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Karoline Tierling aus Sontra wird Weihnachten 100 Jahre alt

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Von: Eden Sophie Rimbach

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„Ein bisschen Spaß muss man auch machen“, weiß Jubilarin Karoline Tierling.
„Ein bisschen Spaß muss man auch machen“, weiß Jubilarin Karoline Tierling. © Eden Sophie Rimbach

Auf 100 bewegte Jahre blickt Karoline Tierling heute (25. Dezember) zurück. Im Awo-Seniorenzentrum Sontra feiert sie ihren 100. Geburtstag.

Sontra – Ganz lebendig werden die Erlebnisse von vor mehr als 90 Jahren, wenn Karoline Tierling erzählt. Die Häuser in Mramorak (Jugoslawien, heute Serbien) und in Eisenach sieht die 100-Jährige genau vor sich.

„Man denkt immer, das vergisst man“, sagt sie und fügt hinzu, dass das nicht so sei. „Man vergisst nur, was man will, und das sind die bösen Sachen.“

Früh erlebte die am 25. Dezember 1922 in Mramorak geborene Karoline Bender diese. Als junge Frau wurde sie verschleppt, erzählt, dass sie nach fünf Jahren zurück in ihre Heimat kam.

Während dieser Zeit hatte sich ihr erster Ehemann, bei dem sie sich nicht melden konnte, von ihr scheiden lassen und erneut geheiratet. Durch ihn war sie zuvor in einen Nachbarort gekommen. Schon damals seien ihre Schwiegereltern fasziniert von ihren Fähigkeiten gewesen.

Durch Kindheit auf dem Bauernhof viel gelernt

Gemeinsam mit ihren älteren Schwestern Marie und Juliane und ihrem jüngeren Bruder Martin hatte sie auf dem großen Bauernhof ihrer Eltern alles vom Melken bis hin zum Brotbacken gelernt.

Neben den Feldern, die die Familie bewirtschaftete, hielt sie Kühe und Schweine. Besonderen Wert habe schon ihre Mutter, die ebenfalls Karoline hieß, darauf gelegt, dass das Haus immer wieder weiß erstrahlte.

In ihrem Heimatdorf habe jeder jeden gekannt: „Und das war so schön.“ Durch den Zweiten Weltkrieg kam die Jubilarin nach Deutschland. In Eisenach lernte sie ihren zweiten Ehemann kennen, der aus Polen stammte.

„Karoline, du kannst alles“

Mit Freude habe sie sich immer sehr sorgfältig um das Haus und die Landwirtschaft gekümmert, alles selbst gemacht. „Karoline, du kannst alles“, habe ihr zweiter Ehemann oft festgestellt. Für die 100-Jährige stand immer fest: „Das habe ich von meiner Mama gelernt.“

Das Haus mit Kalk weiß zu streichen und den Garten stets ordentlich zu halten, habe für sie dazugehört. Sie sagt, dass sie es durch ihre Kindheit und Jugend im ländlichen Raum gewohnt gewesen sei, viel zu arbeiten.

Als ihr Mann ein Gerüst am Haus aufbaute und sie es daraufhin komplett anstrich, habe er gesagt: „Ich habe nie gewusst, dass eine Frau so etwas machen kann.“ Über die Zeit mit ihm sagt Karoline Tierling: „Das war eine wunderbare Ehe.“

Nach dem Tod ihres Mannes lebte Karoline Tierling zunächst weiterhin in Eisenach. Seit November 2019 wohnt sie im Awo-Seniorenzentrum Sontra.

Freude über die Geburtstagstorte

„Frau Tierling ist eine ganz Liebe“, beschreibt sie Michaela Weimar, zusätzliche Betreuungskraft im Haus. Die Jubilarin sei aufgeschlossen und freue sich, wenn sie sich mit jemandem unterhalten und von früher erzählen kann. „Ich denk so gern zurück“, sagt die Jubilarin vor allem mit Blick auf ihre Kindheit.

Heute, so verrät die 100-Jährige, singe sie gern, manchmal auch nur leise für sich. An der musikalisch-kulturellen Gruppe des Seniorenzentrums nimmt sie teil, hört auch bei den anderen Gruppen gern zu. In Sontra genießt sie den Blick aus ihrem Zimmer. Bis heute ist ihr wichtig, dass es in ihren Räumen ordentlich ist.

Heute (25. Dezember) feiert sie ihren 100. Geburtstag im Seniorenzentrum. Sowohl über diesen besonderen Geburtstag als auch über die Torte, die eine Mitarbeiterin gebacken hat, freue sie sich.

Von Eden Sophie Rimbach

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