Anwalt will milde Strafe

Nach Sontraer Bluttat: Verteidigung plädiert auf Körperverletzung

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Im Verfahren wegen versuchten Mordes vor dem Kasseler Landgericht sind am Montag die Plädoyers von Nebenklage und Verteidigung gehalten worden.

Die konnten in der Bewertung der Bluttat im Februar 2018, als ein 50-jähriger Deutsch-Türke aus Göttingen in Sontra seinen 24-jährigen künftigen Schwiegersohn mit zwei Bauchschüssen niedergestreckt haben soll, unterschiedlicher nicht ausfallen: Während Nebenklage-Anwalt Fresenius wegen versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen auch lebenslänglich für möglich hält, plädierte Verteidiger Ahrens lediglich auf gefährliche Körperverletzung mit einer Höchststrafe von dreieinhalb Jahren. Sollte das Gericht eine Notwehr-Situation erkennen, wäre nach Ansicht des Verteidigers sogar Freispruch geboten.

Ahrens sah auch politische und religiöse Hintergründe der Tat. Die Familie des Nebenklägers habe 100.000 Euro „Blutgeld“ gefordert, damit der Sohn des Angeklagten verschont werde. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Gefängnis wegen versuchten Mordes beantragt. Auch der 24-jährige Kurde, der vor Jahresfrist nur dank einer Notoperation im Eschweger Krankenhaus überlebt hatte, ergriff das Wort. 

Der Angeklagte habe weder Reue gezeigt, noch sich bei ihm entschuldigt. „Ich wäre fast gestorben, nur weil ich für ihn ein dreckiger Kurde bin“, sagte der junge Mann. Und weiter: „Ich wollte nur heiraten. Der Preis meiner Liebe war teuer.“

Der Angeklagte nutzte sein „letztes Wort“, um sich erstmals im gesamten Verfahren persönlich zu äußern: „Es tut mir sehr leid für alles. Wenn er nicht die Flasche kaputt gemacht hätte, wäre gar nichts passiert. Ich hatte Angst um mein Leben“, sagte er.

Nebenklage und Staatsanwaltschaft hingegen hatten festgestellt, dass der Schneider aus Göttingen mit einer klaren Tötungsabsicht nach Sontra gefahren sei.

Richter Volker Mütze will das Urteil der 6. Strafkammer des Landgerichts am Freitag ab 12.30 Uhr verkünden.

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