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Schwerer Start nach Corona für Tourismus-Branche

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Von: Konstantin Mennecke

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Auf einer Tafel vor einem Restaurant wird nach Mitarbeitern für den Service- und Küchenbereich gesucht. Die Gastronomie kämpft mit Personalmangel.
Vielerorts werden auch aktuell noch Mitarbeiter gesucht. © dpa/Jens Büttner

Werra-Meißner – Mit über 30 Grad ist der Sommer voll da – was eigentlich gute Voraussetzungen für die Tourismus-Branche sind, sorgt nach der Corona-Pause aber für Probleme.

Die Branche hat zum Teil große Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen und genügend Personal zu finden, wie Miriam Gerke von der Tourist-Info Eschwege auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt.

Insbesondere in Gastronomie als auch im Hotelgewerbe herrsche nach wie vor Personalmangel. Einzelne Betriebe setzen auf mehr Ruhetage, die Öffnungszeiten der Küche sind zum Teil eingeschränkt. Dies sei eine Folge der Pandemie. „Zahlreiche Angestellte haben sich in dieser Zeit anderweitig orientiert, sind vielfach auch in anderen Branchen geblieben und nicht in die Gastronomie oder Hotellerie zurückgekehrt. Jedoch ist dies keineswegs der einzige Grund für den Personalmangel, unter dem die Branche derzeit leidet. „Auch der Fachkräftemangel beziehungsweise fehlende Nachwuchskräfte in diesem Bereich tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, da auch die Ausbildung in der Gastronomie oder Hotellerie vielfach nicht so attraktiv für junge Menschen erscheint“, betont Miriam Gerke.

In Witzenhausen kann Johannes Siebold, Geschäftsführer der Pro Witzenhausen GmbH, keine direkten Auswirkungen auf die touristischen Angebote feststellen. „Die Betriebe in der Region können arbeiten, der Fachkräftemangel beschäftigt die Unternehmen aber insbesondere bei der langfristigen Personalplanung“, sagt Siebold. Bei den zahlreichen überregionalen Verbandstreffen sei die Corona-Problematik aber immer wieder Thema. „Zum Start in die Saison hatten viele Unternehmen Probleme, Stellen zu besetzen und im gewohnten Umfang zu arbeiten“, so Siebold.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga fordert eine schnelle und pragmatische Lösung zur Mitarbeitergewinnung. Hintergrund ist unter anderem eine Dehoga-Umfrage von Anfang Juni. Demnach suchen über 60 Prozent der gastgewerblichen Betriebe Fach- und Hilfskräfte. Dehoga-Präsident Guido Zöllick fordert, die Lücken durch vereinfachte Verfahren zur Einstellung von Saisonaushilfen aus Drittstaaten zu schließen. Die Beschaffung von Visa müsse beschleunigt und neue rechtliche Möglichkeiten zur Erwerbsmigration geschaffen werden. „Das Gastgewerbe ist die Branche der Chancen und der Integration“, betont Zöllick.

Ausbildung muss attraktiver werden

Die von Johannes Siebold beschriebene gute Situation für die Gastronomie in Witzenhausen kann Fabio Schinkel, Geschäftsführer von Schinkels Brauhaus, bestätigen. Stammpersonal brauchte das Unternehmen nicht entlassen – durch verschiedene Aktionen sei man gut durch die Corona-Pandemie gekommen. „Auch die vielen 450 Euro-Aushilfen sind zurückgekommen, durch den starken Sommer konnten wir sogar noch eine Stelle in der Küche schaffen und haben auch eine Auszubildene ab 1. August zur Köchin bei uns im Betrieb“, betont Schinkel.

Die Politik müsse bessere Rahmenbedingungen schaffen, um Ausbildungen attraktiver zu gestalten. „Fast jeder Handwerksbetrieb sucht händeringend nach Personal, während die Universitäten Jahr für Jahr neue Rekordzahlen an Einschreibungen erzielen. Dadurch würden auch wieder mehr Leute Interesse an einem Job wie z.B. in der Gastronomie haben. Generell müsste es in Deutschland ein höheres Bewusstsein für gute Nahrungsmittel geben und auch das Gefühl dafür was etwas kosten kann/darf/muss“, betont Schinkel.

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