Kinder, Senioren und Kranke besonders betroffen

Trinken, Kühlen und leichtes Essen: So sollte man sich bei Hitze verhalten

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Viel zu trinken, ist bei heißem Wetter besonders wichtig.

Nach den kühlen Tagen in den vergangenen Wochen werden ab Montag wieder Temperaturen über 30 Grad erwartet. Der Eschweger Mediziner Philipp Siebrasse beantwortet Fragen zu dem Thema.

Hitze bietet nicht nur ideale Voraussetzungen für einen Tag im Freibad, sondern kann auch gesundheitliche Auswirkungen haben.

Welche Folgen können die hohen Temperaturen für mein Wohlbefinden haben?

Die Wärmeregulation des Körpers über das Blut kann nicht mehr richtig funktionieren, wenn die Umgebungstemperatur hoch ist. Die Körperoberfläche erwärmt sich ebenfalls. Trotzdem versucht der Körper alles, um die Kerntemperatur gleich zu halten: Der Blutdruck steigt, denn das Blut soll die Wärme abtransportieren, und der Körper schwitzt – dadurch entsteht Verdunstungskälte. 

Genau diese beiden Dinge – hoher Blutdruck und Flüssigkeitsverlust – machen vielen zu schaffen. Es kann zur Überhitzung oder auch zum Hitzschlag kommen. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, allgemeine Kreislaufprobleme oder sogar ein Kreislaufkollaps können die Folgen sein, macht Siebrasse deutlich.

Wer ist besonders betroffen?

Kinder, Senioren und gesundheitlich geschwächte Menschen müssen bei Hitze besonders aufpassen.

Was kann ich tun, damit ich die Extremtemperaturen gut überstehe?

„Wer unter starken Kreislaufproblemen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen“, rät Siebrasse. Ansonsten gilt: Viel Wasser trinken, Salz und Mineralien zu sich nehmen, denn durch das Schwitzen verliert der Körper jede Menge Salz. Brühe oder Salzgebäck ersetzen es wieder. Ruhe im Schatten, eine kühle Dusche oder eine Abkühlung der Unterarme und Füße unter kaltem Wasser sowie nasse Haare können ebenfalls die Körpertemperatur senken und den Kreislauf auf Vordermann bringen. Helle und locker sitzende Kleidung gehört auch zu den vorbeugenden Maßnahmen.

Und eine kalte Dusche?

Bei der kalten Dusche ist Vorsicht geboten: Wer eiskalt duscht, regt seinen Kreislauf schockartig derart an, dass es zu Problemen kommen kann – und schwitzt hinterher umso mehr, denn die kalte Dusche am heißen Tag treibt den Blutdruck in die Höhe. Besser ist es, lauwarm zu duschen. Hitzegeplagte erfrischen sich gut mit einem feuchten Tuch auf der Stirn oder indem sie kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen.

Eis und kalte Getränke helfen doch jetzt besonders gut, oder?

Wer viel schwitzt, muss unbedingt viel trinken. Das Getränk der ersten Wahl ist Wasser. Auch mit Wasser verdünnte Fruchtsäfte füllen die Reserven wieder auf. Besonders ältere Menschen sollten sich ständig an das Trinken erinnern, da im Alter das Bedürfnis nach Flüssigkeit häufig abnimmt. Wer das Trinken oft vergisst, sollte sich gleich morgens zwei Liter Wasser oder Saft an verschiedene Orte in der Wohnung stellen. Beim Vorbeikommen erinnern die Getränke daran, einen Schluck zu nehmen. 

Wer sich mit einem Eis oder einem kalten Getränk erfrischen möchte, riskiert eventuell Kopfschmerzen: Den Temperaturunterschied von kaltem Eis im Mund eines hoch erhitzen Körpers vertragen einige Menschen nicht gut, weil sich die Blutgefäße von dem kalten Eis schlagartig verengen. Empfindliche Personen sollten die Temperatur-Achterbahn vermeiden.

Was sollte ich denn bei heißen Temperaturen zu mir nehmen?

Natürlich viel Flüssigkeit. Aber auch die Nahrungsaufnahme ist eine andere. Beim Essen gilt: keine schwere und fette Kost, sondern besser mehrere kleine und leichte Mahlzeiten mit viel Obst, Salat und Gemüse, rät Siebrasse. 

Beim Einkaufen am besten eine Kühltasche mitnehmen, damit leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch oder Milch den Weg nach Hause gut überstehen. Zu Hause sollten möglichst auch heimische Obst- und Gemüsesorten in den Kühlschrank. Sie werden bei hohen Temperaturen sonst schnell schlecht.

Klimaanlagen im Büro und im Auto sind doch jetzt optimal, oder?

Klimaanlagen sollten nicht so kühl eingestellt werden, dass man sich eine Jacke oder einen Pullover überziehen muss. Der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen ist dann viel zu groß. Der erste Schritt an die Luft kann für den Kreislauf mehr als beschwerlich werden. 

Das Gleiche gilt für Klimaanlagen im Auto. Autofahrer sitzen längere Zeit in der gleichen Haltung vor dem Luftzug aus dem Klimaschlitz. Das kann zu Muskelverspannungen oder auch einer Bindehautentzündung führen.

Ich schlafe unter dem Dach und halte die Hitze nicht aus. Was kann ich machen?

Auch im Schlafzimmer sollten die Fenster tagsüber geschlossen bleiben. Vor dem Zubettgehen einmal kräftig durchlüften, in der Nacht die Fenster nur kippen, da die Zugluft zu Verspannungen führen kann. Um das Raumklima zu verbessern, kann man ein nasses Laken vor das Fenster hängen, so Siebrasse. 

Auch bei hohen Temperaturen sollte man sich zudecken und nicht nackt schlafen, sonst droht eine Erkältung. Statt einer Decke reicht ein dünnes Laken. Wer mag, legt es vor dem Schlafen in die Kühltruhe. Das erfrischt den Körper. Auf keinen Fall sollte man Schlafmittel nehmen, denn die belasten den Kreislauf zusätzlich.

Wie sieht es in diesen Tagen mit Sport aus?

Ganz auf Bewegung zu verzichten, ist ebenso wenig angesagt – schließlich bringt Bewegung unseren Kreislauf auf Touren. Wer an heißen Tagen nicht auf Bewegung, zum Beispiel in Form von Walken oder Joggen, verzichten möchte, sollte dies für die frühen Morgenstunden einplanen, wenn die Luft noch kühl und frisch ist. 

Empfehlenswert sind Spaziergänge im Wald oder eine kleine Fahrradtour, bei der einem der Fahrtwind erfrischend um die Nase weht. Insbesondere in der Mittagszeit ist Sport für Herz und Kreislauf zu belastend. Dasselbe gilt für schwere körperliche Arbeiten.

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