Touristen

Sie kampieren trotz Regen in Witzenhausen

Mit Regenschirmen ausgestattet: Die Holländer (von links) Paul Quint, Marjan Degraaf, Aicha Botbyl und Rika Quint aus Wageningen trotzen dem Regen auf dem Campingplatz Werratal. Fotos: Gulizia

Witzenhausen. Nur einzelne trotzige Camper haben ihre Zelte auf dem nahezu verwaisten Campingplatz Werratal in Witzenhausen aufgeschlagen.

„Es sind 95 Prozent weniger Urlauber hier als sonst“, sagt Campingplatz-Manager Udo Rudolph und blickt hinter der hohen Theke an der Rezeption hervor. Die Saison habe gut angefangen, wegen des Dauerregens seien dann aber viele abgereist, vor allem Deutsche.

„Bei drei Regentropfen wird schon die Stirn gerunzelt, bei fünf holen sie die Regenjacke hervor und bei zehn Regentropfen sind sie weg“, sagt Rudolph schmunzelnd. Trotzdem – ganz leer ist der Platz an der Werra nicht.  Vor allem die vielen gelben Kennzeichen stechen unter den Wohnwagen hervor. „Die Holländer sind hart im Nehmen“, sagt der Campingmanager.

So auch Rika Quint aus Wageningen. Stoisch stapft die Holländerin über die nasse Wiese, die sich langsam aber sicher zu einem Teich verwandelt. Ihre Füße stecken lediglich in grauen Crocs. „Gummistiefel habe ich nicht mitgebracht, mit so einem Wetter haben wir nicht gerechnet“, sagt die Camperin.

„Es soll doch Sommer sein“, sagt auch ihr Mann Paul lachend, der gerade in der winzigen Wohnmobil-Küche ein Spiegelei brät. Der Frühstückstisch in dem schmalen aber hellen Wohnwagen ist bereits gedeckt.

Seit 34 Jahren fährt das Paar gemeinsam im Wohnwagen durch verschiedene Länder. Am Dienstag sind sie zum ersten Mal ins Werratal gekommen, allerdings nur auf der Durchreise auf dem Weg nach Hause. „Wir kommen gerade aus Tschechien, dort waren es 30 Grad“, erzählt der Holländer. Eigentlich hatten sie vor, zu wandern und Fahrradtouren zu machen, unterkriegen lassen sich die passionierten Camper jedoch nicht. „Wir hocken nicht nur im Wohnwagen oder im Zelt“, so Quint. So waren sie bereits shoppen in Kassel und haben auch Witzenhausen erkundet. Gefallen hätten ihnen vor allem die schönen Fachwerkhäuser. Trotz des kaum enden wollenden Regens, sie wollen wieder kommen. Bis Freitag genießen sie noch ihren Urlaub. Bedenken, dass die Werra überlaufen könnte, hätten sie nicht.

Die macht sich allerdings der Campingplatz-Manager, der seit 27 Jahren auch auf die Sicherheit der Urlauber achtet. „Sorgen wegen des Flusses mache ich mir immer, der ist unberechenbar“, sagt Rudolph. Dieser sei schon des Öfteren übergelaufen, allerdings normalerweise zur Schneeschmelze. Deshalb kontrolliert Rudolph die Wasserpegel regelmäßig. „Durch die Kontrollen weiß ich sechs bis acht Stunden vorher Bescheid, sodass im Fall einer Überflutung der Platz rechtzeitig geräumt und das Wasser abgepumpt werden kann.“

Bisher sei allerdings alles im grünen Bereich. „Noch ist keine Gefahr, dass der Campingplatz überschwemmt wird. Die Pegel steigen, jedoch im Rahmen.“

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