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Eschweger Stadtmuseum wird gerade auf NS-Raubgut überprüft

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Von: Tobias Stück

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Dem Raubgut auf der Spur: (von links) Die Historiker Dr.Marlies Coburger, York-Egbert König und Dr. Annika Spilker forschen mit Laptop und alten Aufzeichnungen nach jüdischem Besitz im Stadtmuseum.
Dem Raubgut auf der Spur: (von links) Die Historiker Dr.Marlies Coburger, York-Egbert König und Dr. Annika Spilker forschen mit Laptop und alten Aufzeichnungen nach jüdischem Besitz im Stadtmuseum. © Tobias Stück

Eschwege – Eine richtig heiße Spur haben sie noch nicht, trotzdem bleiben die drei Historiker aufmerksam. Stadtarchivarin Dr. Annika Spilker und York-Egbert König unterstützen derzeit Dr. Marlies Coburger auf der Suche nach NS-Raubgut im Besitz des Eschweger Stadtarchivs und insbesondere im Stadtmuseum.

Viele kleine Puzzleteile sammeln sie, um ein Gesamtbild zu bauen. „Das kann man durchaus mit Detektivarbeit vergleichen“, sagt Dr. Spilker.

Das Eschweger Museum gehört mit Bad Wildungen, Reinheim und Fulda zu insgesamt vier hessischen Museen, in denen die sogenannte Provenienzforschung ihren Anfang macht. Provenienz ist die Bestimmung der Herkunft von Objekten. Die Forschung, die vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird, konzentriert sich in Eschwege auf Gegenstände, die während der Nazizeit Juden entzogen wurden. Es werden aber auch weitere Opfergruppen des NS-Regimes wie Freimaurer, Zwangsarbeiter oder politische Gegner in den Blick genommen. „Dabei müssen die Gegenstände nicht zwangsläufig zwischen 1933 und 1945 dem Stadtmuseum übergeben worden sein.“ Auch spätere Spenden könnten aus jüdischem Vorbesitz kommen. Das 1913 gegründete Eschweger Museum beherbergt etwa 1500 bis 2000 Ausstellungsstücke. Ständig werden dem Stadtarchiv neue Gegenstände angeboten. Alles wird nicht genommen. „Es muss eindeutige Hinweise auf die Eschweger Geschichte dazu geben“, sagt König.

Unterlagen prüfen

Die Berliner Historikerin und Provenienzforscherin Dr. Marlies Coburger nimmt den Erstcheck in den vier Museen vor. Im Februar ist das sechsmonatige Projekt gestartet. Gerade ist sie zum zweiten Mal in Eschwege, um Unterlagen zu prüfen und mit den Experten vor Ort zu sprechen. „Die Datenlage ist hier nicht so einfach“, sagt Coburger. Akribisch geführte Eingangslisten gibt es erst seit den 1960er-Jahren. Für die NS-Zeit und die Zeit davor gibt es keine Inventarlisten.

Hier beginnt die Detektivarbeit für die Historiker. Aus alten Listen und Zeitungsartikeln rekonstruieren sie die Herkunft der Gegenstände. Bislang gibt es keine Hinweise auf Raubgut aus jüdischem Vorbesitz.

„Dass wir nichts finden, könnte auch ein Ergebnis unserer Forschung sein“, sagt Coburger. Die Untersuchungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Es wäre weiterhin möglich, dass jüdisches Kulturgut im Besitz der Stadt auftaucht. Laut König habe es in der Eschweger jüdischen Gemeinde viele wohlhabende Familien gegeben: Geschäftsleute, Juristen, Ärzte. „Wenn wir etwas finden, müssen wir eine Lösung finden, wie wir würdevoll damit umgehen“, sagt Bürgermeister Alexander Heppe.

Bis zum 31. Juli ist Coburger in den vier Museen unterwegs. Danach wird sie ihren Abschlussbericht schreiben. Egal ob Raubgut gefunden wurde oder nicht: „Für unsere Inventarisierung und die Aufarbeitung der Geschichte ist das ein wichtiges Projekt“, sagt Spilker.

Von Tobias Stück

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