Montagsinterview

„Sei frei in alle Richtungen“Autor Felix Römer schreibt und lebt derzeit im Werratal

So lässt es sich in Ruhe arbeiten: In Eschwege an der Werra sitzt in den kommenden Wochen Slam-Poet und Schriftsteller Felix Römer. Im Werra-Meißner-Kreis lebt und arbeitet er nun zwei Monate lang.
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So lässt es sich in Ruhe arbeiten: In Eschwege an der Werra sitzt in den kommenden Wochen Slam-Poet und Schriftsteller Felix Römer. Im Werra-Meißner-Kreis lebt und arbeitet er nun zwei Monate lang.

Der Schriftsteller, Moderator und Slam-Poet Felix Römer lebt und arbeitet in den kommenden Wochen im Werra-Meißner-Kreis. Wir sprachen mit ihm.

Werra-Meißner - Römer möchte hier mehrere Projekte umsetzen und an seinen Werken weiterarbeiten, was ihm das Stipendium „Land in Sicht“ des Hessischen Literaturrats ermöglicht.

Gefördert wird das Ganze vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Das Stipendium wird in Zusammenarbeit mit der Agentur Kompass Werra-Meißner umgesetzt. Wir haben uns mit Felix Römer getroffen, um mit ihm über seine Projekte und sein Leben als Autor zu sprechen – und darüber, wieso ihm das Werratal so am Herzen liegt.

Herr Römer, Sie wohnen durch das Stipendium nun für acht Wochen im Werra-Meißner-Kreis. Was haben Sie vor?

Ich möchte zum Beispiel einen offenen Schreibworkshop anbieten. Der eignet sich für alle – für Anfänger, für Fortgeschrittene und Nicht-Schreiber. Workshops gebe ich auch oft an Schulen und Firmen, wobei es dann vor allem darum geht, sich selbst auszudrücken. Dann haben wir im Rahmen des Literaturherbsts noch Lesungen geplant. Außerdem bin ich für das Hessische Ministerium bei der Frankfurter Buchmesse und spreche dort über mein Stipendium hier im Werra-Meißner-Kreis.

Woran arbeiten Sie hier für sich persönlich?

Ich schreibe derzeit an meinem Gedichtband weiter. Bis November will ich mit dem Großteil fertig sein. Dann habe ich in meiner ersten Woche hier in Eschwege mit der Jazzband Nachtfarben um Martin Bosch aus Weimar an den Texten und der Musik für ein Jazzprojekt gearbeitet. Im Studio im Medienwerk haben wir ein paar Songs aufgenommen. Daraus wird eine CD entstehen, das hat riesigen Spaß gemacht.

Welche Themen bewegen Sie derzeit in Ihren Texten?

Gerade bewegt mich das Thema Meinungsfreiheit sehr. Und damit meine ich die Freiheit, auch mal keine Meinung zu haben, auch mal seinen Mund halten zu dürfen. Jeder darf frei von Meinung sein. Und dieses Verstecken hinter vermeintlicher Meinung, Ängste zu formulieren und sie als Meinung zu bezeichnen, das beschäftigt mich gerade.

Wie ist es zu dem Stipendium gekommen?

Ich habe das Angebot gesehen und fand, dass es sehr gut zu dem passt, was ich mache. Es wird gefordert, dass es zwischen dem Schreibenden und den Leuten vor Ort Berührungspunkte gibt. Im Werra-Meißner-Kreis habe ich schon oft gearbeitet und Projekte umgesetzt. Dann habe ich die zweite Bewerbung meines Lebens geschrieben.

Und in wiefern passt es Ihnen so gut?

Ich habe enge Verbindungen zum Werra-Meißner-Kreis. Außerdem arbeite ich generell sehr gerne im ländlichen Raum. Ich habe hier zusätzlich Raum – fernab von der Familie – mich hinzusetzen und meine Texte zu schreiben. Manchmal schließe ich mich für zwei bis drei Tage irgendwo ein und schreibe in Ruhe – und jetzt habe ich sogar 20 bis 30 Tage Ruhe.

Was verbindet Sie mit dem Werra-Meißner-Kreis?

