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Siegel für Witzenhäuser Kirschen ist das Ziel

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Von: Konstantin Mennecke

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Sollen bundesweit klar als Witzenhäuser Kirsche erkennbar sein: Reife Kirschen der mittelfrühen Sorte Vega. Sie könnten künftig nicht als „Deutsche Kirsche“, sondern als „Witzenhäuser Kirsche“ zu kaufen sein.
Sollen bundesweit klar als Witzenhäuser Kirsche erkennbar sein: Reife Kirschen der mittelfrühen Sorte Vega. Sie könnten künftig nicht als „Deutsche Kirsche“, sondern als „Witzenhäuser Kirsche“ zu kaufen sein. © Sabine Budde

Werra-Meißner – Seit über einem Jahr arbeitet Charlotte Graulich vom Geo-Naturpark Frau-Holle-Land mit Obstbaubetrieben daran, den Witzenhäuser Kirschen als Qualitätsprodukt neuen Auftrieb zu verleihen. Dazu soll es künftig auch ein EU-Siegel geben.

„Regional, nachhaltig und transparent erzeugte Lebensmittel liegen deutschlandweit im Trend, und wir müssen diesen Trend für die Witzenhäuser Kirsche nutzen“, teilt Graulich mit. Sie hat mit nahezu allen Betrieben Kontakt aufgenommen und steht für dieses gemeinsame Projekt im Austausch. Es formte sich ein kleiner Arbeitskreis, in dem große und kleine Betriebe, der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, die Pro Witzenhausen und auch die Stadt Witzenhausen mit dem Geo-Naturpark zusammen Möglichkeiten zur Förderung und Erhaltung des Kirschenanbaus in der Region erarbeiten. „Wir wollen weiterhin Kirschen in Witzenhausen anbauen und dafür müssen wir unsere Betriebe weiterentwickeln und modernisieren“, sagt Berit Diegmann, die mit dem Obsthof Kiebe aus Unterrieden den größten Betrieb der Region führt. „Es sollen auch weitere Betriebe dazustoßen.“

In Witzenhausen selbst wisse man um die Qualität der Kirschen – auf bundesebene werde sie häufig anonym aus „Deutsche Kirsche“ gehandelt. Das soll sich laut Mitteilung ändern. Dass eine geschützte Marke für die „Witzenhäuser Kirsche“ im Vertrieb und bei der Qualitätssicherung helfen könnte, darüber herrschte unter den Obstbaubetrieben rasch Einigkeit. Der aus dem Arbeitskreis heraus jetzt neu gegründete „Verein zum Schutz der Witzenhäuser Kirsche“ wird deshalb den Antrag auf die Eintragung einer geschützten Herkunftsbezeichnung bei der Europäischen Union einreichen, sodass sich die Witzenhäuser Kirschen in naher Zukunft in den Reigen von Schwarzwälder Schinken, Nürnberger Lebkuchen und Spreewälder Gurken einreihen könnten. „Dieses Siegel verleiht Produkten und Regionen Schlagkraft und Authentizität in der Vermarktung“, ist der Witzenhäuser Bürgermeister Daniel Herz überzeugt. Er lenkt als Vorstand zusammen mit Dr. Sabine Budde vom Geo-Naturpark Frau-Holle-Land fortan die Geschicke des Vereins. „Dass die Stadt Witzenhausen sich nun im Verein engagiert, ist ein wichtiges Zeichen für die Obstbaubetriebe“, freut sich Marco Lenarduzzi, Geschäftsführer des Geo-Naturparks.

Auch monetäre Unterstützung wurde dem Obstbau von Seiten der Stadt bereits zugesichert. So finanziert die Stadt Witzenhausen das Antragsverfahren des EU-Herkunftszeichens und auch erste Marketingmaßnahmen für den Obstbau mit einem Betrag von 7000 Euro.

Charlotte Graulich
Charlotte Graulich © Geo-Naturpark

Doch damit nicht genug. Die Akteure sind aktiv dabei, Menschen jeden Alters anzusprechen und für sich zu gewinnen. Das neue Umweltbildungsprogramm des Geo-Naturparks für Kindertagesstätten und Grundschulen zum Thema Obstbau beinhaltet deshalb auch immer einen Besuch im Obstbaubetrieb. Im Bunde ist auch der Kreisbauernverband, der die Obstbaubetriebe aktiv dabei unterstützen wird, ihre Sorgen und Bedarfe auf Ebene der Landespolitik vorzubringen. Der Fachbereich 8 des Werra-Meißner-Kreises Landwirtschaft, Landschaftspflege, Natur- und Landschaftsschutz möchte den Obstbau ebenfalls verstärkt fördern. Und auch im Bereich Ökologische Agrarwissenschaften an der Universität soll es in diesem Jahr vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen ein Modul zum Thema Obstbau für die Studierenden geben.

Seit Januar 2021 setzt der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land mit Mitteln der Stadt Witzenhausen und mit Unterstützung des Werra-Meißner-Kreises das Leader-Projekt zur Erhaltung und Förderung des Kirschenanbaus in Witzenhausen um. „Auch die Kulturlandschaft mit Obstplantagen und Obstwiesen, der Kirschentourismus und die Vermarktung von Witzenhausen als Kirschenstadt haben ohne florierende Obstbaubetriebe keine Zukunftsperspektive“, so Charlotte Graulich. kmn Foto: Geo-Naturpark

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