Haltestation auch in Nentershausen und Cornberg

Fehlende Hausärzte: Pilotprojekt Medibus ist Thema in ZDF-Reihe 37 Grad 

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Blick in das Innere der rollenden Hausarztpraxis: Dr. Matthias Roth (Foto) erläuterte beim Start des Pilotprojekts im Juni 2018 interessierten Bürgern die Ausstattung des Medibusses. Bei den Dreharbeiten des ZDF im Mai war er noch der verantwortliche Arzt im Bus. Ab 1. Juli hat Dr. Rainer Gareis diesen Job übernommen.

Nentershausen/Cornberg. Das Pilotprojekt Medibus wird am Dienstag bundesweit für Aufsehen sorgen: Die ZDF-Sendereihe „37 Grad“ beschäftigt sich mit dem Problem der fehlenden Hausärzte.  

Dabei wird der Medibus, die rollende Hausarztpraxis, die unter anderem in Nentershausen, Cornberg und Sontra Halt macht, ein zentraler Aspekt sein.

„Der klassische Hausarzt wird zum Auslaufmodell. Schon heute stehen in Deutschland Tausende Praxen leer. ,37˚‘ begleitet verzweifelte Patienten, überlastete Ärzte und ratlose Behörden“, heißt es beim ZDF zu dem Bericht.

Der Arzt arbeitet mit dem Medibus streng nach Fahrplan fünf Haltestellen ab. Wartezimmer, Labor und Behandlungsraum – eine rollende Praxis auf 20 Quadratmetern. „In der Medibus-Region fehlen inzwischen acht Hausärzte. Der Andrang müsste eigentlich riesig sein. Aber noch nehmen die meisten Patienten eher weite Wege und lange Wartezeiten in Kauf, um doch noch eine niedergelassene Praxis zu erreichen“, betont das ZDF in seiner Ankündigung. Der Medibus kämpfe um Akzeptanz. Die Patienten seien skeptisch. „Es gibt Sprechstunden, die nur von ein oder zwei Patienten besucht werden. Wird sich das Pilotprojekt durchsetzen können?“, fragt das ZDF.

„37˚“ berichtet außerdem über eine Landärztin im sächsischen Leuben, die ihre Praxis aus Altersgründen abgeben möchte, aber keinen Nachfolger findet. Thema ist auch ein Arzt aus dem nordrhein-westfälischen Plettenberg, der für die hausärztliche Versorgung von mehr als 4000 Kindern und Jugendlichen zuständig ist. Das Fazit des ZDF über den Bericht: Ein „37˚“-Film über engagierte Ärzte, die versuchen, den „Notfall Hausarzt“ zu retten.

Harsche Kritik vom Ortsvorsteher

Gedreht hat das ZDF-Team für den Beitrag auch in Nentershausen am 22. und 23. Mai. Interview-Partner war unter anderem Ortsvorsteher Kurt Gawletta. Bürgermeister Ralf Hilmes war aus gesundheitlichen Gründen verhindert. Gawletta sieht das Pilotprojekt kritisch und findet sehr deutliche Worte: „Der Medibus ist für mich die größte Verarschung der ländlichen Region, die ich je erlebt habe. Ich komme mir vor wie in Afrika. Da kommt der Arzt auch mit dem Bus.“Auch dem ZDF gegenüber habe er kein Blatt vor den Mund genommen, berichtet Gawletta.

„Wir brauchen hier in unserer Gemeinde eine hausärztliche Versorgung vor Ort, die für alle Bürger ausreicht. Wir hatten hier immer zwei Allgemeinmediziner. Und sie waren ausgelastet.“ Alle anderen Lösungen seien Notlösungen und inakzeptabel. Seit einigen Monaten gibt es nur noch eine Allgemeinmedizinerin in Nentershausen. Viele Patienten müssen weite Wege in Kauf nehmen, um zu einem Hausarzt zu gelangen.

Das ZDF-Team sprach in Nentershausen auch mit Patienten, die den Medibus nutzen. Die Nentershäuser seien sich einig, sagt Gawletta. Der Medibus sei besser als nichts. Aber eben nur eine Notlösung. Einen Hausarzt vor Ort könne und dürfe der Medibus auf keinen Fall ersetzen. 

Neuer Haltepunkt

Der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes hat dafür gesorgt, dass der Medibus seit Anfang August vor der Tannenberghalle hält, und nicht mehr am Marktplatz. Die Patienten können im Foyer der Halle warten, bis sie an der Reihe sind und die Toilette nutzen. Dort ist der Weg zum Bus kürzer als er es im „Wartezimmer“ im Rathaus war.

Sendetermin: Dienstag, 13. August, ZDF, „37˚“, Notfall Hausarzt – Praxissterben in Deutschland, 22.15 bis 22.45 Uhr.

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