Mit bloßer Willenskraft

Von 190 auf 90 Kilo - Und das in nur einem Jahr

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Mit der alten Arbeitskleidung: Das Kollegenteam um die Leiterin des Seniorenzentrums Anette Schmidt (rechts) hat Dennis Langen beim Abnehmen unterstützt.

Sontra. Am Anfang stand ein Frühstücksbrötchen. Und eben nur eins und nicht vier oder fünf, wie er es sonst gewohnt war. „Jetzt reichts“, sagte Dennis Langen, schob seinen Teller weg und begann ein neues Leben. 

Dennis Langen bei seiner Hochzeit. 

Es reichte ihm mit all der Scham und all der Angst. Als sich der heute 33-Jährige nach vielen Jahren erstmals auf eine Waage traute, wog er 184 Kilo. „Ich habe einfach immer gerne gegessen“, sagt er, „zweimal täglich warm. Hauptsache, ich war war richtig satt, am Besten so, dass ich mich kaum noch bewegen konnte.“ Doch mit den Pfunden kamen viele Probleme. Der Auszubildende zur Pflegekraft im Awo-Seniorenzentrum in Sontra drückte sich um gemeinsame Termine mit seiner Frau. „Ich habe oft überlegt, was müssen die nur von ihr denken, dass die so einen Mann hat?“ 

Auf die Sommerrodelbahn traute sich der Vater zweier Töchter aus Cornberg nicht, aus Angst vor der Scham – falls der Gurt nicht passt. Hinzu kamen die gesundheitlichen Probleme. Als die Atemaussetzer in der Nacht immer länger werden, sucht seine Frau das Gespräch. „Sie hatte Angst um mich. Das ist ein Scheißgefühl. Ich wollte ja auch nicht, dass meine Kinder ohne mich aufwachsen müssen,“ sagt er.

Ein Jahr später ist Dennis Langen fit. Über die Hälfte seinen Gewichts hat er verloren, wiegt noch knapp über 90 Kilo. „Letztlich war mein Glück, dass mir eine Magenverkleinerung nicht bezahlt werden sollte“, sagt er. Abgenommen hat er dann mit purer Willensstärke.

Langen beginnt auf Nährwerte zu achten. Vergleicht Fettinhalte, bevorzugt Süßstoff statt Zucker. Als die ersten 30 Kilo weg sind, kauft er sich ein Fahrrad. „Die erste Fahrt war eine Tortur“, erinnert er sich, „das hat mich motiviert.“ Mehrfach lässt er seine Blutwerte kontrollieren und beginnt mit Kraftsport. Sein Umfeld bittet er, ganz normal weiterzuleben, ihm keine heile Welt vorzugaukeln und auf Dinge nicht zu verzichten. „Denn wenn man nicht in die Chipstüte greift, obwohl sie da vor einem liegt, ist das ein gutes Gefühl“, sagt er. Seine Lebensqualität habe sich massiv verbessert. Heute ist er bei Unternehmungen spontan, anstatt zu fragen: „Muss das jetzt wirklich sein?

Umgewöhnt hat sich Langen noch nicht in allen Bereichen. Im Kleidungsgeschäft steuert er noch ganz automatisch die Ecke mit den Übergrößen an. „Dabei bin ich jetzt bei Hosengröße 32/33 und nicht mehr bei 6XL.“ Seit vielen Jahren kann er jetzt wieder Kleidung kaufen, die ihm gefällt.

Motiviert hat ihn auch ein besonderer Wunsch. „Ich wollte immer mal Fallschirmspringen. Das Gefühl zu fliegen muss unbeschreiblich sein“, glaubt Langen. Für einen Sprung gilt aber die Obergrenze von 100 Kilo Körpergewicht. Seinen Willen belohnt jetzt sein Arbeitgeber, der den Sprung spendiert.

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