Situation ist für alle belastend

Eltern überlegen, ob sie Nachwuchs in Kindergärten betreuen lassen

Eltern entscheiden aktuell, ob sie ihre Kinder in den Kindergarten bringen. Bei den städtischen Kindergärten in Witzenhausen, zu denen die Kesperknirpsen gehören, werden etwa die Hälfte der Kinder betreut.
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Eltern entscheiden aktuell, ob sie ihre Kinder in den Kindergarten bringen. Bei den städtischen Kindergärten in Witzenhausen, zu denen die Kesperknirpsen gehören, werden etwa die Hälfte der Kinder betreut.

Mit dem Lockdown sind die Kindergärten dieses Mal nicht geschlossen. Stattdessen bittet die Landesregierung alle Eltern, Betreuungsangebote nur zur nutzen, wenn es dringend notwendig ist.

Werra-Meißner – Wir haben mit Kindergärten in der Region gesprochen, wie es ihnen aktuell mit der Pandemie geht.

Hessisch Lichtenau

In Hessisch Lichtenau nutzen aktuell noch knapp ein Drittel der Kinder das Betreuungsangebot des Evangelischen Kindergartens, wie Leiterin Astrid Söder berichtet. Dabei entscheiden die Eltern, wer kommt und wer nicht. Insgesamt erstaunt es Söder, wie geduldig die Eltern die Situation ertragen und wie verantwortungsvoll sie damit umgehen.

In der Kindertagesstätte halte man sich strikt an die Gruppentrennung. Das führe aber häufig zu Problemen in den Randzeiten. „Vom Personal darf keiner groß ausfallen“, sagt Söder. Insgesamt sei die Situation aber auch schwierig für die Mitarbeiter, denn die Gefahr einer Infektion ist immer präsent. „Jeder zieht es durch und will den anderen nicht hängen lassen“, berichtet Söder. „Aber wir sehnen die Zeit herbei, in der es wieder normal läuft.“

Auch an den Kindern gehe die ungewöhnliche Situation nicht spurlos vorüber. So sei die kleine Formation zwar manchmal schön, aber viele Kindern fehlten Freunde. „Wenn über längere Zeit die entsprechenden Freunde nicht in den Kindergarten kommen, dann kann es schon auch vorkommen, dass das Kind dann nicht kommen mag“, erklärt die Leiterin. Auch passiere es, dass ein Kind nachmittags dann mit den Erzieherinnen alleine sei, weil alle anderen Kinder bereits abgeholt worden sind.

Auch das Programm für die Kinder gestaltet sich anders. Ausflüge sind natürlich tabu. „Aber wir können auch die Turnhalle nicht benutzen“, sagt Söder. Stattdessen versuche man, möglichst viel Zeit im Garten mit den Kindern zu verbringen oder spazieren zu gehen. Auch mache man nun Aktivitäten, die in der großen Gruppe sonst schwierig sind, zum Beispiel auf einem Leuchttisch mit Sand zu malen.

Witzenhausen

Dass die Situation und das Risiko einer Infektion die Mitarbeiter belaste, bestätigt auch Monika Winkelbach, Leiterin der Städtischen Kitas in Witzenhausen. Dort werde aktuell etwa die Hälfte der Kinder in Präsenz betreut. „Es ist Anspannung pur für die Mitarbeiter.“ Die Betreuung könne aufrecht erhalten werden, aber „für uns ist die Belastungsgrenze auch langsam erreicht.“ Die Belegschaft halte aber zusammen und baue sich gegenseitig auf. „Wir machen auch mal einen Spaß, damit die Sorgen und Nöte für einen Moment aus dem Kopf kommen.“

Winkelbach sei froh, dass die Eltern verständnisvoll seien und viele ihre Kinder zuhause betreuten. „Ein ganz großes Lob an die Eltern.“

Bad Sooden-Allendorf

Es sei keine einfache Situation, sagt Rainer Langefeld, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Soziales der Stadt Bad Sooden-Allendorf. Auch er lobt die Eltern für ihr Verständnis. In den Städtischen Kindergärten liege die Auslastung bei etwa 30 bis 35 Prozent. „Wir sind insgesamt sehr zufrieden“, sagt der Bereichsleiter. „Hut ab vor den Erziehern, es ist nicht einfach.“

Das weiß auch das Team im Evangelischen Kindergarten St. Crucis in Bad Sooden-Allendorf. „Es gibt Eltern, die sich ein Bein ausreißen, um das zuhause zu stemmen“, erklärt Leiterin Doreen Cortis. Von 56 Kindern seien im Durchschnitt 31 anwesend. Cortis und ihre Mitarbeiter schickten den Eltern Lernmaterial für die Kinder zuhause zu. „Wir versuchen, von Tag zu Tag das Beste zu geben“, erklärt Cortis. „Den Kindern soll es gut gehen und sie sollen so wenig wie möglich von den Sorgen mitbekommen.“ Es dürfe vor allem niemand ausfallen, denn: „Es gibt keine Erzieher auf dem Markt.“ Die Leiterin fühlt sich angesichts der Lage vor allem von der Politik im Stich gelassen. Als Bildungseinrichtung stünden sie an vorderster Front, bekämen aber kaum Unterstützung. „Andere werden in den Himmel gehoben und wir fallen hinten runter“, sagt sie.

AWO-Kindergärten

Dass die Eltern entscheiden, welche Kinder in die Kindertagesstätte gehen, funktioniere in den meisten Fällen sehr gut, berichtet Jennifer Kassner, Fachdienstleitung der Kindertagesstätten vom AWO-Kreisverband Werra-Meißner. In den zehn Einrichtungen im Kreis kämen ungefähr die Hälfte bis zwei Drittel der Kinder. „Das variiert je nach Standort und Beruf der Eltern“, sagt Kassner.

Wer im Frühjahr als systemrelevant galt, bringe auch jetzt entsprechend die Kinder. „Aber die Eltern überlegen schon fünf bis sechs Mal, ob sie das Kind vorbeibringen oder nicht eine Altenative haben.“ Genauso sei es aber auch verständlich, dass Eltern, die im Homeoffice arbeiten oder ältere Kinder im Homeschooling betreuen müssen, ab und an eine Entlastung benötigten.

Dafür würden die Kindergärten regelmäßig bei den Eltern abfragen, wer wann die Kinder bringe. Mit viel Organisation könne so der Mitarbeiterbedarf geplant werden.

Durch die Hygienemaßnahmen, an die sich sowohl Eltern als auch Kinder gewöhnt hätten, fühlten sich die Mitarbeiter geschützt. So dürfen Eltern nicht ins Gebäude, bei der Übergabe wird ein Mund-Nasen-Schutz getragen und danach werden mit den Kindern Hände gewaschen.

(Sarah Schnieder und Evelyn Ludolph)

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