Vom Büro in den Stall

Diana Gerlach als Landwirtin des Jahres nominiert – Unfall des Mannes war Auslöser

Hat die Rinder lieb gewonnen: Diana Gerlach aus Ulfen ist als Landwirtin des Jahres nominiert, ihr Mann Martin unterstützt sie trotz seines schweren Unfalls vor sieben Jahren, so gut er kann. Foto:  Künemund

Ulfen. „Bis 2010 war der Umgang mit den Viechern für mich Höchststrafe“, erinnert sich Diana Gerlach. Nur sieben Jahre später ist die Ulfenerin als Landwirtin des Jahres und in der Kategorie Fleischrinderhalter nominiert.

Dabei ist die 43-jährige vom Versicherungsgewerbe nur in die Landwirtschaft gewechselt, weil ihr Mann Martin einen lebensgefährlichen Unfall hatte. „Doch mittlerweile macht mir die Arbeit auch Spaß“, sagt sie.

Der Unfall

Am 31. August 2010 pumpte Martin Gerlach (heute 52) gerade den Reifen eines Anhängers auf. Plötzlich gab es einen Knall. Die zweigeteilte Felge riss unter Hochdruck auseinander und sprang aus dem Reifen. Sie schlug Gerlach den unteren Teil des Gesichts so weit ab, dass er nur noch über etwas Gewebe mit dem Kopf verbunden war. Die Felge zetrümmerte gleichzeitig den Unterkiefer, brach ihm mehrfach Arme sowie Hände und durchtrennte Sehnen. Er überlebte mit Glück.

Die Nachwirkungen

Dadurch fiel er in Sachen Arbeit im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb natürlich erst mal aus. „Einschneidendes Erlebnis war ein Besuch beim Zahnarzt in Sontra. Martin war dadurch schon schweißgebadet nach mehreren Wochen Krankenhaus und Reha, wollte aber auf dem Rückweg gerne seine Tiere sehen“, erzählt Diana Gerlach. Er habe sogar in Erwägung gezogen, über den Zaun zu springen und zu ihnen zu laufen. „In diesem Moment war mir klar: Ohne die Rinder kann er nicht leben“, sagt sie.

Der Berufswechsel

Schon vorher hat die 43-Jährige mit Unterstützung von Freunden, Verwandten und der Dorfbevölkerung übergangsweise die Arbeit auf dem Hof gemanagt. Doch dann fasste sie den Entschluss, ihren Job als Versicherungsfachfrau aufzugeben und die Landwirtschaft zu übernehmen. „Das war am Anfang schwierig. Ich wusste nichts über den Umgang mit den Tieren, habe teilweise Martin Fotos ins Rehazentrum geschickt und gefragt, wie ich diese oder jene Aufgabe löse“, berichtet Diana Gerlach. Doch sie hat sich reingefuchst. Ihr Mann stand dabei mit Rat und Tat als eine Art Ausbilder zur Seite. Heute schätzt sie an ihrer Tätigkeit die Arbeit im Freien und den Umgang mit den 80 Tieren, die sie lieb gewonnen hat.

Die Nominierung

Gewinnen kann die Ulfenerin auch nächsten Mittwoch bei der Galaveranstaltung „Nacht der Landwirtschaft“ in Berlin. Dort kann sie entweder den Titel der Landwirtin des Jahres oder den Sieg in der Kategorie Fleischrinderhalter abräumen. Dies entscheidet eine Fachjury. „Die kamen auf mich zu, weil sie meine Geschichte so überwältigend fanden. Mittlerweile haben wir sogar einen neuen Stall gebaut, auch Tierhaltung ist ihnen wichtig“, so Gerlach. Ihr Mann hilft wieder zwei Stunden am Tag mit. „Zur Ablenkung von den Schmerzen“, erklärt er. Die meiste Arbeit bleibt an Diana hängen. Doch: „Ich mache es gerne“, sagt sie.

Hintergrund

„Die Preisverleihung ist ein Branchentreff ersten Rangs, zu der die Veranstalter rund 350 Gäste erwarten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Seit vier Jahren würdige der Deutsche Landwirtschaftsverlag (DLV) mit dem sogenannten Ceres-Award Landwirte, „die Außergewöhnliches leisten und täglich nachhaltig für Mitmenschen, Tiere und Umwelt wirtschaften“. Neben einem Gesamtsieger werden Sieger in elf Einzelkategorien (zum Beispiel: Ackerbauer oder Biolandwirt) ausgelobt. Als Preisgeld winken dem Gesamtsieger 10 000 Euro für ein Projekt seiner Wahl, welches das Ansehen der Landwirtschaft fördert. Kategoriesieger bekommen 1000 Euro. 35 Finalisten sind nach 180 Bewerbungen übrig. Die Juroren besuchten für die finale Entscheidung die Höfe.

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