Alt-Bürgermeister Rudolf Harberg gestorben

Seine Arbeit wirkt bis heute nach

Rudolf Harberg †

Witzenhausen/Morsum. In seiner Wahlheimat auf der Nordseeinsel Sylt starb der langjährige Bürgermeister der Stadt Witzenhausen, Rudolf Harberg. Er wurde 94 Jahre alt. Der Sozialdemokrat stand von 1963 bis 1979 an der Spitze der Stadt – eine Ära, in der die Grundlagen für das moderne Witzenhausen gelegt wurden. Dazu gehören die Kanalisation, die Stadtsanierung und der Bau der Fußgängerzone – Projekte, die bis heute nachwirken. Auch die Ansiedlung der Papierwerke im Gelstertal, Anfang der 70er Jahre ein spannendes und umstrittenes Thema der Stadtpolitik, fällt in die Amtszeit des Bürgermeisters. Die Neugestaltung der Altstadt musste der SPD-Mann gegen manche Widerstände durchsetzen.

Zunächst Jugendpfleger

Harberg stammt aus Kassel und kam als Jugendpfleger in den damaligen Kreis Witzenhausen. Das war das Sprungbrett ins Rathaus. Viel Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick waren erforderlich, um Anfang der 70er Jahre die kommunale Neugliederung auf den Weg zu bringen. Am Ende gehörten 16 Stadtteile zur Großgemeinde Witzenhausen, die Einwohnerzahl verdoppelte sich nahezu. Eine Herausforderung für die Verwaltung.

Als die Fußgängerzone 1979 eingeweiht wurde, war dies auch ein Wendepunkt im Leben von Rudolf Harberg: er erlitt eine schwere Herzerkrankung und konnte seinen Dienst im Rathaus nicht mehr aufnehmen. Nach der Pensionierung ließ er sich mit seiner Frau Ursula zunächst in Kassel nieder, um dann nach Morsum auf Sylt zu ziehen. Das Geschehen in der Heimat im Werratal verfolgte er nur aus der Ferne, pflegte aber einige persönliche Kontakte. Aus öffentlichen Debatten hat er sich stets rausgehalten, er wollte seinen Nachfolgern keine Ratschläge erteilen.

Kulturgemeinschaft

Harberg gab 1978 auch den Anstoß zur Gründung der Kulturgemeinschaft Witzenhausen. Sie hatte nach der Einweihung des Bürgerhauses am Sande völlig neue Möglichkeiten für Theater- und Konzertaufführungen. Zeitweise war Harberg der KG-Vorsitzende.

Dass das Bürgerhaus nebst Hallenbad heute vor dem Abriss steht, dürfte ihn mit Schmerz erfüllt haben. Dahinter stand die Idee eines Sport-, Freizeit -und Kulturzentrums am Sande.

Im Ruhestand widmete sich der Senior der Stadtgeschichte, die Chronik der Nachkriegsjahre erschien in zwei Bänden. Harberg hinterlässt seine Ehefrau, zwei Kinder, Enkel und Urenkel.

Von Werner Keller

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