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So haben Spielmannszüge im Werra-Meißner-Kreis die Pandemie erlebt

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Von: Tobias Stück

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Der erste Auftritt nach mehr als zwei Jahren: Der Spielmannszug Werratal aus Eschwege war beim Sommergewinn in Eisenach am vergangenen Wochenende aktiv. „Wir waren hinterher ganz schön kaputt“, berichtet Vorsitzender Ralf Fischbach.
Der erste Auftritt nach mehr als zwei Jahren: Der Spielmannszug Werratal aus Eschwege war beim Sommergewinn in Eisenach am vergangenen Wochenende aktiv. „Wir waren hinterher ganz schön kaputt“, berichtet Vorsitzender Ralf Fischbach. © privat

Nur wenige Vereine waren von der Pandemie härter betroffen, als Spielmannszüge. Nicht nur die Anlässe für die Auftritte sind ausgefallen, selbst das Üben war teilweise untersagt. Wir haben bei einigen nachgefragt, wie sie die Krise überstanden haben.

Werra-Meißner – Große Kreativität haben den Spielmannszug Werratal, den FMZ Frankershausen, den Fanfarenzug Wanfried, die Marchinband Dietemann oder den Landsknechtsfanfarenzug Sontra während der verordneten Zwangspause ausgezeichnet. Die Bedingungen seien aber sehr herausfordernd gewesen. Alle mussten Rückschläge einstecken.

SZ Werratal 1956

Die Stimmung im Bus auf der Rückfahrt sei euphorisch gewesen. Das erste Mal nach zwei Jahren ist der Spielmannszug Werratal am vergangenen Wochenende in Eisenach wieder ganz klassisch aufgetreten. Schief gegangen sei nach der langen Pause kaum etwas, Muskelkater hatten nach sechs Kilometern Fußmarsch viele. „Wir waren ganz schön kaputt“, sagt Vorsitzender Ralf Fischbach. Das schöne Gefühl wieder spielen zu dürfen habe aber überwogen. „Wir haben den Applaus genossen“, sagt Heike Roth.

Der Verein hat Federn gelassen. Nicht nur am Hut der Uniform beim letzten Auftritt, sondern auch im Vereinsleben. Zwei Jahre durften sie sich nicht präsentieren, nur unter strengen Auflagen üben. Zehn Aktive im Hauptzug und 20 Jungen und Mädchen bei den Rotjacken-Kidz sind in der Zwischenzeit abgesprungen. „Die Kinder, die meistens noch nicht lange dabei sind, waren am schwersten zu halten“, sagt Heike Roth. Während die älteren Mitglieder über Whatsapp-Gruppen und Videokonferenzen versuchten, das Vereinsleben aufrechtzuerhalten, konnte man für die Kinder meistens nur Einzelübungsstunden anbieten. „Zwei Jahre sind für Kinder aber eine unheimlich lange Zeit“, sagt Roth.

Jetzt sollen wieder regelmäßige Trainingsstunden stattfinden. So hofft Ralf Fischbach und sein Vorstandsteam wieder den Nachwuchs zu begeistern. Die ersten Auftritte sind auch schon eingeplant. Im Mai gibt es das Frühlingskonzert auf dem Brauereihof, Anfang Juli wahrscheinlich das Johannisfest. Weitere Kirmessen stehen im Terminkalender. „Nur wenn wir auftreten, können wir neue Musiker für unseren Verein begeistern“, sagt Fischbach. Freitags wird um 19.30 Uhr in der Sporthalle in Oberdünzebach für die Choreografien geprobt, im Rotjackentreff in der Kniegasse die Instrumente. Neulinge und Rückkehrer seien jederzeit willkommen.

FMZ Frankershausen

Normalerweise würde der Fanfaren- und Musikzug Frankershausen (FMZ) 25 bis 30 Auftritte pro Jahr absolvieren. Während der vergangenen zwei Pandemiejahre war es laut dem ersten Vorsitzenden Dirk Schäfer schwer, Proben oder Auftritte umzusetzen. „Für uns war es eine harte Zeit“, sagt Schäfer. Vor jeder Probe testeten sie sich in Zusammenarbeit mit der Arztpraxis Hossbach. Bürgermeister Friedel Lenze segnete die Proben rechtlich ab. „Trotzdem war die Teilnahmebereitschaft niedrig“, berichtet Schäfer.

