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„War nie der Kirchgänger“: So werden Pfarrer heute ausgebildet

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Von: Konstantin Mennecke

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Ein multifunktionaler Arbeitsplatz: Vikar Dominik Teminski in der Kirche Hundelshausen, die aktuell noch als Kino dient, ab dem Sommer aber weiter umgebaut wird.
Ein multifunktionaler Arbeitsplatz: Vikar Dominik Teminski in der Kirche Hundelshausen, die aktuell noch als Kino dient, ab dem Sommer aber weiter umgebaut wird. © Konstantin Mennecke

Hundelshausen – „Ich wollte eigentlich nie Pfarrer werden und hatte mich um ein Jura-Studium beworben“, sagt Vikar Dominik Teminski über seinen ungewöhnlichen Werdegang. Er ist einer von elf Vikaren, die in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck aktuell ein neues, zukunftsgewandtes Vikariat absolvieren.

Ursprünglich wollte der 38-Jährige mit dem mindestens zehn Semester dauernden Jura-Studium viel über Rechtswissenschaften lernen. Von diesem Weg ist er aber abgekommen, als er sich für den Zivildienst entschied und diesen dann in einer Evangelischen Jugend absolvierte. „Theologische Fragen haben mich schon immer interessiert, ich war aber nie der klassische Kirchgänger“, sagt Teminski im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Kontakt mit Pfarrern hat ihn dann neugierig auf den Beruf gemacht, der die Menschen von der Geburt bis zum Tod begleitet.

Das Theologie-Studium selbst habe mit dem späteren Beruf wenig zu tun. „Es ist aber unverzichtbar, Hebräisch, Griechisch und Latein zu lernen, um die Texte mit ihren Wörtern in der Sinnhaftigkeit zu verstehen“, erklärt der Vikar. Zehn Semester dauert das Theologiestudium, zwei Semester sind zum Sprachenlernen vorgesehen. Das ist ähnlich lang wie ein Medizinstudium, allerdings benötige man diese Zeit auch. „Man muss selber reifen, um als Pfarrer anderen Menschen überhaupt etwas vom Sinn des Lebens erzählen zu können“, sagt Dominik Teminski.

Diese Zeit hat sich Teminski auch genommen. 2005 hat er mit dem Grundstudium in Marburg begonnen und ist dann nach Göttingen gewechselt. Dort hat der engagierte junge Mann sich selbstständig gemacht, Studiengruppen geleitet, Erasmus-Studenten, also Teilnehmende am europäischen Austauschprogramm für Studenten, unterstützt und Veranstaltungen organisiert.

Ausgerüstet mit diesem Wissen und auch diesen Erfahrungen ging es dann in das 21-monatige Vikariat, das seit September 2020 unter dem Motto „elementar und flexibel“ steht.

Die Grundsäulen der Ausbildung stellen „Gemeinschaftlich feiern“, beispielsweise mit einem Taufgottesdienst, das „Helfen zum Leben“ mit Blick auf diakonische Angebote und „Lehren und Lernen“ beispielsweise in Konfirmanden-Freizeiten. „Wie funktioniert ein Gottesdienst, was sind seelsorgerische Aufgaben, das alles lernen wir in Theorie und Praxis“, erklärt Teminski. Dafür haben die Vikare einen ihnen zugeteilten Mentor.

Zu der Ausbildung gehören vielfältige Aufgaben, unter anderem auch der Religionsunterricht, den Dominik Teminski in der Grundschule in Hundelshausen hält. Auch hier werden die Leistungen in Form einer Lehrprobe überprüft.

In einer Spiritualitätswoche in einem katholischen Kloster hat Teminski zudem Übungen gelernt, um zu Gott zu finden. „Eine Beziehung aufzubauen, sich mit jemandem anzufreunden, ist Arbeit. Das gilt auch für die Beziehung zu Gott. Wie das geht, kann man in keinem Buch nachlesen, das muss wachsen und braucht Zeit“, betont der Vikar.

Diese Zeit hat er – seine Ordination findet im Frühjahr 2023 statt.

Von Konstantin Mennecke

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