Durch Krise in die Krise

Banger Blick in die Zukunft: Bürgerhilfe Sontra in schwieriger Finanzsituation

Barbara Persch, die Vorsitzende der Bürgerhilfe Sontraer Land, im sogenannten Warenkorb: Normalerweise können sich Bedürftige Lebensmittel abholen, wegen der Pandemie fahren die Ehrenamtler das Essen derzeit aus.
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Barbara Persch, die Vorsitzende der Bürgerhilfe Sontraer Land, im sogenannten Warenkorb: Normalerweise können sich Bedürftige Lebensmittel abholen, wegen der Pandemie fahren die Ehrenamtler das Essen derzeit aus.

Die Kosten laufen weiter, die Einnahmen bleiben aus. Die Bürgerhilfe Sontraer Land steht durch die Coronakrise vor einer eigenen großen Krise. Drei Monate könnte es noch gutgehen.

Sontra – „Wenn es noch ein Vierteljahr so weitergeht, dann haben wir ein riesiges Problem“, sagt Barbara Persch, die Vorsitzende der Bürgerhilfe Sontraer Land. Denn auch an dem Verein, der auf die Unterstützung bedürftiger Menschen setzt und ein Bewusstsein für Not im unmittelbaren Umfeld schaffen möchte, geht die Coronapandemie nicht spurlos vorbei.

Seit er 2008 ins Leben gerufen wurde, trägt er sich neben unregelmäßigem Spendengeld weitestgehend selbst. Durch den seit Wochen andauernden Lockdown und die Schließung der beiden Ladengeschäfte ist dieses Finanzierungsmodell aber weggebrochen. Normalerweise kann in der Stoffwechselstube an der Niederstadt für eine kleine Spende Second-Hand-Kleidung erworben werden, in der Stöberecke an der Herrenstraße gibt es gegen einen Obolus Möbel, Dekoartikel, Spielzeug sowie Baby- und Kleinkinderbedarf.

Trotz der fehlenden Einnahmen müssen laufende Kosten wie die Miete oder der Unterhalt der beiden vereinseigenen Fahrzeuge bezahlt werden. Diese braucht der Verein, der in der Stadt binnen weniger Jahre zu einer echten sozialen Institution wurde, um seinen „Warenkorb“ aufrechtzuerhalten.

Denn an der Niederstadt werden Lebensmittel für Menschen ausgegeben, die an der Einkommensgrenze leben. Weil das wegen der Pandemie aber nicht möglich ist, fahren die ehrenamtlichen Mitarbeiter das Essen dreimal in der Woche aus. An 120 bis 140 Personen in der Kernstadt und den Stadtteilen wird geliefert. Laut Barbara Persch zählen alleinstehende Mütter genauso zur Zielgruppe wie Senioren.

Neben diesen Angeboten hat die Bürgerhilfe auch noch den „Blickpunkt“ an der Niederstadt eingerichtet. Er dient als sozialer Treffpunkt, beispielsweise beim Mittagessen, für Vorträge oder Spielkreise. „Dass das Angebot derzeit nicht möglich ist, ist sehr bedrückend“, sagt Persch. Vor allem ältere Menschen würden den Treffpunkt gerne nutzen, ihnen drohe derzeit in einem Alltag ohne Abwechslung die „totale Vereinsamung“.

Sich „gesundschrumpfen“ und von der Stöberecke und Stoffwechselstube zu trennen, um Kosten zu sparen, ist laut der Vorsitzenden nicht möglich. Man brauche eine breite Finanzierung, denn auch die Jahresbeiträge der rund 190 Vereinsmitglieder würden nur einmal im Jahr abgebucht werden. Stattdessen möchte der Verein die beiden Ladengeschäfte in den ehemaligen NKD-Räumen an der Niederstadt zusammenlegen. „Sicher kommt die Frage auf, wieso wir in größere Räume ziehen, obwohl wir kein Geld haben“, sagt Persch. Zum einen sei der Laden barrierefrei, zum anderen erhoffe man sich, längere Öffnungszeiten anbieten zu können und den einen oder anderen Sontraer dazu zu animieren, bei der Bürgerhilfe mitzumachen. Man habe zwar 190 Mitglieder, von denen würden aber nur rund 30 zu den Aktiven zählen.

Sollte man das Vereinsangebot letztlich verkleinern oder gar einstellen müssen, sei es so, als würde in Eschwege die Tafel oder in Hessisch Lichtenau die Arche wegbrechen, sagt Persch und ergänzt: „Das gibt ein totales Loch und würde gerade die Menschen treffen, die sowieso schon kein Geld haben.“

Kontakt: Wer die Bürgerhilfe unterstützen möchte, kann über die Tel. 0 56 53/9 17 82 81 oder mit einer E-Mail an info@buergerhilfe-sontra.de Kontakt aufnehmen. (Maurice Morth)

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