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Seltene Fledermausart im Ringgau nachgewiesen

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Von: Stefanie Salzmann

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Im Bestand stark gefährdet: die Kleine Hufeisennase. 2022 wurde sie deshalb zum Höhlentier des Jahres gewählt. FotO: Klaus Bogon/dpa
Im Bestand stark gefährdet: die Kleine Hufeisennase. 2022 wurde sie deshalb zum Höhlentier des Jahres gewählt. FotO: Klaus Bogon/dpa © Klaus Bogon/dpa

In Hessen gilt die Kleine Hufeisennase als ausgestorben. Lediglich an der Graburg im Ringgau und im Spessart gab es in diesem Jahrhundert noch Nachweise der Fledermaus. In diesem Jahr wurde sie zum Höhlentier des Jahres 2022 gewählt.

Weißenborn– Die Kleine Hufeisennase ist eine der seltensten Fledermausarten in Deutschland. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war sie in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen weit verbreitet. Dann führte ein Bestandseinbruch zum Verschwinden der Kleinen Hufeisennase aus großen Teilen Deutschlands. Aktuell beschränkt sich ihr Vorkommen fast ausschließlich auf Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

In Hessen gilt die Kleine Hufeisennase noch immer als ausgestorben. „Es gibt aus diesem Jahrhundert aber zwei Nachweise für unser Bundesland, aus dem hessischen Spessart, wo ein Einzeltier entdeckt wurde, und aus dem nördlichen Ringgau an der Graburg zwischen Netra und Weißenborn“, so der Naturschützer, Dr. Jörg Brauneis. Dort seien im Jahr 2006 von Fledermausforschern vier Tiere vor Höhlen in den Steilhängen dieses Waldgebiets gefangen worden.

Windkraft

„Umso bedauerlicher ist es, dass sich die Hessische Landesregierung entschlossen hat, nahezu die gesamten Wälder angrenzend an das Naturschutzgebiet Graburg fast von Röhrda bis hin nach Rittmannshausen für die Errichtung von Windkraftanlagen freizugeben“, so Brauneis.

Und dies, obwohl die Obere Naturschutzbehörde in Kassel auch aus Gründen des Fledermausschutzes erhebliche Bedenken gegen die Nutzung dieser Wälder durch die Windkraftindustrie geäußert habe. Wenn man wisse, so Brauneis, dass nach einer Studie des Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin jedes Jahr mehr als 250 000 Fledermäuse in Deutschland an Windkraftanlagen getötet werden, so wird vielleicht die Windkraft den Kleinen Hufeisennasen im Ringgau, im Werra-Meißner-Kreis und in ganz Hessen nun endgültig zum Verhängnis werden.

Lebensweise

Die Kleine Hufeisennase ist wärmeliebend und bezieht ihre Sommerquartiere auch in Gebäuden, zum Beispiel auf warmen Dachböden oder und in den Schächten von Heizungsanlagen. Ansonsten sind Kleine Hufeisennasen typische Höhlenfledermäuse, die sowohl Sommer als auch Winterquartiere in den großen Karstgebieten bevorzugen.

Die Kleine Hufeisennase steht damit für eine große Zahl von Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind. Im Winterschlaf hüllen sich die Kleinen Hufeisennase vollständig in ihre Flughäute ein. Sie hängen dann in Höhlen, Stollen oder auch Kellern mit Temperaturen von 6 bis 9 ˚C immer auf Distanz zu ihren Artgenossen.

Kleine Hufeisennasen hängen immer frei und kriechen nie in Spalten. In Deutschland befinden sich die Kolonien, in denen die Weibchen ihre Jungen gemeinsam aufziehen – sogenannte Wochenstuben – meist auf warmen Dachböden und Gebäuden. Im Kyffhäuser-Gebirge in Thüringen wurden auch Wochenstuben in warmen, südexponierten Karsthöhlen gefunden. Männchen nutzen auch im Sommerhalbjahr Höhlen als Tagesquartier.

Kleine Hufeisennasen sind sehr standorttreu. Ihr Aktionsradius beträgt gewöhnlich weniger als 20 Kilometer

Auf der Jagd

Die Kleine Hufeisennase jagt erst bei völliger Dunkelheit meist bodennah in der Vegetation, zwischen Ästen von Bäumen im Wald, an Alleen oder dichten Hecken. In einer Flughöhe zwischen einem halben Meter über dem Boden bis in die Höhe der Baumkronen erbeuten sie in einem schwirrenden Zickzackflug kleine Insekten wie Käfer, Fliegen oder Nachtfalter.

Paarung

Die Paarungszeit beginnt im Herbst und dauert bis zum Frühling, wird aber meist im eigentlichen Winter unterbrochen. Im Frühjahr sammeln sich die Weibchen in Wochenstuben, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Schon nach wenigen Wochen fliegen die Jungtiere ohne ihre Mütter zur Jagd. Die Jungtiere werden nach etwa einem Jahr geschlechtsreif.

Forschung 

Mit der Wahl der Kleinen Hufeisennase zum Höhlentier des Jahres will der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher jetzt darauf hinweisen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Lebensräume und ihrer Bewohner noch ein erheblicher Forschungsbedarf besteht. Das Höhlentier 2022 wird der Öffentlichkeit im Rahmen der Jahrestagung des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. vom 16. bis 19. Juni 2022 in Truckenthal (Thüringen) vorgestellt.

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