Erste Veranstaltungen beginnen wieder

Senioren sind einsam wegen des Coronavirus

Ein älterer Mann sitzt im Sessel vor einem Fenster.
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Bleiben häufig allein daheim: Für viele Senioren ist der Wegfall der Veranstaltungen schwierig, da diese ihr Sozialleben bestimmten. Die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, verunsichert ebenfalls.

Werra-Meißner – Für viele Senioren ist das Leben durch Corona einsamer geworden. Denn es finden kaum noch Veranstaltungen statt.

 Hessisch Lichtenau

In der Arche in Hessisch Lichtenau organisierte man im Juli das erste Ü-60-Kaffee seit Beginn der Corona-Pandemie. Sonst findet die gesellige Kaffeerunde jeden Monat für zwei Stunden statt. Aufgrund der Auflagen entschieden sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Arche, dass Treffen nun im Freien zu veranstalten, berichtet die Vereinsvorsitzende Gerda Brückmann. „Einigen Teilnehmer ist wirklich ein Stein vom Herzen gefallen und sie haben sich gefreut, dass sie endlich wieder etwas unternehmen konnten“, sagt Brückmann. Bis auf ein Hallo im Hausflur zu den Nachbarn hätten sie in den vergangenen Monaten kaum soziale Kontakte gehabt.

Die Arche-Mitarbeiter versuchten, auch während des Lockdowns den Kontakt zu halten und riefen bei den Senioren an. „Es haben sich alle gefreut, wenn wir anriefen“, berichtet Conny Cheaib, die als angehende Sozialpädagogin ihr Anerkennungsjahr bei der Arche verbracht hat. „Eine Frau hat sogar am Telefon geweint, weil sie es gar nicht glauben konnte, dass jemand an sie denkt“, sagt Cheaib. In der ersten Phase der Pandemie hätten viele der Rentner keinen Kontakt zur Familie gehabt, aus Angst vor einer Ansteckung.

Neben dem Ü-60-Kaffee findet auch bereits ein Strick-Häkel-Treff in kleiner Runde wieder statt. Generell muss aber noch auf vieles verzichtet werden. So wollte ein Paar zu regelmäßigen Spieleabenden einladen, erzählt Brückmann, die nun noch nicht starten konnten. Auch gab es einen Freiwilligen, der anbot, mit Interessierten Vogelkästen zu bauen, was aber wegen den Auflagen auch noch nicht möglich war.

Witzenhausen

Auch in Witzenhausen gibt es aktuell kaum Veranstaltungen für Senioren. Selbst der Seniorenrat trifft sich nicht mehr monatlich, sondern nur noch vierteljährlich, berichtet der Vorsitzende Norbert Zoth. „Wir hatten einiges geplant für dieses Jahr, das fällt nun alles flach“, sagt Zoth. So wollten sie gemeinsam mit dem Jugendrat eine Handyschulung für Senioren organisieren, was nun nicht möglich ist. „Das gefällt mir persönlich überhaupt nicht“, sagt Zoth, „aber wir müssen uns daran halten und vorsichtig sein.“ Was aber bereits geht und gut genutzt wird, sei der Fahrdienst. „Der wird sehr rege in Anspruch genommen.“

Wenn er für den Fahrdienst unterwegs ist und andere Rentner zum Arzt fährt, erlebt er immer wieder, das einigen Senioren nicht bewusst ist, dass sie trotz Corona-Auflagen einen Freund besuchen dürfen. Da sonst alles geschlossen hat, müsse man sich so behelfen. Norbert Zoth bemängelt, dass viele Senioren in dieser Hinsicht zu unflexibel sind.

Was wieder begonnen hat, ist das Seniorenkino in Witzenhausen, darauf weist Zoth hin. Vom Seniorenprogramm der Stadt dagegen findet aktuell nichts statt, sagt Katja Eggert, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Das werde sich auch erst mit der Weihnachtsfeier wieder ändern. Diese werde in kleineren Gruppen geplant. „Dann gehen wir in den großen Rathaussaal und machen die Veranstaltung vielleicht zwei, drei Mal“, sagt Eggert. Je nachdem, wie viele Anmeldungen es geben wird.

Um während der veranstaltungsfreien Zeit nicht den Kontakt zu verlieren, habe sie in Rundbriefen die Möglichkeit zum Telefonat angeboten. „In dieser Zeit ist es wichtig, den Kontakt zu halten, nicht nur zu den Senioren“, sagt Eggert. 20 bis 25 Rentner hätten sich bei ihr gemeldet, mit denen sie dann telefoniert hat. „Viele wollen aber nicht stören oder etwas einfordern“, meint Eggert, weswegen sie davon ausgeht, dass es noch weit mehr Senioren gibt, die Redebedarf hätten. Jene, die sich melden, seien dankbar für die Angebote, die gemacht werden.

Bad Sooden-Allendorf

In Bad Sooden-Allendorf hat der Lockdown das Leben der Besucher des städtischen Seniorentreffpunktes hart getroffen, sagt Alexandra Kobusch von der Stabsstelle Soziales Krisenmanagement, da die gewohnten Alltagsstrukturen weggebrochen seien und feste Termine ausgesetzt wurden. „Unser komplettes Angebot für ältere Mitbürger wurde gänzlich lahmgelegt“, sagt Kobusch.

Deswegen hätten die Mitarbeiter der Stadt bereits im März ein Sorgentelefon für Senioren eingerichtet: „Es kamen über die Zeit alarmierende Anrufe“, sagt Kobusch. So hätten sich Senioren, die keine Familienmitglieder vor Ort haben und verunsichert durch die Sicherheitsmaßnahmen sind, zunehmend isoliert und würden sich einsam fühlen. „Unser Seniorentreffpunkt ist für viele eine zentrale Anlaufstelle, um in der Mitte der Gesellschaft zu bleiben und am aktiven Leben in der Stadt noch teilhaben zu können. Darauf musste man plötzlich verzichten“, sagt Kobusch.

Bürgermeister Frank Hix habe deswegen die Stabsstelle für Soziales Krisenmanagement ins Leben gerufen, die von Annette Ruske-Wolf und Alexandra Kobusch koordiniert wird. Daraus seien viele Hilfsprojekte entstanden. „Aber auch im Ehrenamt wurde Erstaunliches geleistet“, sagt Kobusch.

Mit den Lockerungen sei nun auch das Programm im Seniorentreffpunkt Bad Sooden-Allendorf langsam wieder angelaufen. „Zwar kann es erst in abgespeckter Form losgehen, aber der Schritt zurück in die Strukturen war nötig und richtig“, sagt Kobusch. Archiv- Fotos: Evelyn Paul / Daria Neu / Chris Cortis

Von Evelyn Paul

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