„Stärken stärken, Schwächen schwächen“

Michael Roth (SPD) will für den Wahlkreis 169 im Bundestag bleiben

Mittagessen mit Michael Roth, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 169: Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg
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Zum Mittag gibt’s die gute alte Stulle: Dass der SPD-Bundestagsabgeordnete gleich für alle Kollegen Stullen schmiert, hat sich mittlerweile in Roths Team etabliert. Beim Picknick im Sophiengarten mit unserer Zeitung gibt es außerdem noch Wassermelonen-Salat, Gemüse, Obst und Pfefferminztee.

Zehn Frauen und Männer kandidieren im Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg für den Bundestag. In unserer Porträtreihe stellen wir heute den SPD-Kandidaten Michael Roth vor.

Eschwege – Die Stullen hat Michael Roth an diesem Tag für alle geschmiert. Für die Praktikanten, für seine Mitarbeiterin und für die Redakteurin unserer Zeitung. „Mein Mann fragte heute Morgen noch: ,Was machst du denn da? Willst du verreisen?’“ Er lacht und beißt in sein Vollkornbrot mit Käse, Avocado, Salat und Ei. „Ich lebe seit mehr als 30 Jahren vegetarisch“, erklärt der amtierende Bundestagsabgeordnete beim Picknick im Eschweger Sophiengarten.

Abgeordneter für zwei Kreise: „Beide haben ihre Stärken“

Seit er 28 Jahre alt ist, hat Michael Roth das Amt in Berlin für den heute gemeinsamen Wahlkreis Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg inne. Beide Kreise haben ihre Stärken, sagt der 51-Jährige. Im Werra-Meißner-Kreis hebt er die soziale und touristische Infrastruktur hervor, in Hersfeld-Rotenburg die Industrie- und Verkehrsinfrastruktur.

„Stärken stärken und Schwächen schwächen“ laute seit jeher sein Motto. Was in unserer Region alle Menschen beschäftigt, sei die Entwicklung der Gesundheitsversorgung. Einiges habe sich schon getan, sagt er. Etwa, dass Landärzte besser entlohnt werden. Es bringe aber zum Beispiel den Herleshäusern nichts, findet Roth, wenn es in Eschwege einen Arzt mehr als nötig gibt, in Herleshausen dagegen gar keinen. Dieses Thema tragen viele Bürger direkt an ihn heran.

In 20 Jahren als Bundestagsabgeordneter hat Michael Roth viel über sich gelernt

Als eigentlich ungeduldiger Mensch habe er in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, dass die Dinge Zeit brauchen, sagt der 51-Jährige. Auch wenn er bereits zum siebten Mal antritt, nimmt er seine Gegenkandidaten ernst. „Ich bin motiviert, habe viele Ideen und ein gutes Gefühl. Aber es gibt für dieses Amt kein Abo, man muss es sich immer wieder neu erarbeiten.“

Gleichzeitig ist Michael Roth als Staatsminister europaweit unterwegs. Wie schafft er es also, die Verbindung zur Heimat zu halten? „Ich habe immer versucht, meine Zeit in Berlin und auf Reisen auf unter die Woche zu konzentrieren, sodass ich am Wochenende Zeit für meinen Wahlkreis habe.“ Bisher habe das gut funktioniert. Schwierig war es aber während der Lockdowns, als das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen war.

„Dadurch hatte ich so viel Zeit zum Kochen und Backen wie noch nie“, sagt Michael Roth. Der SPD-Politiker orientiert sich dabei an den alten Rezepten seiner Oma, etwa für Hefekuchen, Obstboden und Streusel-Schmand-Kuchen. „Meine Oma war eine passionierte Bäckerin.“

Seine große Schwäche sei, dass er sich nie genau an die Rezepte hält. „Das gefällt nicht jedem Kuchen“, gesteht Roth, der sich als ganz normalen Menschen mit Stärken und Schwächen beschreibt: Als Frühaufsteher könne er sich spätabends schwer konzentrieren, vor Reden im Bundestag habe auch er manchmal noch etwas Lampenfieber – und in seiner Speisekammer gebe es einen geheimen Süßigkeitenschrank.

Michael Roth: Geldbeutel der Eltern darf nicht entscheiden, welche Chancen ein junger Mensch hat

Man mag es kaum glauben, aber als Kind sei Michael Roth sehr schüchtern gewesen, sagt er. Geholfen, über sich hinauszuwachsen, hat ihm die Theatergruppe der Werratalschule in Heringen. Eine kurze Zeit lang wollte er sogar Schauspieler werden. „Mein Traum ist es, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich kreativ auszuleben. Ich möchte nicht, dass das nur wenigen vorbehalten ist, dass Unterstützungen privatisiert werden.“ Er spricht von konkreten Förderungen in der Kita und der Schule.

Das gelte auch für Nachhilfeunterricht. Viele Familien könnten sich den zusätzlichen Sprachkurs oder das Musikinstrument nicht leisten. Die Schule habe ihm selbst zwar viel ermöglicht, dennoch dürfe der Geldbeutel der Eltern nicht darüber entscheiden, welche Chancen ein junger Mensch hat, weiß er aus Erfahrung. Auch gegen solche Ungleichheiten will Roth sich starkmachen. Es dürfe nicht zählen, woher man kommt, an wen man glaubt und wen man liebt. „Es zählt das, was man selbst ist.“ 

Von Jessica Sippel

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