Reptilienauffangstation in Sontra

Selbstversuch: HNA-Volontär fasst zum ersten Mal eine Schlange an

Niedlicher Name: Königspython „Würmchen“ ist eine Würgeschlange, die bis zu 1,40 Meter lang werden kann.

Sontra. Ich habe eigentlich kein Problem mit Tieren. Ich habe schon mein ganzes Leben lang Tiere um mich herum gehabt.

Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Wellensittiche oder Hunde - Haustiere haben bei uns zu Hause immer eine Rolle gespielt. Auch vor Spinnen hatte ich nie Angst. Nur ein Tier, genauer ein Reptil, bereitet mir immer ein ungutes Gefühl.

Die Schlange!

Ich kann gar nicht genau sagen, warum das so ist, warum mir gerade Schlangen so große Angst machen. Ich glaube, es ist die Unberechenbarkeit: Die Bewegungen kann ich nicht vorhersehen oder einschätzen. Schlangen müssen nicht den ganzen Körper drehen, um sich jemandem zuzuwenden. Dazu kommt die Kraft, die diese Tiere entwickeln können.

Aber aus eben diesen Gründen habe ich nicht nur Respekt vor diesem Reptil, sondern bewundere es auch. Schlangen faszinieren mich. Um die Angst zu überwinden und diesem Tier einmal näher zu kommen, mache ich den Selbstversuch und suche den Kontakt zu einer Schlange in der Reptilienauffangstation in Sontra. Mein Sparringspartner: Eine Königspython. Diese Art der Schlangen kann bis zu 1,40 Meter lang werden und ernährt sich hauptsächlich von Kleinsäugern, Vögeln und deren Brut, wie ich einem Schild unter ihrem Terrarium entnehme. Zu diesen Beutetieren zähle ich mich nicht.

Ein Schild gegenüber des Terrariums, in dem „meine“ Königspython wohnt, beschreibt die Vorgehensweise, sollte man von einer Schlange gebissen werden. Sehr beruhigend. Ich frage Michellé Klappert, Tierpflegerin im Reptilienzoo, ob Königspythons giftig sind. „Nein, „Würmchen“ ist eine Würgeschlange“, bekomme ich als Antwort. Eine Würgeschlange - super. „Bitte erwürg’ mich nicht!“, ist mein erster Gedanke. Und „Würmchen“? Wie ein Regenwurm sieht die Schlange nicht gerade aus. Ich fühle mich gerade viel eher wie ein kleiner Wurm. Die Tierpflegerin holt die Schlange aus dem Terrarium, das heißt - sie klopft sie besser gesagt aus einem hohlen Baumstumpf. „Würmchen ist wohl heute ein bisschen zickig“, sagt Klappert dabei. Mein Herz rutscht ein Stockwerk tiefer.

Mit schnellen, festen Griffen packt Klappert die Schlange und legt sie in meine Hände. Ich kann gar nicht mehr lange überlegen. Und entgegen meiner Erwartungen: Die Königspython fühlt sich fast gemütlich an. Die Haut ist weich und warm, gar nicht kalt, wie mir viele vorher beschrieben haben. Das liegt daran, dass Schlangen wechselwarme Tiere sind, erklärt mir Klappert. „Würmchen“ zischt vor sich hin und bahnt sich ihren Weg meine Arme entlang. Ich merke, dass ich in diesem Moment eigentlich gar keine Angst mehr habe. Von Aggressivität seitens der Schlange keine Spur. Ohne einen Schritt gegangen zu sein, habe ich heute einen weiten Weg zurückgelegt.

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