Impfzentrum in Eschwege

Seniorenforum Eschwege empfindet Terminvergabe als eine „Zumutung“

Hier soll der Nachbarschaftstreff zur Struth entstehen: Rotraut Sänger (oben) und Hertha Darimond setzen sich beim Eschweger Seniorenforum für die Belange der Senioren ein – etwa in Sachen Coronaimpfungen.
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Hier soll der Nachbarschaftstreff zur Struth entstehen: Rotraut Sänger (oben) und Hertha Darimond setzen sich beim Eschweger Seniorenforum für die Belange der Senioren ein – etwa in Sachen Coronaimpfungen.

Seit Mittwoch kann man sich für das Impfzentrum in Eschwege anmelden. Während einige Menschen Glück hatten und einen Termin bekamen, erreichen die Redaktion noch einige Beschwerden.

Werra-Meißner – Wenn es um das Thema Corona-Impfstart geht, knirschen Betroffene und Angehörige mittlerweile mit den Zähnen. So geht es auch der 80-jährigen Rotraut Sänger vom Seniorenforum aus Eschwege. Während unsere Redaktion auch Mitteilungen von einigen erfolgreichen Terminvergaben im Kreis erreicht hat, hat Sänger nicht so viel Glück.

„Ich versuche es seit 8 Uhr und es ist immer besetzt“, berichtet sie am Mittwochvormittag. Über die zentrale Anmelde-Hotline hat die Seniorin schon im Januar tagelang versucht, einen Impftermin in Kassel zu bekommen. „Irgendwann habe ich es aufgegeben, dort anzurufen“, sagt die 80-Jährige. Trotz aller Hoffnung laufe es am Mittwoch aber „genauso katastrophal wie im Januar“.

Weitere Leser haben sich bei unserer Zeitung gemeldet und berichten, dass die Terminvergabe zur Impfung erneut beschwerlich laufe. „40 Mal habe ich die Nummer gewählt“, berichtet eine 70-jährige Eschwegerin, die sich für ihren Mann engagierte. Auch online habe sie es versucht und stundenlang im virtuellen Wartezimmer gewartet. „Ich verzweifle langsam“, sagt sie.

Indes bekommt Sänger immerhin am Nachmittag per Mail eine Bestätigung, dass sie nun registriert sei. In einem zweiten virtuellen Warteraum wartet die Seniorin weitere Stunden auf einen Termin. Ihre Hartnäckigkeit zahlt sich aus, der Impftermin im März in Eschwege steht fest. Der Ostereiersuche mit den Enkeln stehe nun nicht mehr viel im Weg, sagt sie optimistisch. Sie will allen noch erfolglosen Senioren Mut machen, Ehrgeiz und Geduld zu haben.

Bilanz von Mittwoch: 20.000 Termine bis 11 Uhr

„Die Verteilung des Impfstoffs richtet sich nach der Bevölkerungszahl“, erklärt Benjamin Crisolli, Pressereferent des hessischen Innenministeriums, auf Nachfrage unserer Zeitung. Denn 7,4 Prozent des bundesweiten Gesamtimpfstoffs stehe dem Land Hessen zur Verfügung. Das errechne sich aus der Einwohnerzahl im Vergleich zur Bundesrepublik. Auch innerhalb Hessens werde sich nach der Bevölkerungsgröße in den Landkreisen gerichtet, damit der Impfstoff gerecht verteilt werde, erklärt er.

Allein aus logistischer Sicht sei die Anmeldung über die zentralen Anmeldesysteme nötig und sinnvoll, da die Anrufer genau registriert werden könnten. Dadurch könne das Land nachvollziehen, welcher Landkreis bereits wie viel Impfstoff bekommen habe. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, dezentrale Anmeldungen über die jeweiligen Landkreise zu errichten, sagt Crisolli.

300 000 Menschen gehörten in Hessen der ersten Priorisierungsgruppe an. „Kein Callcenter der Welt könnte diesen Ansturm auf einmal annehmen“, sagt er. Technisch funktioniere das System „einwandfrei“, man brauche aber Geduld. Nachdem es im Januar zu Überlastungen kam, wurden weitere Kapazitäten geschaffen. Mit der Errichtung virtueller Wartebereiche sei das System zusätzlich vor Überlast geschützt. Vereinzelt sei es gestern zu Fehlermeldungen gekommen, die aber schnell gelöst wurden, heißt es.

Gestern seien in Hessen allein bis 11 Uhr 20 000 Termine vergeben worden, 66 000 waren es nach acht Stunden. Zum Vergleich: Beim Start im Januar standen rund 60 000 Termine zur Verfügung, die innerhalb von vier Tagen vergeben wurden. „Jeder bekommt einen Termin, aber nicht alle gleichzeitig“, betont Crisolli. Ab nächster Woche sollen Paartermine möglich sein. (jes)

Trotzdem sei das Prozedere eine Zumutung findet Sänger, ebenso wie Seniorin Hertha Darimond. Stellvertretend für das Eschweger Seniorenforum wünschen sie sich eine dezentrale Anmeldung direkt beim Eschweger Impfzentrum, etwa über die Kreisverwaltung Werra-Meißner. Denn das wäre unkomplizierter, die Masse an Anrufern würde entzerrt, Behörden würden entlastet, erklärt Darimond. Zudem wünschen sich die Senioren eine Paaranmeldung und eine Warteliste für Impfwillige. „Zu wissen, dass Impfwillige registriert sind und dann einen Termin zugeteilt bekommen, sei erleichternd“, sagen sie. Vor allem aber befürchteten die Senioren, dass der Impfstoff nicht gerecht genug im Land verteilt und der ländliche Raum dabei benachteiligt werde. (Jessica Sippel)

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