Tiere zerstören Rapsanbau in der Werraaue – Schäden werden nicht ersetzt

Der Schwan als Plage

Beschädigen die Rapsfelder: Große Gruppen von Schwänen, wie hier in der Wendershäuser Aue bei Unterrieden, fressen die Pflanzen und zertrampeln die Felder. Foto: Kirsch/nh

Witzenhausen. Normalerweise wird mit dem Bild eines Schwans nur Positives verbunden: Anmut, Eleganz und Schönheit. Auch in unserer Region, wie in der Wendershäuser Aue oder bei Blickershausen, können die Tiere beobachtet werden. Dass von ihnen Schaden oder sogar Gefahr ausgeht, mag niemand vermuten. Dennoch haben Landwirte Grund genug, sich über die Schwäne zu beschweren.

Der große Bestand an Schwänen sei dafür verantwortlich, dass die Rapsfelder in der Region schwer beschädigt werden. Wenn der Raps jetzt seine Blütenstände bekomme, fräßen den die Tiere. Das hindere den Wachstum oder zerstöre sogar die ganze Pflanze, sagte Frank Hoppe aus Neuseesen, einer der Betroffenen. „Schwäne gab es schon in der Vergangenheit, aber so schlimm wie jetzt war es noch nie“, sagt der Landwirt. Teilweise mehr als 35 Tiere habe er auf seinem Feld gezählt.

Auch in anderen Teilen des Werratals wurden große Schwärme von Schwänen ausgemacht. Nicht nur an der Seenlandschaft von Meinard, auch die Werra abwärts bis Kleinvach wurden Schäden durch Schwäne gemeldet. „Bei fast 60 Exemplaren auf einem Feld von zwei bis drei Hektar kann es auch zu Totalschaden kommen“, sagte Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Werra-Meißner. Jedoch könnten die entstehenden Schäden nicht von der Wildschadenersatzpflicht ausgeglichen werden. Sie gelte nur für Tiere wie Wildschweine oder Kaninchen, jedoch nicht für Schwäne, erläutert Roth.

Doch viele Gegenmaßnahmen gibt es nicht. „Wenn ich die verscheuche, fliegen die kurz in die Werra und sind 15 Minuten später wieder auf dem Feld“, so Hoppe. Das Anbringen von kleinen Metallstreifen für Störgeräusche und Reflektionen sei nur mäßig erfolgreich.

Auch Jagd ist meist keine Option. Höckerschwäne dürfen in Hessen nur mit einer Ausnahmegenehmigung gejagt werden; die Jagdzeit gilt von November bis 20. Februar, erklärt Roth. Viele Jäger würden aber trotzdem auf die Schwanenjagd verzichten. „Nicht nur moralisch-ethisch sei es für viele Jäger nicht vereinbar, auch ihr Ansehen könne durch das Töten von Schwänen leiden“, sagte Ornithologe Wolfram Brauneis aus Eschwege.

„Das Problem mit Schwänen ist keine regionale Ausnahme“, erklärte Brauneis weiter. Deutschlandweit seien Schäden von Schwänen bekannt. Durch das große Nahrungsangebot und den Mangel an natürlichen Feinden stiege auch deren Populationszahlen, was zu weiteren Schäden führe.

Allerdings würden die Schwäne bald die Gruppen verlassen, um als Paare in großen Revieren zu brüten. Dann sind die Felder wieder frei, die Schäden aber bleiben.

Von Felix Kirsch

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