Stallpflicht: Gänse kommen früher unters Messer

Auch ohne Pflicht lieber im Stall: Nur wenige Hähnchen nutzen bei den derzeitig niedrigen Außentemperaturen den gesicherten Auslauf. Foto: Forbert

Werra-Meißner. So ärgerlich die Stallpflicht wegen der Vogelgrippegefahr für die Halter von Geflügel auch sein mag, weil damit Mehraufwand verbunden ist: Es hätte schlimmer kommen können. Das sagen zumindest Landwirte, die große Bestände an Hähnchen, Gänse und Enten haben.

Die Hühner und die Puten blieben nicht erst bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt im warmen Stall, sagt Thomas Küllmer, der sich auf Freilandgeflügel in Weidehaltung spezialisiert hat. Nur die 400 Gänse und 120 Enten wären bei der Kälte sonst noch draußen, sagt der Landwirt aus Hessisch Lichtenau-Velmeden.

Wegen der Gefahr vor dem sogenannten Vogelgrippe-Virus und der deshalb erlassenen Stallpflicht hat Küllmer im früheren Kuhstall Platz für das gesamte Geflügel gemacht. „Ich kriege da alle problemlos unter“, sagt er. Nur müsse er nun wegen der Dauerbelegung häufiger das Stroh austauschen.

Im Stall des Bioland-Betriebes Öx in Berkatal-Frankershausen ist es dagegen schon eng, ist Reinhard Thies nicht glücklich mit der Situation. Wie auch die 700 Gänse, die Leben unter dem Dach bislang gar nicht kannten, sagt er. Der Landwirt hofft, dass die Tiere in den nächsten drei Wochen bis zur Schlachtung nicht noch einen „Lagerkoller“ bekommen.

Noch mehr Geflügel haben Susanne und Markus Roth, die im Witzenhäuser Stadtteil Unterrieden schlachten und direkt vermarkten. Die rund 5000 Masthähnchen des Bioland-Geflügelbetriebes laufen am Rande des Neu-Eichenberger Weilers Neuenrode umher. Die großen Freiflächen sind aber verwaist, wegen der Stallpflicht. Im überdachten und mit engmaschigem Drahtgitter gesichertem Auslauf kann das Federvieh trotzdem noch sozusagen frische Luft schnuppern.

Das machen sie aber nur gelegentlich. Die meisten Hähnchen halten sich in den großen Ställen auf. „Sie lieben Wärme“, sagt Markus Roth. Ab sieben, acht Grad und bei Wind sogar schon bei zehn Grad bevorzugen die Tiere die geschützten Bereiche. Von daher sieht Roth die Stallpflicht jetzt gelassen: „Im Sommer wäre das viel schlimmer.“ Und Platz genug für alle hat er stets, da das Federvieh immer im Stall übernachten muss, schon allein wegen des Fuchses.

Mit Hähnchen aus Freilandhaltung könne er bald zwar erst einmal nicht mehr werben, doch weil die Tiere nach wie vor bio aufgezogen werden, bezahlten die Kunden den Preis weiter. Schon vor zwei Jahren, als es auch über Winter Stallpflicht wegen Vogelgrippe gab, habe er keine wirtschaftlichen Einbußen gehabt, erinnert sich der Landwirt.

Probleme aufgrund der Stallpflicht haben nach der Kenntnis von Roth eher die kleinen Geflügelhalter. Ihnen fehle es an Ställen. Deshalb wollen diese seit voriger Woche ihre Gänse vorzeitig schlachten lassen und bis zum Weihnachtsfest einfrieren, weiß er. Roth, der mittwochs in Unterrieden Lohnschlachtung für Vogelhalter anbietet, berichtet schon von ersten Überstunden in seinem Schlachthaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.