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So werden Vögel bei Kälte richtig gefüttert

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Von: Emily Spanel

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Für das Naturerleben von Kindern und Erwachsenen hat die Vogelfütterung im WInter eine hohe, manchmal sogar eine therapeutische Bedeutung – etwa, wenn ältere oder einsame Menschen die Vögel beobachten können. Auf unserem Bild sind Bergfinken zu sehen.
Für das Naturerleben von Kindern und Erwachsenen hat die Vogelfütterung im WInter eine hohe, manchmal sogar eine therapeutische Bedeutung – etwa, wenn ältere oder einsame Menschen die Vögel beobachten können. Auf unserem Bild sind Bergfinken zu sehen. © Maik Sommerhage/nh

Das Futterhäuschen im Garten oder Meisenknödel auf dem Balkon: Für viele Vogelfreunde gehört das genauso zum Winter wie Schnee und Schlittenfahren.

Werra-Meißner – Wer Wildvögeln helfen will, sollte auf das richtige Futter und einen sauberen Futterplatz achten.

Ein Spatz flattert zum Futterplatz, die Drossel hat den bereitgelegten Apfel entdeckt. Nicht nur Kinder haben Spaß daran, die Wildvögel aus nächster Nähe zu beobachten. Die Winterfütterung ist für viele Menschen die erste oder sogar einzige Möglichkeit, mit der Natur unmittelbar in Kontakt zu kommen. Und viele Vögel nehmen den zusätzlichen Snack im Winter dankbar an, ist er doch eine willkommene Ergänzung ihres mageren Speisezettels.

„Die Vogelfütterung ist in erster Linie ein Naturerlebnis“, bekräftigt Maik Sommerhage, Fachexperte für Ornithologie und Vogelschutz beim Nabu (Naturschutzbund) Hessen. „Aus Naturschutzsicht wichtig wird das Füttern bei geschlossener Schneedecke; dann, wenn die Vögel nicht mehr an ihre Nahrung kommen.“

In der Diskussion freilich stehe die Fütterung der Singvögel seit Jahren, weiß Maik Sommerhage. „Während einige besonders strenge Naturschützer das Füttern von Vögeln als menschlichen Eingriff in die Natur vollständig ablehnen und ausschließlich auf Lebensraumverbesserung, zum Beispiel das Anpflanzen von Beerensträuchern, setzen, gibt es ernst zunehmende Ornithologen wie Prof. Berthold, den ehemaligen Leiter der Vogelwarte Radolfzell, der konsequent für eine Ganzjahresfütterung plädiert“, führt der Eschweger Naturschützer Dr. Jörg Brauneis aus.

Eine Fütterung erscheint auf jeden Fall im Winter bei strengem Frost, Schneelagen und Eisregen sehr sinnvoll. Da die Vögel die Futterstellen in diesen Notsituationen aber schon kennen müssen, ist es angeraten, im Spätherbst mit einem geringeren Futterangebot zu starten. „Und wer möchte, kann sogar das ganze Jahr über füttern“, sagt Dr. Jörg Brauneis.

Von größter Bedeutung ist die Auswahl des Futters. Meisen und Sperlinge zum Beispiel fressen gerne Sonnenblumenkerne, Spechte Erdnüsse und Rotkehlchen Rosinen. Amseln bevorzugen Haferflocken und Äpfel, Elstern Maiskörner.

Auch spezielles proteinreiches Futter für Insektenfresser gibt es mittlerweile im Fachhandel. „Insofern werden umso mehr Vogelarten angelockt, desto größer das Angebot ist“, sagt Maik Sommerhage. „Wichtig ist, dass Körnerfutter frei von den allergieauslösenden Ambrosia-Samen sein muss“, ergänzt Dr. Jörg Brauneis.

Bei der Ganzjahresfütterung ist vor allem von April bis August Obacht geboten. „Das übliche Wintervogelfutter kann nämlich schädlich für Jungvögel sein“, erklärt Maik Sommerhage. Diese werden von ihren Eltern in den ersten Wochen ausschließlich mit frischen, proteinreichen Insekten gefüttert. An großen Erdnuss-Bruchstücken oder ganzen Sonnenblumenkernen können Jungvögel ersticken. Fettreiches Futter ist für sie schwer zu verdauen.

„Daher gilt für diese Zeit: Kein Fettfutter, keine Erdnüsse (ganz oder als Bruch) und möglichst keine Sonnenblumenkerne. Stattdessen möglichst kleine, fettarme Sämereien von heimischen Wildkräutern, Insektenfutter frisch oder tiefgefroren, möglichst nicht getrocknet. Und am besten, wenn man einen eigenen Garten besitzt, ist das naturnahe Gärtnern – dadurch werden Insekten gefördert.“

Die Hygiene ist beim Vogelfüttern das A und O. In feuchtem oder verschmutztem Futter können sich Krankheitskeime ausbreiten und den Tieren schaden. Ein Futterspender beispielsweise verhindert, dass Vögel Kotspuren im Futter hinterlassen. Allerdings können auch Futterhäuschen genutzt werden, diese sollten aber – ähnlich wie etwa Vogeltränken im Sommer – regelmäßig gesäubert werden.

„Der ideale Futterplatz hat von allen Seiten einen freien Anflug“, empfiehlt Dr. Jörg Brauneis. So können sich Feinde, wie etwa Katzen, nicht unbemerkt nähern. Der Futterplatz sollte aber auch eine dichte Hecke, etwa Liguster, als Fluchtpunkt in der Nähe haben, wenn zum Beispiel der Sperber kommt.

Auch Nisthilfen im Garten leisten sinnvolle Dienste. Man kann sie selbst bauen, aber auch sehr gut kaufen. Sie sind so anzubringen, dass Feinde wie Katzen, Marder oder Waschbären sie nicht erreichen können. Weiterhin sollten sie nicht in der prallen Sonne hängen; das Flugloch muss nach Osten weisen. „Die klassischen Meisenkästen sollten alljährlich im Winterhalbjahr gesäubert werden, da zum Beispiel Blau- und Kohlmeisen jedes Jahr aufs Neue ein Nest bauen wollen“, sagt Maik Sommerhage.

Leider weisen zahlreiche Vogelarten Bestandsrückgänge auf. „Es gibt viele verschiedene Todesursachen für Vögel, wie Beutegreifer und Windräder“, warnen die Experten. Untersuchungen zeigten, dass nicht genug Jungvögel großgezogen werden.

Das passiert, wenn Vögel keinen geeigneten Lebensraum und nicht mehr genügend Nahrung finden. Um das Insektensterben zu bekämpfen, muss sich viel tun – EU-weit und auf Bundesebene. Gleichzeitig kann jeder im kleinen Rahmen mithelfen und seinen Anteil leisten: naturnah gärtnern, regional einkaufen und vermehrt auf Bioprodukte setzen. (Von Emily Hartmann)

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