Sensible Pflanze: Anbauflächen für Raps gehen im Werra-Meißner-Kreis zurück

Raps soweit das Auge reicht? Nicht unbedingt. Denn die Anbaufläche hat über die vergangenen Jahre tendenziell abgenommen. Gründe: ungünstige Aussaatbedingungen, stark schwankende Marktpreise sowie der Wegfall von Pflanzenschutzmitteln. Unser
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Raps soweit das Auge reicht? Nicht unbedingt. Denn die Anbaufläche hat über die vergangenen Jahre tendenziell abgenommen. Gründe: ungünstige Aussaatbedingungen, stark schwankende Marktpreise sowie der Wegfall von Pflanzenschutzmitteln. Unser

Auch wenn es dem Vorbeifahrenden nicht auffällt, die Rapsbestände in der Region werden seltener. Um fast ein Drittel sind sie seit 2012 im Landkreis zurückgegangen.

Eschwege – Das geht aus dem Bericht zur Lage der Landwirtschaft des Werra-Meißner-Kreises hervor.

Sie tauchen das Werra-Meißner-Land in ein leuchtendes Gelb und hüllen die Umgebung in einen frühlingshaften Duft: Rapsblüten fallen auf und sind ein entscheidender Bote des Frühlings.Jedoch:

Raps ist eine der risikoreichsten Pflanzen. „Der Anbau muss penibel durchgerechnet werden“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Uwe Roth. Für die Aussaat eignet sich nur ein Zeitfenster von wenigen Tagen, meist Ende August. Die Planung muss bis ins kleinste Detail stimmen. 2019, nach dem Dürresommer 2018, gab es den ersten heftigen Einbruch. Die Anbaufläche ist extrem zurückgegangen. Grund für den Rückgang war der extrem trockene Sommer im vorangegangenen Jahr. Wegen ausgebliebener Niederschläge war es vielen Landwirten zu dieser Zeit überhaupt nicht möglich, die Saat auszubringen. Durch die extreme Trockenheit und Regenfälle, die erst im Oktober eingesetzt hatten, sei die Pflanze vor dem Winter zu spät aufgegangen. Und auch die folgenden Sommer waren kaum besser.

Das Problem ist keines, das nur zwischen Werra und Meißner besteht. Die gesamtdeutsche Anbaufläche von Raps ist in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen und lag laut des Ernteberichts des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 2020 bei 954 000 Hektar. Zum Vergleich: Der Durchschnitt 2014 bis 2019 für Deutschland lag bei etwa 1,2 Millionen Hektar. Neben der Dürre gibt es weitere Gründe für den Rückgang der Raps-Anbauflächen. Stark schwankende Marktpreise sowie der Wegfall von Pflanzenschutzmitteln infolge von Gesetzesänderungen sind weitere Faktoren.

Wofür braucht man den Raps? Durch seine lange Bodenbedeckung und tiefe Durchwurzelung verbessert der Raps das Nährstoffhaltevermögen des Bodens und fungiert als natürlicher Erosions- sowie Gewässerschutz, teilt der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen mit. Die leicht zersetzbaren Ernterückstände sorgen für einen guten Vorfruchtwert: Bis zu zehn Prozent Mehrertrag seien bei Weizenanbau nach Raps möglich. „Geht der Rapsanbau zurück, wäre dies mit Nachteilen für Ackerbau- und tierhaltende Betriebe sowie für die Insektenvielfalt und Imkerei verbunden“, sagt Verena Dietz, Sprecherin des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH). Der Anbau sei bedeutsam für das Erreichen gesamtgesellschaftlicher Interessen, denn er bringe viele Vorteile mit sich: ob als Bienen- und Insektenfutter, Baustein einer gentechnikfreien Ernährung, wertvolles Fruchtfolgeelement im Ackerbau oder erneuerbarer Energieträger.

Für Imker wie Bernd Michael Neumann aus Bad Sooden-Allendorf habe der Raps indes an Bedeutung verloren. Für seine Bienen blüht er inzwischen zu früh. „Das bringt weniger Ertrag für die Imker“, sagt er. Alternativ flögen seine Bienen eher Obstbäume an. Im Moment konzentrierten sich die Bienen aufgrund der kühlen Witterung auf die Aufzucht der Brut und in den wärmeren Phasen auf die Bestäubung der Blüten. Mit weniger ertragreicher Obsternte sei aufgrund mangelnder Bestäubung der Bienen also nicht zu rechnen, sagt der Imker am Welttag der Bienen. (Tobias Stück)

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