Erste Sichtung des seltenen Vogels seit 1978 – Tier europaweit vom Aussterben bedroht

Stippvisite der Großtrappe

Seltener Gast im Werra-Meißner-Kreis: Stephan Boschen fotografierte diese Großtrappe. Foto: nh

Werra-Meißner. In heimatlicher, vogelkundlicher Literatur muss schon weit zurückgeblättert werden, um einen Nachweis von beobachteten Großtrappen im Werra-Meißner-Kreis zu finden. Das war im November des Jahres 1978, als zwei Exemplare auf der Hochfläche des Ringgaus rasteten.

Nun hielt sich wieder eine Großtrappe auf der Plateaufläche auf und Forstmann Stephan Boschen entdeckte sie, berichtet Wolfram Brauneis, Kreisbeauftragter für Vogelschutz. Boschens Bilder dokumentieren das tatsächlich sensationelle Ereignis. Die erste Beobachtung gelang ihm nördlich der Kreisstraße von Grandenborn nach Netra, also etwa 1000 Meter östlich von Grandenborn. Der Vogel strich nach einer Weile Richtung Schaumelskopf ab und landete nach einem Streckenflug etwa 500 Meter südlich von Grandenborn.

Europaweit ist die Großtrappe vom Aussterben bedroht und wird daher in der Europäischen Vogelrichtlinie als eine Art eingestuft, der in jeder Hinsicht größtmöglichster Schutz zu gewähren ist. In Deutschland leben nur noch etwa 100 Tiere, die den Schwerpunkt ihrer Verbreitung in Brandenburg, dort im Havelländischen Luch, haben. Dank des Engagements, vor allem ostdeutscher ehrenamtlicher Vereinigungen, war es überhaupt möglich die Art zu erhalten.

Vagabundierende Männchen

Wenn auch Großtrappen als Standvögel gelten, die ihr Brutgebiet in der Regel auch im Winter nicht verlassen, streichen noch junge, nicht geschlechtsreife Männchen gelegentlich weit umher. Um so ein herumvagabundierendes Männchen hat es sich aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Ringgau-Beobachtung gehandelt. Auf jeden Fall hat die Großtrappe die Wertigkeit des Ringgau-Plateaus als wertvollen Trittstein, als intakte Rastfläche erkannt. Auch eine Bestätigung der natur- und artenschutzfachlicher Bemühungen des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes die Hochfläche des Ringgaus für die Vogelwelt zu erhalten. Brauneis hat das Großtrappen-Projekt 1999 besucht. Er freut sich nun besonders, die von Stephan Boschen dokumentierte Beobachtung des seltenen Vogels im Kreis dorthin melden zu können. (alh)

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