Solidarität unter Kollegen

Örtliche Bäckereien helfen sich nach Quarantänefall gegenseitig

Ein Mann, eine Frau und ein Kind stehen in einer Backstube.
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In der Backstube der Bäckerei Hufgard stehen die Maschinen still: Verkaufsfahrer Dieter Auffenberg und Juniorchefin Sabrina Hartmann (mit Sohn Maximilian) haben den Betrieb in diesen Tagen aufrecht erhalten.

Die Bäckerei Hufgard bekommt nach einem Quarantänefall Unterstützung von anderen Bäckereien.

Eschwege – Für Bodo Zeuch und seine Familie war der Schock am Gründonnerstag groß. Alle sieben Mitarbeiter aus der Produktion der Bäckerei Hufgard mussten sich auf Anweisung des Gesundheitsamtes unverzüglich in Quarantäne begeben. Eine Mitarbeiterin hatte sich mit dem Coronavirus angesteckt. Lediglich Tochter Sabrina Hartmann und der Fahrer des Verkaufswagens Dieter Auffenberg standen noch zur Verfügung, weil sie keinen direkten Kontakt zu den anderen Mitarbeitern hatten. In der Not griffen zwei andere Bäckereien der Bäckerei Hufgard unter die Arme.

Das Ladenlokal in der Neustadt musste Bodo Zeuch zwar schließen, die Bäckerei unterhält aber zahlreiche andere Lieferverträge für Unternehmen. Die Bundespolizei, mehrere Seniorenheime oder die Werraland Lebenswelten beziehen beispielsweise Brot, Brötchen oder Kuchen von dem Familienunternehmen. Die Produktion musste also weitergehen. Die Bäckereien Wolf aus Eschwege und Bechthold-Stange aus Hoheneiche sprangen kurzfristig ein.

Nachbarschaftshilfe bei den Bäckern

Konditormeister Klaus Wolf.

Die Schließung der Produktionsstätte kam zur Unzeit für Inhaber Bodo Zeuch. Am Gründonnerstag wurden die letzten Backwaren für Ostern vorproduziert, an den folgenden Ostertagen sollte noch frisch gebacken werden. Für Wolf und Stange war es selbstverständlich, kurzfristig einzuspringen. „Der Bäcker von nebenan ist für uns keine Konkurrenz, sondern ein Mitbewerber“, sagen sowohl Martin Stange als auch Klaus Wolf. Konkurrenten seien große Ketten und Produzenten für den Discounter. Die Bäckereien Wolf und Hufgard bestehen ohnehin seit mehr als einem Jahrhundert in räumlicher Distanz von nur 200 Metern friedlich nebeneinander. Seit Jahren ist der Kontakt gut. Wenn Rohstoffe oder Backzutaten kurzfristig fehlen, hilft man sich auch mal aus. „Wir haben gerne geholfen, wenn bei einem Kollegen der schlimmste Fall eintritt, den man sich selbst niemals wünscht“, sagt Klaus Wolf. Nach dem Osterfest hat die Bäckerei aus der Wallgasse in Eschwege für Hufgard mitgebacken. Nicht nach den Rezepturen des Mitbewerbers, aber das klassische Sortiment wurde aufgefangen. Das Weißbrot wurde etwas größer, ein Leinsamenbrot extra gebacken. „Wir waren flexibel, haben unsere Kapazität erhöht und ein wenig früher angefangen“, erklärt Wolf.

Innungsmeister Martin Stange.

Für die Ostertage hatte die Landbäckerei Bechthold-Stange aus Hoheneiche ausgeholfen. „Das war ein reiner Solidargedanke“, sagt Martin Stange, der als Innungsmeister auch eine besondere Verantwortung verspürt. Immer mal wieder komme es zu Ausfällen in der Produktion, wenn in kleineren Betrieben Mitarbeiter ausfielen oder die Technik versage. „Dann ist es wichtig, wenn man sich auf seine Innungskollegen verlassen kann.“

Die wichtigsten Lieferabkommen konnte Hufgard einhalten und Bodo und Iris Zeuch dankten den Kollegen für die spontane Hilfe. Traurig sind sie dennoch. Einiges an vorproduzierter Ware musste weggeworfen werden, weil es über die Feiertage keine Abnehmer fand. Einiges konnten sie kurzfristig noch an das Deutsche Rote Kreuz oder die Werraland Lebenswelten verschenken. Am 9. April endet die Quarantäne, am 10. April ist wieder geöffnet. „Ab 0.01 Uhr wird mein Vater dann wieder in der Backstube stehen.“ Tobias Stück

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