Afghanischer Flüchtling ist bei Brandschützern in Sontra aktiv

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In seinem Element: Abdul-Karim Rajaby hat Spaß am Engagement bei der Feuerwehr gefunden.

Hornel. Ein Flüchtling in der aktiven Einsatzabteilung einer kleinen Dorffeuerwehr: Klingt etwas komisch, ist aber in dem kleinen Sontraer Stadtteil Hornel Realität.

Der 25-jährige Afghane Abdul-Karim Rajaby ist bei fast jeder Übung der Brandschützer dabei. Die wollen ihn jetzt mit dem Ziel aufbauen, dass er 2019 den Grundlehrgang absolviert.

Im Frühherbst 2015 nach Deutschland gekommen, hat es Rajaby über Stationen in Gießen, Neustadt und Eschwege im November des Jahres in die Gemeinschaftsunterkunft nach Hornel verschlagen. „Ich habe ihn dann mal mit zum Fußball und zur Feuerwehr genommen, weil sich sonst nicht viele Leute um ihn gekümmert haben“, erzählt Christoph Bierwirth aus Hornel, der sowohl bei der Feuerwehr als auch im Vorstand der SG Sontra mitmischt. „Ich habe Spaß daran gefunden. Hier sind viele junge Leute, mit denen ich Kontakte geknüpft habe und die jetzt meine Freunde sind“, sagt Rajaby selbst. Mittlerweile versteht er so gut deutsch, dass er sich im Alltag ganz ordentlich zurechtfindet. „Aber wegen der sprachlichen Schwierigkeiten angesichts der Fachbegriffe in der Feuerwehr müssen wir bis zum Grundlehrgang noch etwas warten“, so Wehrführer Oliver Fajga. Bei den Übungsabenden wirbelt der Afghane aber schon fleißig mit.

„Hier in Deutschland hilft die Regierung den Menschen und auch uns Flüchtlingen. Dafür bin ich dankbar und will jetzt übers Ehrenamt bei der Feuerwehr im Gegenzug der Regierung helfen“, schildert Abdul-Karim Rajaby seine Motivation, sich bei den Brandschützern einzubringen. Ihm gefällt ebenso der kameradschaftliche Aspekt.

Unzufrieden ist der junge Mann indes mit seiner beruflichen Situation. In Afghanistan war er Journalist für Radio und Fernsehen, in Deutschland hängt er derzeit in Sprachkursen und Praktika fest. „Es ist letztlich immer an dem Einverständnis von Behörden gescheitert. Wir waren mehrfach kurz davor, dass Karim einen Ausbildungsvertrag unterschreibt“, berichtet Hornels Ortsvorsteher Martin Hollstein, der den jungen Mann unterstützt. Er kritisiert zudem, dass die Integrationskurse für ihn nicht dauerhaft bereitgestellt werden. „So ist er weiter vom Status her Asylsuchender und könnte jederzeit abgeschoben werden“, so Hollstein. Und das, obwohl er bestens integriert sei. „In die Dorfgemeinschaft, die Feuerwehr und den Turnverein.“

Abdul-Karim Rajaby musste laut seiner Aussage fliehen, weil er wegen seiner journalistischen Arbeit von Regierung und Taliban bedroht wurde. Hier will er sich nun ein neues Leben aufbauen. Mittlerweile lebt der 25-Jährige in einer Gemeinschaftsunterkunft in Sontra, hat aber immer noch eine enge Bindung zu Hornel - besonders, aber nicht ausschließlich, zur Feuerwehr.

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