Die weite Welt und wir

Werner Schreiber aus Sontra hat als Maler in den USA sein Glück gefunden

Maler statt Maurer: Werner Schreiber ist seit über 30 Jahren freiberuflicher Künstler und bezeichnet sich seit 15 Jahren als Vollzeit-Muralist. Auf die Wandmalerei im öffentlichen Raum hat sich der Wahl-Amerikaner spezialisiert.
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Maler statt Maurer: Werner Schreiber ist seit über 30 Jahren freiberuflicher Künstler und bezeichnet sich seit 15 Jahren als Vollzeit-Muralist. Auf die Wandmalerei im öffentlichen Raum hat sich der Wahl-Amerikaner spezialisiert.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis, die im Ausland leben, ihre persönliche Geschichte.

Sontra/Fort Collins – „Der erste Eindruck war wie ein fantastischer Traum“, sagt Werner Schreiber, ohne lange zu überlegen. In seinen Ausführungen geht der mittlerweile 64-Jährige auf seine Wahrnehmungen ein, als er im Jahr 1974 zum ersten Mal amerikanischen Boden betrat. „In Chicago gab es damals noch diese großen Straßenkreuzer“, weiß sich der gebürtige Sontraer zu erinnern, der nach der Landung von Chicago nach Wisconsin getrampt ist, um bei seiner Schwester in Wausau (Bundesstaat Wisconsin) zu helfen „Sie hatte eine Bar eröffnet und brauchte mich“, schilderte Schreiber, der zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt war und noch eine Lehre zum Maurer absolvierte.

Er war begeistert von den Eindrücken und entschied sich auf amerikanischem Boden einen anderen Berufsweg einzuschlagen. Maler zu werden, hieß sein neues Ziel. „Schon als Kind habe ich gezeichnet und ein Bild an das damalige Sontraner Jugendzentrum gemalt“, so Schreiber, der angibt, anfangs laienmäßig gekritzelt zu haben: „Es dauert viele Jahre, es war sehr kompliziert die Farben zu verstehen. Obendrauf musste ich erst mal meinen eigenen Stil finden.“ Schreiber fand ihn und entwickelte sich stetig weiter. Sein Hobby wurde zur Berufung: „Malen bedeutet für mich etwas Spezielles, man taucht in eine andere Welt ein. Die Zeit vergeht wie im Flug.“

Seine Frau Heather ist als Freihand-Malerin Werner Schreibers Ergänzung.

Für einige Jahre wohnte er in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico und ließ sich von der Künstlerstadt inspirieren. „Ich verkaufte da auch einige Gemälde, aber ich bin auch durch die großen Gegenden in Amerika gereist“, berichtete Schreiber, der in einem Wohnwagen auf einer Ranch hauste, um als Maler durch Verkäufe sein Leben zu finanzieren. „Damals bin ich immer freitags mit meinen Kunstwerken in Kneipen gegangen und habe die Gemälde mit Landschaften, Bisons, Indianern und Wölfen auf den Billardtisch gelegt. Die Barkunden kauften sie reihenweise. Es war eine wilde und abenteuerliche Zeit im amerikanischen Westen.“

WR-Serie „Die weite Welt und wir“

In Deadwood, einer Casinostadt mit viel Geschichte in South Dakota, erschuf Schreiber Ende 1995 ein Wandgemälde. Monatelange stand er auf dem Gerüst, um ein 30 Quadratmeter großes Bild der Rocky Mountains fertigzustellen. „Auch meine Zeit in Kalifornien war total inspirierend, dort lernte ich 1977 den Gebrauch einer Airbrush-Pistole kennen, was bis heute meine große ,Waffe’ im Kunstgebrauch ist“, sagte er, der zumeist Pinsel, Bürsten und Roller nutzt.

Zur Person

Werner Schreiber (64) Ist in Sontra aufgewachsen. Nach seinem Schulabschluss begann er in Sontra eine Lehre zum Maurer, die er abbrach, um in USA zu gehen. Sein Bruder Karl wohnt in Sontra, während Schwester Brigitte Direktorin der Röntgen-Abteilung im Krankenhaus von Estes Park (Bundesstatt Colorado) ist. Seit 1977 ist er mit seiner Frau Heather aus Hawaii zusammen.

Schreiber ist seit über 30 Jahren freiberuflicher Künstler und bezeichnet sich seit 15 Jahren als Vollzeit-Muralist. Auf die Wandmalerei im öffentlichen Raum hat sich der Wahl-Amerikaner spezialisiert. Aktuell malt Schreiber an einem patriotischen Gemälde in Loveland im Bundesstaat Colorado. „Hier lass ich die Geschehnisse der Weltkriege sowie die Historie der Kriege in Korea, Vietnam und Afghanistan miteinfließen“, betonte Schreiber, der schon Klaviere, Vans, Elektroboxen oder Fenster für seine Kunden mit Motiven bemalt hat und seine aus Hawaii stammende Frau Heather begeistert, die seit 1977 an seiner Seite ist. Beruflich ist die Freihand-Malerin Schreibers Ergänzung. Gerade in der Weihnachtszeit funkeln in den Fenstern ihres Wohnortes Fort Collins viele ihrer gemeinsam gemalten Fensterbilder: „Das macht mich glücklich.“ (Marvin Heinz)

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