Kein Gewinn, keine Hilfe

Skilift-Betrieb auf dem Hohen Meißner bekommt wegen fehlender Umsätze keine Corona-Hilfen

Skilift im Sonnenuntergang
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Stillstand: Wegen der Corona-Pandemie durfte der Skilift auf dem Hohen Meißner nicht in Betrieb gehen.

In den vergangenen zwei Jahren konnte Skiliftbetreiber Rüdiger Freund keinen Gewinn machen, weil kein Schnee lag. Jetzt bekommt er deshalb auch keine Corona-Hilfen.

Werra-Meißner – Als die großen Schneemassen kamen, wäre das die beste Voraussetzung für den Skiliftbetrieb auf dem Hohen Meißner gewesen – aber nur eigentlich.

Denn: Betreiber Rüdiger Freund durfte die Lifte aufgrund der Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie nicht einsetzen. Das ist aber nicht das einzige Problem. Er bekommt auch keine Corona-Hilfen, um die Ausfälle zu kompensieren.

Der Grund: Freund kann den Antrag gar nicht stellen, weil dafür der Gewinn aus dem Vergleichsmonat 2019 angegeben werden muss, um die Höhe der Unterstützungszahlung zu berechnen. Das kann der Liftbetreiber aber nicht, denn: „Die letzten zwei Jahre hatten wir keinen Schnee, also konnten wir auch keine Gewinne machen.“

Skilift Hoher Meißner: Kein Schnee, kein Gewinn

Ohne Gewinne kein Antrag und ohne Antrag keine finanzielle Unterstützung. „Wenn es so weiter geht, muss ich den Laden dichtmachen“, erklärt Freund, der außerdem eine Dachdeckerfirma in Dransfeld (Landkreis Göttingen) betreibt. „Wenn ich die nicht hätte, wär es längst vorbei“, denn derzeit müsse er draufzahlen, um die Lifte halten zu können.

Dabei hätte Freund in den vergangenen Jahren eigentlich die Möglichkeit gehabt, für Schnee zu sorgen. Dafür hat er Beschneiungsanlagen („Schneekanonen“) gekauft. Allerdings dürfe er die nicht einsetzen, habe ihm die Untere Naturschutzbehörde mitgeteilt.

„Ein Mitarbeiter der UNB hat gesagt, 70 verschiedene Pflanzen würden durch die Schneekanonen sozusagen erschossen“, sagt Freund. Das sei im Jahr 2013 gewesen.

Skilift Hoher Meißner: Naturschutzbehörde muss zustimmen

Auf Anfrage teilte die Obere Naturschutzbehörde (ONB) – das Regierungspräsidium Kassel, an das die Angelegenheit weitergegeben wurde – mit, dass für eine Genehmigung zum Betrieb von Beschneiungsanlagen ein vorheriger Testlauf nötig sei. Dem habe sie im Jahr 2003 zugestimmt.

Seitdem sei laut der Mitteilung des Regierungspräsidiums kein entsprechender Antrag eingegangen. „Sollte der Vorgang wieder aufgerollt werden, muss man mit einer Prüfung, auch für einen Testlauf, wieder neu starten, da aufgrund des fortschreitenden Klimawandels und der Trockenheit vor allem in den letzten Jahren die Wasserverfügbarkeit vermutlich weiter gesunken sein wird.“

Um Freund zu helfen und den Betrieb zu erhalten, hat der Touristenverein „Die Naturfreunde“, der einer der Verpächter ist, seinen Pachtanteil reduziert. Das reiche aber nicht aus. „Wenn ich wenigstens ein bisschen Hilfe bekäme“, sagt Freund, „vielleicht 20 000 Euro, das würde schon reichen, denn die Inbetriebnahme des Liftes kostet jährlich mit TÜV circa 10 000 Euro.“

Skilift Hoher Meißner: Letzte Chance Notfallkasse

Steuerberater Thomas Laufer will ihm helfen. 20 000 Euro hält er aber nicht für realistisch. „Da kommen wir, glaube ich, nicht hin“, so Laufer. Nachdem der einfache Antragsweg nicht funktioniert hat, versucht er nun, über eine Regelung für Saisonbetriebe für Freund doch noch an die sogenannte Überbrückungshilfe zu kommen.

Ansonsten bestehe nur noch die Möglichkeit, über ländereigene Programme finanzielle Hilfe zu bekommen. In Hessen gibt es beispielsweise die Notfallkasse, die Unternehmer direkt beim Regierungspräsidium Kassel beantragen können.

Sie soll vor allem diejenigen unterstützen, „die bisher noch keine Hilfen in Anspruch nehmen konnten“, heißt es in einer Presseerklärung des Regierungspräsidiums. „Es gibt Betriebe die schlichtweg durchs Raster der Förderkriterien fallen. Doch auch sie sind unverschuldet in die Krise geraten“, sagt Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. „Genau diese Lücke schließen wir mit der Notfallkasse.“

Das könnte auch für Rüdiger Freund die letzte Anlaufstelle sein, um Hilfe für seinen Liftbetrieb zu erhalten. „Das habe ich Mandanten empfohlen, die sonst durch alle Raster gefallen sind“, erklärt Steuerberater Laufer. (Sarah Schnieder)

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