 12 Jahren sollen vor den Sommerferien ein Impfangebot gegen Covid-19 bekommen. Das hat das Land Hessen entschieden. 

Jugendliche ab 12 Jahren sollen vor den Sommerferien ein Impfangebot gegen Covid-19 bekommen. Das hat das Land Hessen entschieden.

Werra-Meißner - Diese freiwilligen Impfungen betreffen im Werra-Meißner-Kreis nach Zahlen der Kreisverwaltung rund 7000 Schüler aus den Sekundarstufen 1 und 2 sowie den Berufsschulen.

Aus Sicht des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg und den Werra-Meißner-Kreis sind das grundsätzlich positive Nachrichten. „Wir sind uneingeschränkt froh darüber, dass es ein Impfangebot für die Schüler geben soll. Wir unterstützen das“, sagt Jürgen Krompholz, stellvertretender Schulamtsleiter.

Schulamt: „Es wird keine Impfpflicht für Schüler geben“

Er betont aber auch: „Es wird keine Impfpflicht für die Schüler geben.“ Welche Rechte geimpfte gegenüber ungeimpften Schülern haben werden, sei noch nicht final geklärt. Das werde dann das Kultusministerium entscheiden. Krompholz sagt: „Niemand wird benachteiligt.“

Impfungen können Schülern, Eltern sowie den Lehrkräften mehr Sicherheit geben, Präsenzunterricht könne dadurch wieder gewährleistet werden. Das sehen auch Andreas Hilmes, Schulleiter der Johannisbergschule in Witzenhausen, und Dr. Birgit Renke, Leiterin der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege, so.

Grundsätzlich sei eine Covid-19-Impfung zwar zu begrüßen, die Beteiligten betonen dabei aber auch, dass behutsames Vorgehen im Umgang mit dem neuen Impfstoff gefragt ist.

Kassenärztliche Vereinigung gegen Impfung in Impfzentren

Hier knüpft die Kassenärztliche Vereinigung in Hessen (KV) an, die entschieden die Organisation der Impfungen für die unter 16-Jährigen über die Impfzentren beziehungsweise in den Schulen ablehnen. Herdenimmunität sei zwar ein wichtiges Ziel in der Pandemie, bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren sei dennoch besondere Sorgfalt geboten.

„Diese verträgt sich nicht mit dem Ansatz einer Massenimpfung“, sagt KV-Sprecher Karl Roth. Individuelles Risiko sei dabei gegen den kollektiven Nutzen abzuwägen. Die KV empfiehlt dagegen, Impfungen mit dem vertrauten Kinder- und Jugendarzt zu besprechen. Zu solchen intensiven Beratungen seien Impfzentren nicht in der Lage.

Normaler Unterricht könnte ab Herbst wieder möglich sein

Wie geht es mit dem Schulunterricht weiter? Wann dürfen die Kinder und Jugendlichen wieder uneingeschränkt den Präsenzunterricht besuchen? Jürgen Krompholz, stellvertretender Leiter des staatlichen Schulamtes in Bebra, erreichen fast täglich Anrufe von Eltern mit Fragen wie diesen.

Mit dem Beschluss der Landesregierung, den Jugendlichen ab zwölf Jahren noch vor den Sommerferien ein Impfangebot gegen Covid-19 zu machen, könnte es nach Ansicht von Krompholz ab Herbst wieder mit dem normalen Unterricht losgehen. Denn bei einem sind Krompholz, sowie auch viele Lehrer, Schüler und Eltern im Kreis sicher: So wie jetzt, kann es nicht ewig weitergehen.

Mit einer Impfung für Jugendliche versprechen sich die Schulen und das Schulamt, dass der normalen Präsenzunterricht mit allen Schülern wieder gewährleisten wird. „Wenn das so umgesetzt werden kann, halte ich es für sehr realistisch, dass wir das kommende Schuljahr wieder halbwegs normal durchlaufen können“, sagt Andreas Hilmes von der Johannisbergschule in Witzenhausen.

Impfungen aus Baustein für geregelten Schulbetrieb

Impfungen sind seiner Einschätzung nach ein wesentlicher Baustein, um einen geregelten Schulbetrieb wieder durchgängig möglich zu machen. „Noch so ein Schuljahr wie dieses möchte wohl wirklich niemand erleben – auch wir Lehrkräfte nicht.“

Impfungen könnten zudem zum Sicherheitsgefühl aufseiten der Schüler, den Lehrkräften aber auch den Eltern beitragen. „Ich weiß aus vielen Gesprächen innerhalb der Schulgemeinde, dass die überwiegende Mehrheit der Eltern und Schüler das genauso sieht“, sagt er.

Die größte Schwierigkeit sieht Hilmes darin, dass die Fünft- und Sechstklässler aufgrund ihres Alters mehrheitlich noch nicht geimpft werden können. „Hier müssen wir natürlich sicherstellen, dass keine Benachteiligungen entstehen.“ Mit Rücksicht auf Ungeimpfte werden Hygienemaßnahmen weiterhin von großer Bedeutung sein.

„Wechselunterricht wie bisher kann nicht ewig so weitergehen“

„Der Wechselunterricht wie bisher kann nicht ewig so weitergehen“, sagt auch Dr. Birgit Renke, Schulleiterin an der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege. Sie betont aber auch die Sorgfalt, die hierbei gefragt ist: „Wir müssen auch im Auge behalten, wie sich der Impfstoff auf den jungen Organismus auswirkt.“

Zur Sorgfalt ruft auch die Kassenärztliche Vereinigung auf, die sich gegen Massenimpfen von Jugendlichen im anonymen Setting von Impfzentren positioniert. Vielmehr sei hier eine eingehende Beratung durch den Kinder- und Jugendarzt eminent wichtig.

Nichtsdestotrotz sei das Impfen ein wichtiger Schritt zur Normalität. Das sagt auch Krompholz vom Schulamt. Das gelte nicht nur für den Schulbetrieb, sondern auch für zahlreiche Aktivitäten, auf die die Jugendlichen derzeit verzichten müssten, die aber eigentlich zum Heranwachsen dazugehören.

Mit Impfungen könnten Ansteckungsketten innerhalb der Familien unterbrochen werden. In der Regel hätten Jugendliche einen milden Covid-19-Verlauf, das gelte aber nicht zwangsläufig für ihre Eltern und Großeltern. Daher sei das Impfen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagt Krompholz.

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