Sensation im Weidenbeutel

Beutelmeise kehrt zurück – Brutvogel baut am Werratalsee

Um Effizienz geht es auch in der Vogelwelt: Das Beutelmeisenmännchen zerrt die Industriewatte aus den installierten Kunstnestern am Werratalsee, um sie in den selbst gebauten Beutelnestern zu verbauen
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Um Effizienz geht es auch in der Vogelwelt: Das Beutelmeisenmännchen zerrt die Industriewatte aus den installierten Kunstnestern am Werratalsee, um sie in den selbst gebauten Beutelnestern zu verbauen.

Die Beutelmeise galt in Hessen als Brutvogel als ausgestorben. Eine sensationelle Entdeckung ab es nun aber am Werratalsee.

Eschwege - Doch jüngste Aktivitäten im Vogelschutzgebiet am Nordufer des Werratalsees deuten daraufhin, dass wieder mindesten ein Brutpaar des selten gewordenen Vogels hier Nachwuchs großziehen möchte. „Eine Brut wäre wirklich eine Sensation“, sagt der Eschweger Naturschützer und Vogelkundler Rainer Olßok.

Weil Olßok im vergangenen Jahr am Nordufer ein einzelnes Beutelmeisenmännchen beobachtet hat, hat er den Tieren in diesem Jahr ein besonderes Angebot unterbreitet, was diese offenbar nun gern annehmen – wenn auch anders, als gedacht.

Drei Männchen bauen derzeit Nester

In den Weiden am Ufer hat der Naturschützer im März drei Kunstnester aufgehängt – fein säuberlich nach Beutelmeisenart gearbeitet: zu einer Kugel geformte Weidenzweige, Schilfsamen und zur Auspolsterung und Dämmung Watte. Platziert hat er seine Kunstnester nahe eines echten Nestes, das er im Februar bei seinen Streifzügen dort entdeckt hatte.

Auch seine Kunstnester hat er mit einer guten Anflugmöglichkeit über den Schilfgürtel aufgehängt.

„Aktuell tummeln sich jetzt hier drei Männchen und bauen Nester“, berichtete Olßok am Mittwoch direkt vom Bauplatz, von wo aus er die Vögel beobachtet. „Die Beutelmeisen bauen aber drei eigene Nester“, so Olßok. Und dazu zuppeln sie die Industriewatte aus den Kunstnestern, um sie für ihre ansonsten selbst montierten Brutbeutel zu verbauen.

Beutelmeisen leben polygam

Üblicherweise, weiß der Vogelkundler, würden sie dafür Pappelwolle verwenden, die sie dann um die geformten und mit Schilffasern zusammengebundenen Weidenzweige herumweben. Über ein Loch an der Unterseite des Nestbeutels wird die wärmende Inneneinrichtung dann verbaut, anschließend werde das untere Einflugloch verschlossen.

Kommt das Meisenweibchen ins Spiel und ist in Brutlaune, baut es auf den Nestbeutel eine Art kleinen Schornstein, über den das Männchen der jungen Mutter dann Futter bringen darf.

Bei aller Fürsorge für Mutter und Nachwuchs allerdings seien die Beutelmeisen eher polygam. „Schon während der Brut kann es sein, dass das Männchen abhaut und sich ein neues Weibchen sucht.“ Das sei aber auch umgekehrt nicht selten der Fall. Dann lässt das Weibchen das Männchen auf den gemeinsamen Eiern sitzen und suche sich einen neuen Partner. Das erkläre auch, warum Beutelmeisen nicht nur ein, sondern gleich mehrere Nester bauen. (Stefanie Salzmann)

Die Beutelmeise wiegt nur zehn Gramm

Die Beutelmeise (Remiz pendulinus) ist ein Zugvogel und kommt in Mitteleuropa vor. Sie gehört mit circa zehn Zentimetern Größe und einem Gewicht von acht bis zehn Gramm zu den kleinsten Meisen, kann aber bis zu fünf Jahre alt werden. Besonders ist ihre eigenwillige Brutbiologie.

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