Ein Neubürger mit Biss

Ausgesetzte Schildkröte lebt jetzt in Wildtierauffangstation in Sontra

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Der Schein trügt: Die Schnappschildkröte in der Wildtierauffangstation Sontra sieht zwar gemütlich aus, kann aber mit ihrem langen Hals den Kopf blitzschnell aus dem Panzer fahren und zubeißen.

Sontra. Die bei Bebra ausgesetzte Schnappschildkröte lebt jetzt in der Wildtierauffangstation in Sontra. Zum Anfassen ist sie nicht - das Tier ist gefährlich.

In Bruchteilen einer Sekunde schnellt ihr Kopf aus dem Panzer. Der Hals ist plötzlich genauso lang wie der restliche Körper. Und sie beißt zu, die Schnappschildkröte in der Wildtierauffangstation Sontra – glücklicherweise nur in die Luft, weil sie wenig Lust auf ein Foto-Shooting mit dem Zeitungsreporter vor ihr hat.

„Finger weglassen“, antwortet der Chef der Einrichtung, Peter Wischnewski, auf die Frage, was es bei der Arbeit mit einem solchen Tier zu beachten gibt. „Die haben schon ganz schön Power und können richtig was kaputt machen“, erklärt er. Deswegen fasst Wischnewski sie auch nur am hinteren Ende ihres Panzers an. „Denn bis zur Mitte kommt sie mit dem Hals noch rückwärts rum.“

Vor ein paar Tagen haben Privatleute die 40 Zentimeter lange (ausgewachsen wären es 60) Schnappschildkröte am Straßenrand nahe Bebra gefunden (wir berichteten). Wie bedrohlich die Situation für sie war, erfuhren die Finder erst später. Nämlich dann, als der Bad Hersfelder Tierheimleiter Andreas Rümmler ihre Entdeckung zu sehen bekam. Weil das Reptil zu gefährlich für ein Leben im Tierheim ist, ging es weiter nach Sontra. Außerdem schreibt das Gesetz vor, die Schildkröte artgerecht bei Experten unterzubringen.

Jetzt hat Peter Wischnewski neben giftigen Schlangen, Kängurus und vielen weiteren exotischen Lebewesen auch noch dieses bissige Tier zu Gast. Aber nicht lange, denn bald zieht die Schnappschildkröte um in eine Partnerstation in Nordrhein-Westfalen. „Die sind besser für diese Rasse eingerichtet, dort gibt es 40 davon“, sagt Wischnewski, der sich seit seinem elften Lebensjahr für Reptilien begeistert und sein Hobby unlängst zum Traumberuf gemacht hat. Schon seit sechs Jahren arbeitet er in Sontra.

„Weil Schnappschildkröten bis zu 80 Jahre alt werden können, Zoos sie nicht mehr aufnehmen wollen und private Tierfreunde sie nicht halten dürfen, werden wir wohl länger was von dem Reptil haben und es durchfüttern müssen“, erklärt der Experte. Er schätzt, dass das Tier, das eigentlich in Südamerika zu Hause ist und sich größtenteils von Fisch, Entenküken, „aber auch mal von kleinen Hunden“ ernährt, erst die Hälfte seines Lebens hinter sich gebracht hat. Ausgesetzt hätten es mit großer Wahrscheinlichkeit Privatleute, die es zuvor illegal bei sich untergebracht hatten.

Gefährlich ist übrigens nicht nur ein Biss der Schildkröte. Als Peter Wischnewski sie zurück in ihr Becken bringen will, kratzt sie ihn mit ihren Krallen. „Sehr, sehr unangenehmen“, sagt er mit schmerzverzerrtem Gesicht. Fallen lassen darf er sie in solch einem Moment aber natürlich nicht. Ein harter Job.

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