Stadtwerke engagieren Graffiti-Künstler für Gestaltung von Stromkästen

Diese Stromkästen in Eschwege fallen jetzt auf

Gedanken zur Fahrradstadt Eschwege.
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Bunte Motive auf grauen Kästen: Die Stadtwerke Eschwege lassen ihre Stromkästen und Trafostationen verschönern. Die Graffiti-Künstler der Firma Sprühliebe aus Menden haben beispielsweise eine konstruierte Skyline erschaffen.

In Eschwege lassen die Stadtwerke gerade zahlreiche Stromkästen und Trafostationen von Graffiti-Künstlern besprühen. Die Aktion ist auf drei Jahre angelegt.

Eschwege – Sie fallen auf: Gerade in der Eschweger Innenstadt sind die jetzt bunten Stromkästen ein echter Hingucker. Etwas außerhalb sind zwei große Trafostationen jetzt nicht mehr grau, sondern ebenfalls farbig. Erledigt hat diese Aufgabe der Bochumer Sprayer Marcel Venemann von der Agentur Sprühliebe mit seinen Kollegen. Sie haben die farblosen Kästen mit Eschweger Motiven versehen. Den Auftrag dazu haben ihnen die Stadtwerke Eschwege verliehen.

Sie stehen in jeder Stadt an fast jeder Ecke und jeder läuft an ihnen vorbei, ohne ihnen besondere Beachtung zu schenken: die grauen Stromverteilerkästen. Gefüllt mit allerlei wichtigen Sicherungs- und Schaltelementen, sorgen sie dafür, dass der Strom zu den Anwohnern nach Hause kommt.

„Ihre Funktion ist durchaus wichtig, doch zur Verschönerung des Stadtbildes tragen sie nicht gerade bei“, sagt Johanna Hundeshagen, die das Projekt für die Stadtwerke realisiert hat. Grau oder weiß, oft verwittert und manchmal sogar noch wild beschmiert, werden sie selten von Passanten wahrgenommen. Im Urlaub hatte Geschäftsführer Markus Lecke gesehen, dass es auch anders geht.

Frühliebe setzt das Projekt um

Umgesetzt wurden die Arbeiten durch die Graffiti-Künstler der Firma Sprühliebe aus Menden. Anfang dieser Woche haben sie bereits sechs graue Stromkästen und zwei Trafostationen mit frischen Motiven versehen. Drei weitere werden Anfang November noch folgen.

Marcel Venemann führt seit acht Jahren das Unternehmen Sprühliebe. Der Autodidakt hat das Sprühen jahrelang als Hobby betrieben. Nach einem Autounfall stand er vor einer Zäsur in seinem Leben. „Ich wollte lieber Kunst machen“, sagte er nach zwei abgeschlossenen Ausbildungen. Seine Idee ist aufgegangen. Seit acht Jahren behauptet er sich am Markt. Über 600 Objekte hat er seitdem realisiert. Inzwischen beschäftigt er zwei feste und einen freien Mitarbeiter. Zu seinen Kunden zählen neben privaten Aufträgen auch öffentliche Einrichtungen und Firmen. Das Malen mit den Farbdosen habe auch seine Grenzen. Zu klein dürfen die Flächen nicht sein, sonst wird es ungenau. Sinnvoller ist es, große Flächen zu gestalten. „Ein Graffiti wirkt erst auf Entfernung“, sagt Venemen. Fünf Meter müsse man beim Betrachten schon zurücktreten.

In nächsten zwei Jahren sollen weitere Stromkästen bunt werden

Doch damit soll es das noch nicht gewesen sein, Eschwege soll noch bunter werden. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen noch weitere der grauen Stromkästen in kleine oder auch große Kunstwerke verwandelt werden. Auch Eschweger Künstler sollen bei den Aufträgen berücksichtigt werden. Insgesamt 30 000 Euro kostet das Pojekt. Die Stadtwerke erhoffen sich, dass die Gestaltung der Objekte zu einer Verschönerung des Stadtbildes beiträgt und gleichzeitig nachhaltig vor Farbvandalismus und weiteren Verschmutzungen schützt.

„Wir mussten ohnehin jedes Jahr Geld investieren, um die Kästen und Häuschen von Schmierereien und Plakatierungen zu reinigen“, sagt Michael Küster, bei den Stadtwerken technischer Leiter für Strom. Venemann berichtet, dass von seinen 600 Objekten im Nachhinein nur eines beschmiert wurde. Illegale Sprayer hätten ohnehin Respekt vor der Arbeit der legalen Kollegen. Die bunten Stromkästen kommen indes bei den Eschwegern gut an. In der Tourist-Information Eschwege gab es bereits Nachfragen zu dem Projekt. „Wir haben durchweg positive Rückmeldungen von den Bürgern erhalten. Eine Frau kam sogar in die Tourist-Information, um nachzufragen, wer die Idee hatte, weil sie die bunten Stromkästen so toll fand“, berichtet Markus Lecke. Ganz astrein ist die künstlerische Arbeit, die teilweise bis zum späten Abend dauerte, einem Eschweger dennoch nicht vorgekommen. Er rief die Polizei, die sich vor Ort von der Richtigkeit der Aktion überzeugten. Das Missverständnis war schnell aufgeklärt. „Es ist ja eher selten der Fall, dass Sprayer in der Dunkelheit mit Lampen, Beamer, Leitern und mehreren Dutzend Farbdosen auf dem Boden unerlaubt Wände bespühen“, sagt Venemann. (Tobias Stück)

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