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„Sicherer Hafen Weißenborn“ versorgt Flüchtlinge

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Übergangslager: In einer geschätzt 200 x 50 Meter großen Blechhalle befinden sich fast 5000 Menschen in einem einzigen Meer aus Campingliegen.
Übergangslager: In einer geschätzt 200 x 50 Meter großen Blechhalle befinden sich fast 5000 Menschen in einem einzigen Meer aus Campingliegen. © Sicherer Hafen Weißenborn

Eben noch hat der Weißenbörner Reiseunternehmer Carsten Theiß Touristen durch die „ewige Stadt“ Rom gefahren, anderthalb Tage später ist er mit seinem Reisebus schon an der polnisch-ukrainischen Grenze, um mit den Helfern von „Sicherer Hafen Weißenborn“ Hilfsgüter zu verteilen.

Weißenborn – In der kleinsten Gemeinde Hessens hat sich innerhalb weniger Tage eine Hilfsaktion formiert, die die Opfer des Krieges vor dem Schlimmsten bewahren soll. Am Dienstagabend machten sich Carsten und Claudia Theiß, Carola Zündel, Klaus Schneider, Jens Schweinsberg und Axel Hofmann mit dem großen Reisebus ins Grenzgebiet auf.

Der Bus war voll beladen mit Hilfsgütern. „Durch Freunde, die bereits in Polen vor Ort waren, konnten wir gezielt Waren einkaufen“, berichtet Axel Hofmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Besonders Hygieneartikel seien gerade gefragt. Für die Kinder hatten die Weißenbörner Kuscheltiere dabei. Alle Spenden hat die Gruppe selbst finanziert.

Im Grenzgebiet selbst brachten die Helfer ihre Hilfsgüter in eine große Unterkunft, wo schätzungsweise zwischen 3000 und 5000 Menschen untergebracht waren. „Hut ab, dass die polnischen Helfer hier den Überblick behalten haben“, berichtet Hofmann. Die Spenden wurden thematisch sortiert auf große Haufen verteilt. Innerhalb kürzester Zeit waren die Spenden aus Weißenborn vergeben. „Es war schön zu sehen, wie unsere Hilfe direkt bei den Menschen angekommen ist“, sagt Axel Hofmann.

Ziel der Weißenbörner war es auch, in ihrem Bus Menschen aus dem Kriegsgebiet mit in die Region zu bringen. Im Vorhinein hatte eine Abfrage ergeben, dass in Rambach und Weißenborn 30 Schlafplätze zur Verfügung gestanden hätten. Dieses Angebot wurde aber nicht genutzt.

„Die Menschen haben oft Freunde und Verwandte in Deutschland und Europa, bei denen sie unterkommen können“, berichtet Hofmann. Leer fuhr der Bus dennoch nicht zurück. Sie brachten etwa 40 – vor allem – Frauen und Kinder zum Hauptbahnhof nach Dresden, von wo aus sie weiterfuhren.

„Sicherer Hafen Weißenborn“ ist eine Hilfsgruppe aus rund 15 Weißenbörnern und Rambachern, die sich vor einigen Jahren zusammengefunden hat, um den in der Weißenbörner Flüchtlingsunterkunft lebenden Menschen eine Anlaufstelle zu bieten. Die ehemalige Gemeinschaftsunterkunft wurde im Jahr 2020 privat verkauft.

Vor Kurzem hat diese Gruppe eigenständig und in vielen freiwilligen Stunden die leer stehende und stark verwohnte Gemeindewohnung über der (ganz) alten Schule wieder hergerichtet und auch komplett möbliert. „Und das alles mit eigenem Geld und eingesammelten Spenden“, lobt Bürgermeister Thomas Mäurer das Engagement seiner Mitbürger.

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