Naturschutz im Werra-Meißner-Kreis

Der letzte Freund der Orchideen: Helmut Siebert kartiert seltene Pflanzen

Helmut Siebert hält die letzten Vorkommen des Dreizähnigen Knabenkrautes im Kreis auf einer Karte fest.
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Helmut Siebert hält die letzten Vorkommen des Dreizähnigen Knabenkrautes im Kreis auf einer Karte fest.

Orchideen schützen, die in der freien Natur wachsen. Das hat sich ein Hobby-Botaniker auf die Fahne geschrieben. Wir trafen den Mann aus Breitau.

Breitau – Die Leidenschaft von Helmut Siebert ist die Natur im Werra-Meißner-Kreis, speziell die Fauna und Flora. Die liegt dem pensionierten Maurer- und Fliesenlegermeister am Herzen. Siebert ist seit 30 Jahren auf den Wiesen und Feldern unterwegs, um sich für den Erhalt von Magerrasen einzusetzen. Der ist unter anderem Lebensraum für Insekten und Orchideen, wie dem Dreizähnigen Knabenkraut.

Früher habe es zwei Dutzend Naturbegeisterte im Kreis gegeben, die sich für den Orchideenschutz einsetzten, heute sei er alleine. „Als ich angefangen habe, im Naturschutz zu helfen, habe ich nach der Sparte geschaut, die am wenigsten geschützt wird, und das waren die Pflanzen“, erinnert sich Siebert. Orchideen, die im Kreis in der Natur vorkommen, haben es ihm besonders angetan.

Der Frauenschuh ist eine große, schöne Orchidee, deshalb wurde sie seit Jahrhunderten ausgegraben und auf Märkten verkauft.

Helmut Siebert, Hobby-Botaniker

„Sie bergen so viele Geheimnisse“, begeistert sich der Hobby-Botaniker. So gingen Orchideen Symbiosen mit Pilzen ein und nutzten diese, um sich fortzupflanzen. Andere Orchideen lockten Insekten mit weiblichen Pheromonen ihrer Artgenossen an und transportierten die Pollen weiter – wie die Ragwurze. „Bei vielen Arten ist noch nicht abschließend geklärt, wie sie so etwas zustande bringen und wie ihre Lebensansprüche sind“, sagt der 70-Jährige.

Gerade weil die bunten Blumen nicht nur biologisch interessant sind, sondern auch hübsch anzusehen, sind viele Arten gefährdet oder bereits ausgerottet. Der Klimawandel schade der Biodiversität zusätzlich. „Der Frauenschuh ist eine große, schöne Orchidee, deshalb wurde sie seit Jahrhunderten ausgegraben und auf Märkten verkauft“, erklärt er.

„Die Leute wollten die Orchidee in ihren Gärten sehen und haben sie so in der Natur dezimiert.“ Weil die Pflanze nur in einem komplexen Ökosystem wachsen kann und in den meisten Gärten keine Umgebung wie im Wald herrsche, sei die Zahl der Frauenschuhe immer weiter zurückgegangen, sagt Siebert. „Heute ist der Frauenschuh nur noch in abgelegenen Bereichen zu finden.“

Wilde Orchideen

Das liege auch an der Dichte des Waldes, so der Hobby-Botaniker. Seit es in den Wäldern weniger Holzschlag gebe, fehle den Orchideen das Licht zum Wachsen und die Bestände gingen zurück. Nur 18 Orte, an denen Orchideen wachsen, seien im Kreis übrig geblieben. Damit diese geschützt wachsen können, arbeitet Siebert mit dem Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) zusammen, in dem er Mitglied ist.

Mit den Forstämtern, der hessischen Landesregierung und anderen Freiwilligen werden die Lebensräume der Orchideen im Kreis untersucht. „Ich schaue dann zum Beispiel, ob Begleitvegetation zurückgenommen werden muss, um mehr Licht für die Orchideen zu schaffen, und spreche mit Förstern.“

Um den Lebensraum der Orchideen zu erhalten, hat Siebert, mit anderen Naturschützern, auch selbst Initiative ergriffen und einen Naturschutzverein gegründet. „Wir haben kleine Flächen bei Witzenhausen gepachtet und wollten erforschen, wie man bestimmte Pflanzenarten erhalten kann.“ Das sei damals Neuland gewesen.

„Wir haben auch Fehler gemacht, aber daraus gelernt. Teilweise werden diese Fehler aber noch heute im Naturschutz gemacht“, sagt Siebert. Besonders mit Gülle gedüngte Wiesen, die regelmäßig gemäht werden, gäben der Artenvielfalt keine Chance. „Die sind toxisch und lebensfeindlich.“

Um das zu ändern, arbeitet er mit den Organisatoren des Bundesprogramms „Schaf schafft Landschaft“ zusammen. „Schafbeweidung ist unabdingbar, um den Magerrasen zu erhalten, und stellt Biodiversität sicher“, sagt Siebert. Das käme den Insekten- und Orchideenarten zugute. Statt mehrfacher Beweidung in Koppelhaltung fordert er Schafhaltung nach alter Tradition. Die Verantwortung für die Unterstützung der Schäfer sieht Siebert bei der Landespolitik.

Seine Ergebnisse über die Entwicklung der Orchideen fasst der 70-Jährige regelmäßig zusammen. Jetzt steht ihm sein bisher größtes Projekt bevor; die in den letzten 30 Jahren gesammelten Zahlen und Fundorte des Dreizähnigen Knabenkrautes will er zusammenfassen. „Dabei brauche ich bestimmt mal einen Winter lang Hilfe, um das alles in eine Exceltabelle zu übertragen.“

Jeden Tag ist er im Wald und auf den Wiesen unterwegs, um die Artenvielfalt zu schützen. Helmut Siebert wünscht sich, dass sich in Zukunft mehr Menschen im Kreis für die Natur vor ihrer Haustür starkmachen.

Mehr Informationen: tagfalterundorchideen-wmk-de.eu.

Von Kim Hornickel

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