36 Arbeitsplätze bleiben in Sontra

Nach Insolvenz: Bo Systems übernimmt Automobilzulieferer Nafatec

Noch hängt am Betriebsgelände an der Bahnhofstraße in Sontra das Schild der Firma Nafatec, die ihren Ursprung in den 1970er-Jahren hatte.
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Noch hängt am Betriebsgelände an der Bahnhofstraße in Sontra das Schild der Firma Nafatec, die ihren Ursprung in den 1970er-Jahren hatte.

Der Sontraer Automobilzulieferer Nafatec geht in der Firma Bo Systems auf. Nafatec hatte Mitte 2020 Insolvenz angemeldet. 36 Arbeitsplätze bleiben erhalten.

Sontra - Gemeinsam mit der Römermann Insolvenzgesellschaft, dem Werra-Meißner-Kreis, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner sowie der Bo Systems GmbH konnte nach dem Mitte 2020 begonnenen Insolvenzverfahren und der endgültigen Betriebsschließung der Nafatec GmbH eine Lösung gefunden werden.

36 der ehemals 90 Beschäftigten werden in der identischen Liegenschaft an der Bahnhofstraße in Sontra weiter die Herstellung und den Vertrieb von Naturfaserwerkstoffen und Formteilen verfolgen, teilt Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner, mit.

Mit einer neuen und nachhaltigen Ausrichtung möchte Bo Systems versuchen, neue Anwendungsfelder zu erschließen, und setzt dabei dementsprechend nicht nur auf bestehende Kunden aus der Automobilindustrie. Hier fokussierte sich die Firma zuvor unter anderem auf die Innenteile von Fahrzeugen der Automobilhersteller Volkswagen, Audi, Mercedes, BMW und Volvo. „Ich freue mich, dass mein Team und ich mit zu dieser zukunftsweisenden Lösung beitragen konnten“, sagt Dr. Mario Nawroth, Vertreter der Römermann Insolvenzgesellschaft. Ziel sei es, die Technologien und Patente nun auch auf andere globale Märkte auszuweiten.

„Durch die CO2-Neutralität des Materials sieht sich die neue Firma gut gerüstet für die Zukunftsthemen, auch um damit langfristige Arbeitsplätze in der Region mit zu sichern“, so Peter Borowsky, Geschäftsführer von Bo Systems. Zum Einsatz kommen unterschiedlichste Rohmaterialien wie Hanf, Flachs, Kenaf und Holz. Themenschwerpunkte der Entwicklung der Produkte für den Automobil- als auch den Nicht-Automobil-Bereich seien in der Zukunft unter anderem die Herstellung schadstofffreier und kompostierbarer Produkte sowie das „Upcycling“ – also die Neuverwendung von Produkten statt ihrer Entsorgung.

In der Zukunft könnten beispielsweise für die Bauindustrie Dämmstoffe aus Naturfasern, Fußböden oder Leichtbauwände hergestellt werden. Die Fasern würden mit ihren nachhaltigen Eigenschaften punkten. Möglich ist auch die Fertigung für Regale, Schränke und Küchenarbeitsplatten im Schiffs- und Flugzeugbau, aber auch die Herstellung von Grasmatten, die als Vegetationshilfen in Wüstengebieten, als Dachbegrünung oder als Böschungsmatte für den Straßenbau genutzt werden könnten, sind denkbar. „Natürlich stehen für einen Neubeginn in dieser Form noch viele Herausforderungen im Raum, die gelöst werden müssen. Aber auch hier steht die Wirtschaftsförderungsgesellschaft hinter dem zukunftsträchtigen Projekt“, sagt Dr. Lars Kleeberg. Der Fall Bo Systems zeige, wie ein Automobilzulieferer Chancen der Branchenkrise ergreife, um sich neu und unabhängiger aufzustellen – und das so, dass man gleichzeitig etwas zum Thema Nachhaltigkeit in der Region beisteuere, so Kleeberg. Aktuell unterstütze man bei der Suche nach Partnern. Fündig sei man im niedersächsischen Nachbarlandkreis Göttingen geworden, wo man das Ziel verfolge, ein Netzwerk zum Thema „Nachwachsende Rohstoffe“ aufzubauen.

Mit dem Automobilzulieferer Bo Parts, der seinen Sitz in Nentershausen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) hat, auch in Sontra produzierte und ebenfalls im Jahr 2020 einen Insolvenzantrag stellte, hat das neue Unternehmen Bo Systems übrigens nichts zu tun. (Maurice Morth)

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