Alledings gäbe es auch positive Dinge zu berichten: Die Konzertfahrt nach Österreich oder die Auftritte beispielsweise beim Brunnenfest in Bad Sooden-Allendorf oder beim Johannisfest in Eschwege gehörten dazu. Auch im Jugendbereich sei man gut aufgestellt.

Landsknechte Sontra

In den vergangenen zwei Jahren waren die Auftrittsmöglichkeiten, bedingt durch die Coronapandemie, sehr eingeschränkt, in diesem Jahr hat der Landsknechtsfanfarenzug Sontra bereits an einem ersten großen Festumzug teilgenommen. Am vergangenen Samstag haben sie an dem Festumzug im Rahmen des Sommergewinns in Eisenach teilgenommen. „Das war der erste große Auftritt seit zwei Jahren“, berichtet Marco Karges, zweiter Vorsitzender des Vereins. „Natürlich waren wir nach der langen Zeit, in der es viele Einschränkungen und nur seltene Gelegenheiten gab, bei denen wir spielen konnten, begeistert.“

Der Sommergewinn ist Thüringens größtes Volksfest. Am Samstag waren laut Polizei rund 20 000 Menschen anwesend, die den Festumzug anschauten.

Der Verein hat während der Pandemie Stefan Ziemann als ersten und Marco Karges als zweiten Vereinsvorsitzenden gewählt. Außerdem wurde die Online-Präsenz durch eine neue Website sowie eine neu gestaltete Facebook-Seite verbessert. Für dieses Jahr seien neben kleineren Ständchen schon mehrere Auftritte in Planung, u.a. beim Breitwiesn-Fest in Sontra, auf dem Wichtelfest in Reichensachsen und dem Strandfest in Rotenburg an der Fulda.

Fanfarenzug Wanfried

Die erste Vorsitzende Michaela Fiege wurde kurz vor Beginn der Coronazeit in ihr Amt gewählt. „Während der Pandemie fanden die Proben im Freien statt“, sagt Fiege. „Aber seit September können wir endlich wieder in der Erich-Schröder-Halle proben.“ Festumzüge habe es keine gegeben, lediglich kleine Ständchen wurden gespielt. Die für dieses Jahr geplanten Auftritte seien nicht fix. Trotzdem blicke man positiv in die Zukunft. „Es waren zwei sehr turbulente Jahre“, sagt Fiege. „Aber wir sind voller Zuversicht und Vorfreude, dass es dieses Jahr besser wird.“

Marchingband

Hart erwischt hat es die Marchingband Dietemann aus Eschwege. „Wir nehmen erst mal keine Auftritte für dieses Jahr an“, erzählt Vorsitzende Steffi Nölke. Einige Musiker sind während der Pandemie abgesprungen, viele Übungsstunden sind ausgefallen. Seit November gab es keine Proben mehr. „Wir fangen praktisch wieder von vorne an und das braucht Zeit“, sagt Nölke.

Eine Handvoll Aktive haben in den vergangenen Monaten ihren Abschied verkündet. Rund 15 Bläser und Trommler gehören jetzt zur Stammbesetzung. „20, besser 25 Musiker brauchen wir aber, um unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.“ Eigene Ansprüche bedeutet, fünf- oder sechsstimmig zu spielen. Dafür braucht es Bläser, die momentan fehlen, während es bei den Percussions nach wie vor gut aussieht. Für Trompete, Posaune, Bariton oder Horn werden noch Mitstreiter gesucht. Nächste Woche beginnen die Proben am Oberstufengymnasium in Eschwege wieder.

Wer mitmachen möchte, meldet sich bei Steffi Nölke unter 0 56 51/3 33 20 14 oder musik@eschwegertsv.de. „Vorkenntnisse sind nicht nötig, Instrumente stellen wir.“ (Tobias Stück und Marius Gogolla)

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