Kleine Gruppe mit großer Wirkung

Sophie Scholl: Analyse des Evangelischen Forums in der Synagoge Abterode

Sie steckten hinter der Weißen Rose: Die Geschwister Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst. Im Vortrag des Evangelischen Forums Werra-Meißner in der Synagoge Abterode analysierten die Anwesenden die Biografie von Sophie Scholl.
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Sie steckten hinter der Weißen Rose: Die Geschwister Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst. Im Vortrag des Evangelischen Forums Werra-Meißner in der Synagoge Abterode analysierten die Anwesenden die Biografie von Sophie Scholl.

Im Rahmen des Evangelischen Forums Werra-Meißner in der Synagoge Abterode widmete sich Dr. Daniel Bormuth, Pfarrer in Bad Sooden-Allendorf, der Biografie von Sophie Scholl und ihrem Weg in den Widerstand. Anlass war ihr 100. Geburtstag.

Abterode – Mit 21 Jahren wurde Sophie Scholl zusammen mit ihrem Bruder Hans von den Nationalsozialisten hingerichtet. Ihr Vergehen: Die Geschwister hatten in der Münchner Universität Flugblätter verteilt.

Nun könnte man denken, die Widerstandsgruppe Weiße Rose sei eine große Gruppierung gewesen, die den Nazis große Sorgen bereitete. Im Rahmen des Evangelischen Forums Werra-Meißner in der Synagoge Abterode widmete sich Dr. Daniel Bormuth, Pfarrer in Bad Sooden-Allendorf, der Biografie von Sophie Scholl und ihrem Weg in den Widerstand. Anlass war ihr 100. Geburtstag.

Im Gespräch mit Dekan i. R. Dr. Martin Arnold vom Verein „Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens“ und der Eschweger Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost machte er deutlich, die Weiße Rose, das waren eine Handvoll Studenten, die ein paar Tausend Flugblätter vervielfältigt hatten. Aber sie wurde vom Hausmeister beim Auslegen erwischt. So schnell kann es gehen in einer Diktatur.

Die drei Vortragenden zeigten: In der Zeit, Anfang 1943, sei die Stimmung in Deutschland an einem Kipp-Punkt angekommen. Die Bevölkerung wurde damals zunehmend unzufriedener. „Hitler wurde entzaubert“, sagte Dr. Martin Arnold. Offenbar wollten die Nationalsozialisten jeden Zündfunken unterbinden. So hat die Aktion der kleinen studentischen Widerstandsgruppe eine große Wirkung bis heute.

Interessant sei die persönliche Wandlung von Sophie Scholl, wie Bormuth skizzierte: In ihrem Elternhaus spielte Religion offenbar eine große Rolle. Mit dem System stand sie aber nicht im Widerspruch. „Sophie Scholl war als 13-Jährige sogar sehr engagiert in der Hitlerjugend und im Bund Deutscher Mädchen“, sagte er.

Die Bündische Bewegung übte eine Faszination auf die Jugendlichen aus, denn sie übertrug ihnen Verantwortung. Damals sei Sophie Scholl burschikos aufgetreten. Später verliebte sie sich in Fritz Hartnagel, der unter den Nationalsozialisten Offizier war. Er sei begeisterter Soldat gewesen. Doch mit ihm diskutierte Sophie Scholl vor allem über Natur, Literatur und Religion.

Sieglinde Repp-Jost sieht in der jungen Frau einen inneren Prozess ablaufen, als sie erwachsen wird. „Wir sehen eine junge Frau, die tastend versucht, ihren eigenen Weg zu gehen“, sagt sie. Nach dem Abitur musste Sophie Scholl in den Reichsarbeitsdienst und den Kriegshilfedienst, was ihr offenbar nicht gefallen hat. Sie entwickelte erkennbar eine andere Sicht auf den Nationalsozialismus: Im ersten Flugblatt der Weißen Rose, die Sophie zusammen mit ihrem Bruder Hans begründete, wandten sich die Verfasser gegen die Einschränkung der persönlichen Freiheit und den sinnlosen Tod von Soldaten im Russlandfeldzug. „Lange Zeit habe ich geschlafen und geträumt“, soll Sophie Scholl gesagt haben. Das sechste Flugblatt der Gruppe führte zu ihrer Verhaftung. Darin rufen die Verfasser zum passiven Widerstand auf. Vier Tage später wurden Sophie Scholl und ihr Bruder Hans hingerichtet.

Die Veranstaltung in der Synagoge fand hybrid statt, neben einigen Zuschauern vor Ort konnten sich weitere per Videostream zuschalten.

Dr. Daniel Bormuth hat ein Essay über Sophie Scholl geschrieben. Man kann es per Mail bei Sieglinde Repp-Jost bekommen: Ev.Forum-WMK@ekkw.de (Kristin Weber)

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