FRAGEN UND ANTWORTEN

So arbeitet der Impfrat des Kreises: 133 Menschen stehen auf Warteliste

Der Impfrat des Werra-Meißner-Kreises wurde ins Leben gerufen, nachdem öffentliche Kritik an Landrat Stefan Reuß und seinem Vize, Dr. Rainer Wallmann, aufkam. Sie hatten sich im Dezember 2020 mit überzähligem Impfstoff impfen lassen. Symbolfoto: HAUKE CHRISTIAN DITTRICH/DPA
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Der Impfrat des Werra-Meißner-Kreises wurde ins Leben gerufen, nachdem öffentliche Kritik an Landrat Stefan Reuß und seinem Vize, Dr. Rainer Wallmann, aufkam. Sie hatten sich im Dezember 2020 mit überzähligem Impfstoff impfen lassen.

Die Priorisierungen sind kompliziert und die Wartelisten lang. Aber wie arbeitet eigentlich der Impfrat im Werra-Meißner-Kreis? Dazu Fragen und Antworten.

Werra-Meißner – Vor gut einer Woche berichteten wir über einen lungenkranken 72-Jährigen aus dem Wanfrieder Stadtteil Heldra, der trotz eines sehr hohen Risikos eine Covid-19-Infektion nicht zu überleben, auf eine Impfung gegen das Coronavirus warten muss. Auch ein Vorsprechen beim Impfrat des Werra-Meißner-Kreises, um auf die Warteliste für übrig gebliebene Impfdosen zu kommen, blieb erfolglos.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Impf-Gremium.

Vergibt das Gremium Impftermine?

Die Vergabe der Impftermine erfolgt in der Regel durch das Land Hessen entsprechend des Anspruchs nach der Impfverordnung, teilt Landkreissprecher Jörg Klinge mit. In besonderen Härtefällen, in denen Menschen sehr zeitnah eine Impfung benötigten, könnten sie sich nach einer Registrierung beim Impfterminservice des Landes auch an den Impfrat des Kreises wenden. Dieser könne sie in die Warteliste aufnehmen.

Wann werden Personen, die auf der Liste stehen, zur Impfung eingeladen?

Die Personen auf der Warteliste kommen laut Klinge dann an die Reihe, wenn am Ende eines Tages noch Restmengen von Impfstoff vorhanden oder reguläre Impftermine ausgefallen sind.

Wie wird die Reihenfolge auf der Liste festgelegt?

Auch auf der Liste gilt die Priorisierungsreihenfolge der Coronavirus-Impfverordnung, so Klinge. Das bedeute, die Liste stehe nicht jedem Impfwilligen offen.

Wie kommt man auf die Warteliste des Impfrates?

Voraussetzung für die Aufnahme in die Warteliste sei der Nachweis, dass für den Fall einer Infektion mit dem Coronavirus ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf bestehe und die Gesamtsituation des Antragsstellers eine vorzeitige Impfung erforderlich mache, teilt der Landkreissprecher mit. „Dies erfolgt im Regelfall durch ein ärztliches fallbezogenes Attest“, sagt Klinge.

Wie häufig kommt der Impfrat zusammen?

Der Impfrat ist bislang sechs Mal zu mehrstündigen Beratungen zusammengekommen, so der Kreis. Das Gesundheitsamt berichte dabei regelmäßig über die Coronalage, die aktuell gültigen rechtlichen Bestimmungen und den Fortschritt der Impfkampagne.

Wie viele Fälle wurden bislang vom Impfrat bearbeitet?

96 Fälle von Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis, die einen Antrag auf eine vorzeitige Impfung gestellt haben, wurden bislang vom Rat besprochen. „In 72 Fällen wurde dem Antrag entsprochen“, so Klinge. In 24 Fällen hätten die rechtlichen und medizinischen Voraussetzungen für eine vorgezogene Impfung nicht vorgelegen und seien abgelehnt worden. „Insgesamt wurden in diesem Zusammenhang bisher rund 750 E-Mails und 30 schriftliche Eingänge an den Impfrat beziehungsweise das Gesundheitsamt bearbeitet“, so Klinge.

Wie viele Menschen stehen momentan auf der Warteliste?

Derzeit sind 133 Personen auf der Warteliste, davon sind 41 Personen zumindest einmal geimpft worden, sagt der Landkreissprecher. Die Anträge werden anonymisiert an den Rat weitergeleitet, die Beratungen würden ausschließlich aufgrund der dargestellten gesundheitlichen Situation bewertet.

Hat der Impfrat Entscheidungsgewalt?

In Einzelfällen könne er dem Gesundheitsamt die Aufnahme in die Warteliste beziehungsweise eine vorzeitige Impfung empfehlen. Die Entscheidung treffe aber ausschließlich das Gesundheitsamt. Dagegen könnten Rechtsmittel eingelegt werden. Leider könne die Warteliste nur langsam abgearbeitet werden, weil nur wenige Impfdosen verfügbar seien. Es bestehe aber die Aussicht, dass sich die Situation in den kommenden Wochen bessere, so Klinge. (Von Maurice Morth)

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