Tipps für ein friedliches Zusammenleben

Schwalbennester dürfen nicht abgeschlagen werden: Eschweger Ornithologe nennt Alternativen

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Bauen ihre Nester aus Speichel und Schlamm: Mehlschwalben nisten am liebsten an Dachüberständen von Wohnhäusern oder Ställen. Das Abschlagen der Nester, um Dreck zu vermeiden, ist verboten.

Werra-Meißner. Während die einen Schwalben als Frühlingsboten begrüßen, ärgern sich andere über die Hinterlassenschaften der Tiere. Doch darf man ihre Nester deshalb beseitigen? 

Wenn es Frühling wird, kehren auch die Schwalben wieder aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück nach Europa. Von Ende März bis Anfang Mai sind sie ausschließlich mit dem Nestbau und der Aufzucht ihrer Brut beschäftigt.

Mit ihren rostroten Kehlen und den langen Schwanzspießen gehören die Rauchschwalben zu den zwei Arten, die in Deutschland am weitesten verbreitet sind. Sie schlüpfen am liebsten durch offene Fensterspalten in Ställe oder Garagen, wo es warm ist und es ausreichend Insekten für die Jungen gibt.

Die Mehlschwalben, die sich durch die weiße Kehle und den kurz gegabelten Schwanz von ihren Artgenossen abgrenzen, bauen ihre Nester vorzugsweise außen am Haus, beispielsweise an Dachüberständen.

Tiere nicht vertreiben

Das ist verboten: Schwalben dürfen nicht mit Flatterband und Co. vom Nisten abgehalten werden. 

Aber ob im oder am Haus - der Dreck, den die Vögel hinterlassen, ist für viele Menschen ein Ärgernis und ein Grund, die Schwalbennester zu entfernen. Dabei ist dies laut Ornithologe Wolfram Brauneis aus Eschwege ausdrücklich verboten. „Das Abstoßen der Nester ist genauso wie das Aufhängen von Flatterbändern und CDs eine Ordnungswidrigkeit. Es gilt, Schwalbennester zu schützen und den Tieren einen ruhigen Platz zum Brüten zu bieten“, sagt Brauneis.

Da es immer weniger Bauernhöfe und Ställe gebe, würden sich die Vögel Alternativen suchen müssen, um ihre Jungen aufzuziehen. Doch nicht nur das Fehlen der Brutplätze und der Mangel an Insekten, welche in den zahlreichen kleinbäuerlichen Betriebe früher ausreichend vorhanden waren, sind für die Vögel problematisch. „Für den Nestbau vermischen die Schwalben Speichel mit Schlamm aus Erdpfützen. Doch durch die vielen betonierten Feldwege wird selbst der Zugang zum Schlamm immer schwieriger“, gibt Brauneis zu bedenken.

Holzbrettchen für saubere Nistplätze

Gerade in Garagen seien die Tiere häufig ungebetene Gäste, da der Kot die Autos beschmutze. Aber auch Ställe würden mittlerweile hermetisch abgeriegelt - für die Schwalben eine echte existentielle Bedrohung. „Es gibt tolle Möglichkeiten, um den Dreck am Haus zu vermeiden und den Schwalben trotzdem nicht den Brutplatz zu verwehren“, sagt der Ornithologe. Mit Brettchen, die unter das Nest genagelt werden, sei das Problem der Verschmutzung gelöst. Wichtig sei hierbei, den Abstand zwischen Nest und Brettchen groß genug zu lassen, damit die Vögel ungehindert ihren Unterschlupf anfliegen können. Außerdem müsse man die Bretter selbstverständlich bereits anbringen, bevor die Schwalben mit dem Nestbau beginnen, um diese nicht zu stören. „Die Artenvielfalt zu schützen, sollte immer an oberster Stelle stehen. Vor allen Dingen, wenn nicht viel Aufwand dazu erforderlich ist“, hebt Brauneis hervor.

Im Paragraf 44 des Bundes-Naturschutzgesetzes ist rechtlich festgelegt, dass es verboten ist, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten wild lebender Tiere besonders geschützter Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Sowohl das Abschlagen von Schwalbennestern als auch das Aufhängen von etwa Flatterbändern oder Stacheldraht wird so untersagt. Lediglich durch das Anbringen von Kotbrettern dürfen Bewohner ihr Haus vor Verschmutzung schützen. 

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