Ausbruch in Seniorenheimen

Werra-Meißner-Kreis mit zweithöchstem Coronavirus-Inzidenzwert in Hessen

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Werra-Meißner-Kreis innerhalb einer Woche sprunghaft angestiegen. Zurückzuführen ist das auf Ausbrüche in Seniorenheimen. (Symbolbild)
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Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Werra-Meißner-Kreis innerhalb einer Woche sprunghaft angestiegen. Zurückzuführen ist das auf Ausbrüche in Seniorenheimen. (Symbolbild)

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Werra-Meißner-Kreis innerhalb einer Woche sprunghaft angestiegen. Zurückzuführen ist das auf Ausbrüche in Seniorenheimen.

Werra-Meißner - Lag der Wert, der angibt, wie viele Menschen in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner neu erkrankt sind, am 18. Januar noch bei 133, waren es am gestrigen Montag laut Landkreissprecher Jörg Klinge 197. Nach dem Landkreis Fulda (281) ist der Werra-Meißner-Kreis damit der derzeit am stärksten vom Coronavirus betroffene in Hessen.

„Es zeigt sich, wie verletzlich wir nach wie vor sind“, so Landrat Stefan Reuß am Montag. Die Hauptursache für den deutlichen Anstieg liege in den vergangenen Tagen in Seniorenheimen. Dort leben laut Landkreissprecher Jörg Klinge rund 1700 Personen. Besonders eine Einrichtung in der Stadt Waldkappel sei stark betroffen, hier hätten sich 36 Bewohner sowie ein Teil des Personals mit dem Virus infiziert.

Liegt die Inzidenz länger über 200, drohen weitere Beschränkungen

„Darüber hinaus haben wir weitere Senioreneinrichtungen mit mehreren Infizierten“, sagt der Landrat. Alleine seit Freitag seien kreisweit 52 Infizierte hinzugekommen, die zu den Bewohnern oder zum Personal in Pflegeeinrichtungen gehörten.

Welche Konsequenzen drohen, steigt die Inzidenz im Kreis weiter? „Sollte der Inzidenzwert drei Tage hintereinander über 200 liegen, greift das Eskalationskonzept des Landes Hessen“, sagt der Landrat.

Das bedeute Allgemeinverfügungen wie Ausgangsbeschränkungen oder die Schließung von Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten. „Wir sind darauf vorbereitet“, so Reuß.

Einen Zusammenhang des Inzidenzanstiegs mit Pendlern aus Nachbarkreisen sieht Reuß nicht. Hohe Inzidenzen wiesen am Montag die thüringischen Kreise Eichsfeld (223), Unstrut-Hainich (223) und der hessische Kreis Hersfeld-Rotenburg (148) auf.

Die Impfungen laufen derweil schleppend: Im Kreis wurden seit Dezember 2382 Personen erstgeimpft und 1076 zweitgeimpft - vorrangig in Seniorenheimen. Die Entscheidung des Landes, den Impfstoff zunächst an regionale Impfzentren zu verteilen, wurde von Reuß und vom Ersten Kreisbeigeordneten, Dr. Rainer Wallmann, kritisiert.

Seniorenzentrum in Waldkappel stark betroffen - 80 Prozent der Bewohner infiziert

Die in den vergangenen Tagen stark gestiegene Sieben-Tage-Inzidenz im Werra-Meißner-Kreis hängt laut Landrat Stefan Reuß vor allem mit Corona-Ausbrüchen in mehreren Seniorenheimen zusammen. Eine der Einrichtungen, die derzeit wohl am stärksten betroffen ist, ist das Seniorenzentrum Waldkappel.

80 Prozent der 48 Bewohner seien zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit dem Coronavirus infiziert, sagt Martin Tröger, der Leiter der Einrichtung, gegenüber unserer Zeitung. Zu den vom Landrat genannten 36 infizierten Bewohnern seien im Lauf des gestrigen Montags noch zwei weitere hinzugekommen.

Die Anzahl der Wohnplätze habe man aufgrund der Coronapandemie schon im Vorfeld ein Stück heruntergefahren. Von den 63 Arbeitskräften, die in dem Seniorenzentrum nicht alle in der Pflege arbeiten würden, seien bislang elf Personen mit dem Virus infiziert, so Tröger.

Einrichtungsleiter: „Wir können die Dienste derzeit alle abdecken“

„Wir haben sofort, als der Ausbruch bekannt wurde, eine Isolierstation eingerichtet, die Bewohner dort werden von Mitarbeitern betreut, die vom Rest des Hauses komplett abgeschottet sind“, sagt der Einrichtungsleiter. Eine Bewohnerin bekomme derzeit eine Sauerstoffzugabe. Wie sich Krankheitsverläufe entwickeln würden, darüber wolle man unter keinen Umständen spekulieren, zumal der Ausbruch erst einige Tage zurückliege.

Ärztlich versorgt würden die betroffenen Bewohner von Hausarzt Dr. Jann Hünermund, der alle zwei Tage zur Visite vorbeikomme, um die Krankheitsverläufe zu kontrollieren.

Parallel habe man sich bereits mit Institutionen wie dem Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises, dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste und der Stadt Waldkappel abgestimmt, was wäre, sollte der „Worst Case“ eintreten und die Zahl der infizierten Mitarbeiter weiter steigen. „Wir können die Dienste derzeit alle abdecken und die Bewohner vollumfänglich versorgen“, sagt Einrichtungsleiter Tröger. Außerdem stehe man in Kontakt mit einer Zeitarbeiterfirma, um hinsichtlich der Personaldecke keinerlei Risiko einzugehen.

Ein großes Lob spricht Tröger den beteiligten Institutionen für die Unterstützung und besonders seinen Mitarbeitern aus, die in dieser schweren Situation hervorragende Arbeit leisten würden. (Maurice Morth)

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