Grenzmuseum: Gedenken an Fluchtversuch und Tod von Heinz-Josef Große

Sickenberg. Heinz-Josef Große sei gestorben, weil er die Freiheit gesucht habe. Die Sternstunde der deutschen Wiedervereinigung habe er nicht erleben dürfen. Mit diesen Worten gedachte Thüringens Justizminister Dr. Holger Poppenhäger des 34 Jahre alten Arbeiters aus der damaligen DDR-Gemeinde Thalwenden.

Dieser wurde am 29. März 1982 bei dem Versuch, zwischen Sickenberg und Bad Sooden-Allendorf von Deutschland Ost nach Deutschland West zu fliehen, von DDR-Grenzern erschossen.

Während der schlichten Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung zu Großes 29. Todestag erinnerte der Minister im Grenzmuseum „Schifflersgrund“ auch an die 25 anderen tödlichen Fluchtversuche an der innerdeutschen Grenze zwischen Thüringen und Hessen. Poppenhäger hob hervor, der uneingeschränkte Herrschaftsanspruch des SED-Regimes habe es letztlich nicht vermocht, die Menschen hüben und drüben auf Dauer zu trennen. Mauer, Stacheldraht und Selbstschussanlagen seien in Wahrheit das Eingeständnis der eigenen Schwäche gewesen.

Ausdrücklich dankte der Minister dem Arbeitskreis Grenzinformation unter Vorsitz von Wolfgang Ruske für seine „Erinnerungsarbeit“, deren Wert gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne.

Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix betonte, Heinz-Josef Große habe sein Leben lassen müssen, weil er Demokratie habe erfahren wollen. Freiheit und Demokratie gehörten untrennbar zusammen. Um so erschreckender sei die zum Teil geringe Wahlbeteiligung wie soeben bei den Kommunalwahlen in Hessen. Die Ausübung des Wahlrechts sei wichtig, um auch in Zukunft in Frieden und Freiheit zu leben.

In seiner Eigenschaft als SPD-Chef im Kreis befand Großalmeordes Bürgermeister Andreas Nickel, es sei „eine besondere Grausamkeit, dass hier an dieser Grenze Menschen ermordet wurden“. Es gelte diejenigen wach zu rütteln, denen die Geschehnisse der jüngeren deutschen Geschichte „nicht so bewusst“ seien. Diesbezüglich leisteten das Grenzmuseum und der Arbeitskreis Grenzinformation hervorragende Arbeit, sagte Nickel mit Blick vor allem auch auf die Schulen.

An der Gedenkveranstaltung nahmen aus Bad Sooden-Allendorf auch SPD-Fraktionschef Peter Hieronimus und Stadtrat Gustav Nolte (Bündnis 90/Die Grünen) teil. (zcc)

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