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Roy Nitsche kontrolliert für EAM die Erdgasleitung in Walburg

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Von: Evelyn Paul

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Gasspürer Roy Nitsche kontrolliert für die EAM die Gasleitungen im Hessisch Lichtenauer Ortsteil Walburg.
Gasspürer Roy Nitsche kontrolliert für die EAM die Gasleitungen im Hessisch Lichtenauer Ortsteil Walburg. © Evelyn Ludolph

Einen ungewöhnlichen Beruf hat Roy Nitsche. Denn er arbeitet von März bis Oktober als Gasspürer.

Walburg – Von Unternehmen wie der EAM Netz wird er beauftragt, deren Leitungssystem zu überprüfen. Diese Woche war Nitsche deswegen im Hessisch Lichtenauer Ortsteil Walburg unterwegs. In der einen Hand hält er ein Tablet, das ihm auf einer Karte den Verlauf der Gasleitungen zeigt. Über GPS navigiert es den Gasspürer. In der anderen Hand hält er ein Metallgestänge, an dem unten eine Art Plastikfolie befestigt ist, die auf der Straße aufliegt. Ein Schlauch führt nach oben ins Messgerät, das Nitsche am Bauch vor sich trägt. Mit der sogenannten Teppich-Sonde wird die Bodenluft angesaugt und auf möglichen Methangehalt analysiert.

Wie das Gerät arbeitet, demonstriert Roy Nitsche, indem er einmal kurz in den Schlauch pustet. Als er ihn wieder an das Messgerät ansteckt, ertönt ein Signalton. „Das Gerät piepst jetzt so lange, bis sich das Gas im Schlauch verflüchtigt hat“, erklärt er.

So ausgerüstet läuft er durch die Straßen, je nachdem, wo sein Auftraggeber ihn hinschickt. Im zügigen Spazierschritt schafft er um die acht Kilometer am Tag. In dieser Woche war er in Sontra, Walburg und Reichensachsen unterwegs. Danach soll er in den Schwalm-Eder-Kreis. So hat er inzwischen ganz Deutschland gesehen, denn er macht diesen Job seit 1990. Er selbst kommt aus der Nähe von Berlin. „Nur in Bremen und Bremerhaven war ich noch nicht“, berichtet er. Alle vier Jahre muss er eine Prüfung ablegen, um seine Zulassung als Gasspürer nicht zu verlieren.

Seine Erfahrung macht ihn begehrt. „Ich versuche, immer ihn zu bekommen, denn wir haben schon gut zusammengearbeitet und es hilft immer, wenn man die Gegebenheiten schon kennt“, sagt Thomas Dreer von der EAM. Er organisiert die Überprüfung des Erdgasnetzes für zehn Niederlassungen. Rund 1500 Kilometer des insgesamt 5000 Kilometer umfassenden Gasnetzes des kommunalen Energieversorgers werden jährlich kontrolliert, informiert die EAM in einer Pressemitteilung.

„Die Leitungen liegen in der Regel mittig in der Straße“, sagt Nitsche. Dennoch läuft er am Rand mit seinem Gasspürgerät. Der Grund dafür ist, dass sich das Gas den einfachsten Weg nach oben sucht. Und der ist nicht die geschlossene Asphaltdecke, sondern da wo Risse sind oder der Übergang zum Bordstein.

Der Gasanschluss endet entweder unterirdisch im Keller oder bei neueren Anschlüssen in so einem Kasten. Der gelbe Punkt zeigt den Gasanschluss an.
Der Gasanschluss endet entweder unterirdisch im Keller oder bei neueren Anschlüssen in so einem Kasten. Der gelbe Punkt zeigt den Gasanschluss an. © Evelyn Ludolph

Roy Nitsche kontrolliert die Leitung bis zu jedem Haus. Ein gelber Sticker an der Wand verrät, wo sich der Gasanschluss befindet. Der ist besonders auch für die Feuerwehr und Baufirmen wichtig. Fehlt er oder wurde er bei Malerarbeiten unkenntlich, ersetzt die EAM ihn kostenfrei.

Gasspürer ist ein Schönwetterjob. Bei Regen kann Roy Nitsche nicht arbeiten. „Bei Feuchtigkeit ist die Gasausbreitung geringer“, erklärt er. Zudem bekommt Wasser dem Messgerät nicht. Dafür ist er dann aber auch bei der sommerlichen Hitze unterwegs.

Dass er tatsächlich ein Gasleck findet, kommt nur selten vor. Schlägt das Gerät doch Alarm, muss Nitsche das Leck genau lokalisieren. Zunächst saugt er austretendes Gas ab, um die Konzentration gering zu halten. Dann muss er mehrere Löcher bohren, um genau sagen zu können, wo sich das Leck befindet. Wenn er alles markiert und abgesperrt hat, gibt er das Leck an die Netzleitstelle weiter, die sich dann um die Behebung des Schadens kümmert.

Schwierigkeiten bei seinem Job bereitet Roy Nitsche vor allem der Verkehr. Wenn er allein unterwegs ist und seine Arbeit erledigt, ist das nicht immer einfach. „E-Autos hört man nicht“, sagt Nitsche und deutet damit ein Teil des Problems an. Dreer bestätigt: „Die Fahrer nehmen oft keine Rücksicht, ob da jemand mit Warnweste auf der Straße unterwegs ist.“ Und ergänzt, dass die EAM Nitsche an verkehrsreichen Stellen einen Lotsen zur Verfügung stellt.
(Evelyn Ludolph)

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