Stimmung ist hoffnungsvoll

Nach Impfungen gibt es Lockerungen in Seniorenheimen

Hier entspannt sich die Lage seit den Impfungen: Die Bewohner des Awo-Altenzentrums in Witzenhausen dürfen nun mehr Besuch empfangen.
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Hier entspannt sich die Lage seit den Impfungen: Die Bewohner des Awo-Altenzentrums in Witzenhausen dürfen nun mehr Besuch empfangen.

Die Lage in den Altenheimen im Kreis entspannt sich mit zunehmenden Impfungen.

Werra-Meißner – Mit den Impfungen gegen das Coronavirus hat sich die Lage in den Seniorenheimen im Werra-Meißner-Kreis deutlich entspannt, wie unsere exemplarische Umfrage ergab. Während in den befragten Heimen mehr als 95 Prozent der Bewohner bereits die zweite Impfdosis erhalten haben, liegt die Quote der Mitarbeiter zwischen 50 Prozent (Geriatriezentrum Rhenanus, Bad Sooden-Allendorf) und mehr als 70 Prozent (Seniorenheim am Brückentor, Eschwege). In einigen Fällen (Haus Salem, Witzenhausen) folgt die zweite Impfung am 20. April.

„Die Bewohner und viele Mitarbeiter fühlen sich jetzt viel sicherer“, sagt etwa Helena Klässig, Geschäftsführerin des Geriatriezentrums. Dazu trage auch das regelmäßige Testangebot bei, ergänzt Torsten Rost, Geschäftsführer der Diacom-Altenhilfe, die neben dem Heim am Brückentor weitere stationäre, ambulante und Tagespflegeeinrichtungen betreibt.

Nun sind Lockerungen im Alltag möglich: So müssen die Bewohner nicht mehr in ihren Wohnbereichen bleiben, sondern dürfen sich untereinander besuchen, berichtet Rost. Zudem dürfen sie nun auch wieder zwei externe Gäste in ihren Zimmern empfangen statt in einem extra eingerichteten Besuchsraum, sagt Klässig. Dabei gelten weiterhin strenge Hygieneregeln, die aber von Bewohnern wie von Angehörigen meist gut mitgetragen würden. Grundsätzlich erlaubt das Land nun tägliche statt wöchentliche Besuche von Angehörigen – doch das ist wegen des hohen Begleitaufwandes nicht für alle Heime zu leisten, auch wenn teilweise die Bundeswehr beim Testen hilft. Aber auch zwei Besuche pro Woche wären für viele Bewohner schon ein großer Gewinn, so Klässig.

Neben der Wiederaufnahme von Friseurterminen, Fußpflege, Beschäftigungsangeboten in Kleingruppen und Gymnastikstunden sind sogar wieder Ausflüge erlaubt. Dazu heißt es aber vom Haus Salem der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen: „Das können wir noch nicht umsetzen, da die Inzidenzwerte noch zu hoch sind und wir keine Risiken eingehen möchten, da auch die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz vor der Infektion garantiert.“

Bewohner dürfen mehr Besuch bekommen

Die Erleichterung war groß im Awo-Altenzentrum Witzenhausen, nachdem Bewohner und Belegschaft Ende Februar ihre zweite Corona-Schutzimpfung bekommen hatten. Die daraus resultierenden Lockerungen halten sich jedoch (noch) in Grenzen.

„Das zurückliegende Jahr war verdammt schwer für alle Beteiligten“, sagt Tanja Stude von der sozialen Betreuung des Awo-Altenzentrums. Die corona-bedingten Kontaktsperren sowie die übrigen drastischen Einschränkungen hätten den einen oder anderen Bewohner „schwer zurückgeworfen“.

So berichtet Stude von einem Mann, der vor der Corona-Pandemie „sehr aktiv“ gewesen sei und sich im Alltag auch über Kleinigkeiten habe freuen können, jetzt aber nahezu apathisch sei und kaum noch am Leben teilnehme. „Die fehlenden sozialen Kontakte und das fehlende Miteinander in der Gruppe haben dazu geführt, dass einige unserer Bewohner regelrecht in Depressionen verfallen sind“, sagt die Betreuerin.

Nachdem nun rund 90 Prozent der Bewohner gegen Corona geimpft sind – einige hatten die Impfung verweigert –, hat die Awo Nordhessen in Kassel als Trägerin des Witzenhäuser Altenzentrums ein neues Konzept aufgestellt. „Nachdem zuvor ein Angehöriger einmal pro Woche zu Besuch kommen durfte, sind es jetzt zwei Angehörige zweimal pro Woche“, sagt Tanja Stude. Auch Kinder, denen der Zutritt ein Jahr lang untersagt war, dürfen jetzt wieder zu Besuch kommen. „Alle Besucher werden vorher getestet“, betont Stude.

Dabei seien Angehörige der Bundeswehr eine große Hilfe, die seit einiger Zeit täglich sowohl Besucher als auch Mitarbeiter testen würden. „Und darüber hinaus werden auch unsere Bewohner noch einmal pro Woche getestet“, so Stude. „Wir sind alle unheimlich dankbar, dass die Bundeswehr hier ist, sonst würden wir das alles gar nicht schaffen.“

Als weitere Lockerung sieht das neue Awo-Konzept vor, dass sich die Bewohner im Altenzentrum wieder gegenseitig auf ihren Zimmern besuchen dürfen. „Veranstaltungen oder Gruppentreffen sind aber nach wie vor untersagt“, berichtet Tanja Stude weiter.

Die aktuelle Stimmung im Haus beschreibt sie als „hoffnungsvoll“, auch wenn die Bewohner von Corona zunehmend genervt seien. „Selbst die Zeitung will kaum noch jemand lesen oder vorgelesen bekommen, weil da nur noch über Corona berichtet wird“, sagt Stude. „Aber jetzt, wo alle durchgeimpft sind, glauben die meisten fest daran, dass das Schlimmste hinter uns liegt.“ (fst/per)

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