Prozess vor dem Amtsgericht in Eschwege

Jäger richtet Waffe auf Hundebesitzer - Gericht stellt Verfahren ein

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand. (Symbolbild)
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Symbolbild: Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. (Symbolbild)

Einem Jäger aus Sontra wurde vorgeworfen, ein Ehepaar beleidigt und den Mann mit seinem Gewehr bedroht zu haben. Es stand Aussage gegen Aussage, das Gericht stellte das Verfahren ein.

Eschwege – Ins Gericht waren vier Zeugen geladen. Zu einem Urteil kam es jedoch nicht, denn das Gericht stellte das Verfahren ein, bevor die Zeugen angehört wurden.

Laut Anklage hat der Jäger das Ehepaar von seinem Hochsitz an einem Feldweg bei Sontra aus angeschrien und beleidigt. „Haut ab“, habe er gerufen, und drohte, die vier Hunde des Ehepaares zu erschießen. „Du Ratte, du Arschloch. Ich weiß wo du wohnst. Ich habe Freunde und wir besuchen dich“, las Oberamtsanwalt Andreas Wildung aus der Anklageschrift vor. Der Mann habe den Jäger zur Rede gestellt. Als der Mann fragte „Willst du mich auch erschießen?“, habe der Angeklagte sein Gewehr auf ihn gerichtet. Es sei geladen und gespannt gewesen, hieß es.

Verteidiger: Das Gewehr war nicht gespannt

„Wenn auf eine provokante Frage eine provokante Geste gemacht wird, ist das keine ernsthafte Bedrohung und auch nicht verboten“, sagte Verteidiger Heiko Granzin über die Auseinandersetzung am Hochsitz. Das Gewehr sei nicht gespannt gewesen.

Zu Prozessbeginn wies er darauf hin, sein Mandant habe ebenfalls Anzeige erstatten wollen, noch bevor das Ehepaar zur Polizei gegangen sei. Die Beamten hätten ihn abgewiesen, die Situation würde sich klären. Das Paar sei dagegen nicht abgewiesen worden. Der Verteidiger sprach von einem „Störgefühl im Hinblick auf polizeiliche Maßnahmen“, seinem Mandanten sei kein rechtliches Gehör gewährt worden. Richterin Hollstein entgegnete, dem Jäger sei sehrwohl rechtliches Gehör gewährt worden, als er um eine Aussage gebeten wurde.

Oberamtsanwalt: Zur Eskalation gehören immer zwei

Letztlich fragte der Verteidiger: „Brauchen wir dieses Verfahren oder können wir das auch mit geringeren sanktionellen Mitteln klären?“ Der Angeklagte wisse, er habe nicht perfekt reagiert. Auch der Oberamtsanwalt sagt: „Wenn eine Situation eskaliert, gehören immer zwei dazu.“ Da es auch keine gänzlich neutralen Zeugen gebe, bezweifelte das Gericht, dass sich der Fall auflösen lässt. Es stehe Aussage gegen Aussage.

Angeklagter muss 300 Euro spenden

Das Gericht stellte das Verfahren nach Paragraf 153 a Absatz 2 der Strafprozessordnung vorläufig ein. Dem Angeklagten wurde die Auflage erteilt, innerhalb von drei Monaten 300 Euro an den Förderverein einer Schule zu spenden. (Jessica Sippel)

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