Bei Vesuvius werden Schmelztiegel für den Export in alle Welt produziert

Schwarze Diamanten

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Fast wie vor 150 Jahren: Knut Häckert dreht im Vesuvius-Werk Großalmerode einen großen Schmelztiegel.

Grossalmerode. Die Mischung macht’s und die Glasur: Aus Ton, Graphit, Siliciummetall und Siliciumcarbit werden im Vesuvius-Werk Großalmerode (früher Becker & Piscantor) Schmelztiegel gefertigt, die unter dem Produktnamen Diamant in aller Welt im Einsatz sind.

Dabei werden zwei unterschiedliche Verfahren angewendet, wie Prozessingenieur Nihat Güler bei einem Rundgang durch die Produktion erläutert: Zum einen werden Tiegel auf althergebrachte Weise gedreht, zum anderen werden sie gepresst. Beim Drehen sorgt ein Mitarbeiter mit maschineller Unterstützung dafür, dass das feuchte Tonmaterial in einer Form auf einer Drehscheibe zum Tiegel wird.

Beim Pressen dagegen wird ein feines Tongranulat in einen Behälter mit Stahlkern gefüllt. Der Stahlkern bestimmt die Form des Tiegels. Das Granulat ist zwischen ihm und einer Gummihülle. Das ganze hat eine gelochte Metallhülle. Nachdem der Granulatschicht die Luft entzogen wurde, kommt das Ganze in die Presse, wo mit Wasserdruck das Granulat so stark zusammengepresst wird, dass daraus der Tiegel wird.

Danach geht es für beide Fertigungsarten auf dieselbe Weise weiter: Der Tiegel wird getrocknet, dann erfolgt die Glasur und schließlich der Brennvorgang, 48 Stunden bei bis zu 1200 Grad. Dann hat der Tiegel auch sein schwarz-glänzendes Aussehen. Bevor der Tiegel für den Versand verpackt wird, gibt es noch die Qualitätkontrolle.

Verwendet werden Großalmeröder Tiegel zum Beispiel in der Autoindustrie beim Gießen von Alu-Felgen oder Zylinderköpfen oder in Münzen, so ist an der Entstehung des bekannten südafrikanischen Krügerrand auch ein Tiegel aus der Tonstadt beteiligt.

Von Stephan Strotkötter

Der altbekannte Name verschwindet

Grossalmerode. Wenn im kommenden Jahr das 150-jährige Bestehen gefeiert wird, trägt das Unternehmen im Gewerbegebiet am östlichen Stadtrand von Großalmerode seinen angestammten Namen Becker & Piscantor nicht mehr.

Grund ist die Neustrukturierung der Vesuvius-Gruppe. Die Großalmeroder Schmelztiegelwerke wurden im Juni mit der Vesuvius GmbH im westfälischen Borken verschmolzen. „Der Produktionsstandort in Großalmerode, wo Schmelztiegel und Zubehörteile für die Nichteisen-Gießereibranche produziert werden, bleibt erhalten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

 Diese Produkte gehörten nach dem Zusammenschluss zur Foseco Foundry Divison der Vesuvius Gruppe. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Kunden durch diese Reorganisation den optimalen Service bieten und auf deren Anforderungen noch besser reagieren können“, so Heinz Nelissen und Dirk Höckendorff, Geschäftsführer der Vesuvius GmbH in Borken.

Im Gespräch zeigte sich Wilfried Casper, Technischer Geschäftsführer des Werks in Großalmerode, zuversichtlich.

So habe die Verschmelzung keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in Großalmerode. In den vergangenen Jahren sei im Werk in Großalmerode kontinuierlich investiert worden, sogar im Jahr 2009, als die Wirtschaftskrise auch den Schmelztiegelhersteller traf. Mit Hilfe von Kurzarbeit habe der Betrieb die Krise ohne Entlassungen überstanden, in diesem Jahr habe er schon acht neue Mitarbeiter eingestellt.

Allerdings gingen im Lauf der vergangenen Jahre unter dem Dach von Vesuvius schon Stellen in Großalmerode verloren. Es gab 140 Mitarbeiter, heute sind es etwas über 100. Vesuvius habe Synergieeffekte genutzt, so wurde die Buchhaltung in Borken konzentriert.

Der Export in die außereuropäischen Länder wird aber zur Freude von Casper von Großalmerode organisiert, das zeigt, wie gut der Kontakt der Großalmeröder zu den Kunden in aller Welt ist.

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