Neben dem Open Flair ist es vor allem auch der Verein Schlüsselblume in Eschwege. Meine Herkunftsfamilie lebt seit vielen Jahren hier. Wir haben damals den Verein als soziokulturelles Zentrum zusammen gegründet. Wir haben mit anderen Einrichtungen wie dem Seniorenwohnheim am Brückentor, Schulen und mit Geflüchteten Workshops veranstaltet, Verbindungen hergestellt. Auch mit der Demokratiekonferenz Werra-Meißner, Aufwind in Eschwege und der Familienbildungsstätte habe ich immer wieder zusammengearbeitet. Bei der Friedrich-Wilhelm-Schule bin ich auch Pate des Projektes „Schule ohne Rassismus“.

Was erhoffen Sie sich selbst von der Zeit während des Stipendiums hier im Kreis?

Zum einen möchte ich meine Texte fertigkriegen und neue schaffen. Vor allem möchte ich aber im Werra-Meißner-Kreis noch gefestigter sein. Mich kennen zwar schon einige, ich möchte hier aber noch selbstverständlicher werden und nicht nur der Berliner, der ab und zu mal kommt und Projekte umsetzt. Mein Wunsch sind konkrete Anknüpfungspunkte, die man auch über dieses Stipendium hinaus vertiefen und pflegen kann.

Sie leben ja eigentlich in Berlin. Was ist hier der Unterschied zu der Arbeit in der Großstadt?

Ich trete auch in Brandenburg gezielt im ländlichen Raum auf. Dass ich in Berlin lebe, ist familiär bedingt, weil meine Frau eine tolle eingeschweißte Berlinerin ist, die ich trotz aller Versuche nicht von dort wegbekomme. In Berlin könnte man eigentlich jeden Abend irgendwo auftreten. Es passiert unfassbar viel in der Großstadt. Aber für mich persönlich ist das zu viel, ich kann das gar nicht in der Masse nutzen. Dadurch, dass ich viel unterwegs bin, brauche ich, wenn ich nach Hause komme, Ruhe.

Wie unterscheidet sich die Kultur in der Großstadt vom ländlichen Raum?

In der Großstadt sind die Angebote viel komprimierter. Es gibt mehr Veranstaltungen in diversen Bereichen. Das macht aber keinen qualitativen Unterschied. Im ländlichen Raum gibt es ebenso tolle Sachen, die ziehen sich nur weiter auseinander. In Berlin sind die Menschen an Kunst und Kultur gewohnt. Man kommt nicht drum herum, sich damit auseinanderzusetzen, deswegen ist es Normalität. Das Land wird dagegen oft unterschätzt. Es gibt hier genau so viele kulturliebende Menschen. Zwar gibt es oft weniger Veranstaltungen, dafür ist aber die Wertschätzung der Angebote eine ganz andere.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Geschrieben habe ich eigentlich schon immer. Ich habe aber nie etwas Ordentliches gelernt oder studiert. Ich hab einen Taxischein gemacht, bin mit einer Theatergruppe nach dem Zivildienst getourt. Parallel habe ich geschrieben. Mit dem freien Schreiben bin ich sehr glücklich. Klar, habe ich auch den ein oder anderen Schreibkurs gemacht, aber letztlich bin ich mir immer treu geblieben. Und das ist auch das, was ich anderen vermitteln möchte: Sei frei in alle Richtungen. (jes)

Zur Person

Felix Römer ist Schriftsteller, Slam-Poet, Moderator und Coach. Er gibt zudem auch Workshops an Schulen und Firmen, nimmt Podcasts auf und schreibt mit Musikern ihre Liedtexte – etwa mit Annenmaykantereit. Er wohnt derzeit mit seiner Familie zentral in Berlin. Geboren wurde er 1979 in Kirchhain, bei Marburg ist er aufgewachsen. Nach der Schule ging der Vater dreier Kinder zum Zivildienst nach Freiburg. In Wiesbaden gehörte er danach einige Jahre zum Ensemble eines Tourneetheaters. Eine Ausbildung oder ein Studium hat Römer nie absolviert. Eine Weile finanzierte er sich als Taxifahrer. Parallel dazu hat er immer geschrieben, bis er seine Leidenschaft zum Beruf machte. Bekannt ist Römer seit den 1990ern als Künstler des Poetry-Slam, einem literarischen Wettstreit, bei dem selbstverfasste Texte rhythmisch vorgetragen werden.

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