Seit fünf Jahren: „Lädchen“ hat sich zum Treffpunkt in Gertenbach entwickelt

Freuen sich über den Erfolg des Dorfladens: Die jüngste Mitarbeiterin Jessica Stanzel (20, von links), Matthäus Mihm (Verein Aufwind), Marktleiterin Francine Beilschmidt und Ortsvorsteher Heinz Köhler. Fürs Foto haben sie an dem Tisch Platz genommen, an dem sich die Gertenbacher gern zum Schwatzen treffen. Foto: Steensen

Gertenbach. Entlang der B 80 zwischen Hann. Münden und Witzenhausen ist es das einzige Lebensmittelgeschäft: Trotzdem hätten viele wohl nicht gedacht, dass das „Lädchen für alles" in Gertenbach ein solcher Erfolg werden würde.

Seit fünf Jahren gibt es hier den nach eigener Aussage „kleinsten Tegut-Markt der Welt“ - und mehr und mehr Gertenbacher erledigen ihren Wocheneinkauf in dem 95 Quadratmeter kleinen Laden, so Marktleiterin Francine Beilschmidt. Schließlich seien die Preise die gleichen wie bei anderen Tegut-Märkten. „Viele kaufen erst einmal hier ein und fahren nur für das, was wir nicht haben, nach Witzenhausen.“

Beilschmidt ist von Anfang an dabei und hat im September 2010 selbst die erste Ware in die Regale geräumt. Sie hat sieben Kollegen: drei ohne und vier mit Handicap. Denn das Lädchen wird vom Verein Aufwind und seiner „Stellenwert GmbH“ sowie Lebensmittelhändler Tegut gemeinsam betrieben und schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Zudem können hier auf Qualifizierungsplätzen bis zu drei Menschen mit seelischen Erkrankungen arbeiten, die sonst von der „Aufwind“-Tagesstätte in Witzenhausen betreut werden.

„Nur deshalb kann dieser Markt wirtschaftlich tragfähig betrieben werden“, sagt Matthäus Mihm vom Verein Aufwind. Schließlich erhalte der Laden Nachteilsausgleiche, weil hier Menschen mit Behinderung arbeiten. Die Kunden würden positiv auf das Team reagieren, sagt Beilschmidt. „Sie haben Verständnis dafür, wenn es mal etwas länger dauert.“ Auch die Mitarbeiter profitieren, sagt Mihm. „Sie trauen sich zunehmend mehr zu, werden stabiler und offener.“

Ortsvorsteher Heinz Köhler ist überzeugt, dass der Laden die Dorfgemeinschaft gestärkt hat. „Der Laden hält sich hier, weil wir alle zusammenhalten!“ Heißt: Die 1000 Gertenbacher treffen sich dort auf einen Schwatz und bleiben ihrem Lädchen treu, weil er - gemeinsam mit dem 80 Mitglieder starken Verein „Dorfladen Gertenbach“ - viel für den Ort tut. So erhalten Kindergarten und Grundschule einmal im Monat Obst, die Senioren freuen sich, dass sie sich dank des Ladens noch selbstständig versorgen können. Die Zuneigung der Gertenbacher äußerte sich kürzlich in einem Fest: Knapp 200 Personen kamen, die Lindenhofschüler dichteten sogar ein Danke-Lied. Nur ein Problem gibt es: „Wir können uns nicht mehr vergrößern“, sagt Beilschmidt. Jeder Zentimeter ist bereits ausgenutzt. (fst) Artikel rechts

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